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Ein Ryanair-Flugzeug rollt hinter der Baustelle zum neuen Terminal 3 am Flughafen vorbei. Der erste Flugsteig des neuen Terminals, ein reiner Billigflieger-Flugsteig, soll schon 2021 in Betrieb genommen werden.

Tarek Al-Wazir fehlt

Flughafen Frankfurt: Fraport legt Grundstein für Terminal 3 - Mahnwache und Proteste

Großer Tag für Frankfurt und seinen Flughafen: Fraport hat den Grundstein für Terminal 3 gelegt und damit für die größte Erweiterung seit einem Vierteljahrhundert vorangetrieben. Doch es gibt auch Proteste. 

Update, 29. April, 11.37 Uhr:  Der Ausbau des Frankfurter Flughafens geht weiter. Begleitet von Protesten einiger Bürgerinitiativen hat der Betreiber Fraport am Montag den Grundstein für das dritte Passagier-Terminal gelegt, über das im Endausbau rund 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden sollen.

Flughafen Frankfurt: Fraport legt Grundstein für Terminal 3

Der Ausbau des Frankfurter Flughafens geht weiter © Pfeiffer-Goldmann, Dennis
 © Pfeiffer-Goldmann, Dennis
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Ein erster Bauabschnitt soll ab 2021 die beiden bestehenden Terminals entlasten, über die im vergangenen Jahr knapp 70 Millionen Passagiere gereist sind. Im Jahr 2023 soll dann den Planungen zufolge eine zusätzliche Kapazität von 21 Millionen Passagieren zur Verfügung stehen. Das M-Dax-Unternehmen Fraport will bis zu 4 Milliarden Euro investieren, eine der größten privaten Infrastruktur-Investitionen in Europa.

Tarek Al-Wazir fehlt bei Grundsteinlegung von Terminal 3

Während an der Baustelle eine offiziellen Zeremonie mit rund 700 Gästen aus Wirtschaft und Politik stattfand, hielten Ausbaugegner im Terminal 1 eine Mahnwache ab. Sie befürchten zusätzliche Belastungen der Region durch Abgase und Lärm. Mit einem Grabstein wollen die Bürgerinitiativen den hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) an frühere Aussagen gegen das Terminal erinnern. Der Politiker war bei dem Festakt nach Angaben seines Ministeriums nicht anwesend, er besuchte stattdessen ein Richtfest für ein Wohngebäude in Frankfurt.

Auch interessant: Bizarrer Fund am Flughafen Frankfurt: Spürhund hat richtigen Riecher

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) bezeichnet den Bau von Terminal 3 als "wichtigen Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens und damit auch für den Wirtschaftsstandort Hessen." Das Land als öffentlicher Anteilseigner sei verpflichtet, die Belastungen für die Region durch den Flugbetrieb möglichst gering zu halten.

Erstmeldung, 28. April, 14.41 Uhr:   

Terminal 1/2

70 Millionen Passagiere drängen sich binnen eines Jahres in den Terminals des Flughafen Frankfurt Sie merken: Dieser Airport ist voll - oder eben zu klein. Die Infrastruktur in Terminal 1 von 1972 und Terminal 2 von 1994 reicht bei weitem nicht mehr aus. Folge sind teils lange Warteschlangen an Sicherheitskontrollen, in deren Folge verspätete Flüge und sogar Ausfälle. Terminal 3 soll Abhilfe schaffen mit Platz für am Ende 25 Millionen Passagiere. Fast so viele wie in Berlin-Tegel.

Flughafen Frankfurt: Haupthalle Terminal 3

Eine riesige, lichtdurchflutete Halle, fast so hoch wie ein Jumbo-Jet: Hier werden die Passagiere einchecken, die von Terminal 3 abfliegen. Architekt ist der Frankfurter Christoph Mäckler - sein Vater war schon einer der zwei Architekten, die seinerzeit Terminal 1 entworfen hatten.

Check-in Halle

Zwischen Haupthalle und den Flugsteigen entsteht ein 6000 Quadratmeter großes, futuristisch gestaltetes Areal mit Läden und Restaurants.

Gastro-Bereich

Unter der Check-In-Halle wird der Ankunftsbereich gebaut. Er erhält zunächst acht Gepäckbänder.

Marktplatz von oben.

Erster Flugsteig im Terminal 3 schon 2021 fertig

Der erste Flugsteig des neuen Terminals soll schon 2021 fertig und in Betrieb genommen werden. Fraport realisiert ihn vorab aufgrund des großen Passagierandrangs der Billigflieger. Flugsteig G ist daher als reiner Billigflieger-Flugsteig für zunächst vier bis fünf Millionen Fluggäste pro Jahr gedacht.

Pier G

Diese können an elf Schaltern ihr Gepäck aufgeben und an 13 Gebäudepositionen in Flugzeuge einsteigen. 59 000 Quadratmeter Grundfläche überdeckt der Bau, und er wird auf 2000 Quadratmetern Geschäfte und Restaurants bieten.

Pier G Check-in-Bereich.

Übrigens: Schon heute werden die meisten Flugzeuge von Ryanair, Wizzair & Co. auf den Parkpositionen von Flugsteig G abgefertigt, direkt an der Baustelle. Ist 2023 auch das Hauptgebäude fertig, steigt die Kapazität auf sechs bis sieben Millionen Passagiere pro Jahr.

Flughafen Frankfurt: Bau dauert zwei Jahre

Ist bereits seit Januar in Bau und soll in zwei Jahren fertig sein. Er wird 400 Meter lang, zehn Flugzeuge sollen direkt andocken können. Mit zwei Ebenen und 35 000 Quadratmetern wird er rein auf die Abfertigung von Flügen zu Schengen-Zielen ausgelegt.

Terminal 3 außen

An seinem Fuß entsteht der 69 Meter hohe Kontrollturm, von dem aus die Vorfeldlotsen den Verkehr auf dem Vorfeld von Terminal 3 überwachen.

Flugsteig J

Flugsteig J soll ebenso binnen zwei Jahren entstehen. Noch bis zum Sommer soll der Bau beginnen. Flugsteig J wird der große Bruder von Flugsteig H: 600 Meter lang, Platz für 14 Flugzeuge, davon vier Großraummaschinen wie Jumbo oder Airbus A380, drei Ebenen, 68 000 Quadratmeter Fläche.

Pier J

Hier können auch Flüge zu Ziele außerhalb des Schengen-Gebietes abgefertigt werden, also Amerika, Afrika oder Asien. Dafür erhält der Flugsteig einen "Ankommer-Gang" und einen direkten Zugang zum Nicht-Schengen-Bereich der PTS-Bahn zu Terminals 1 und 2.

Flugsteig K

Flugsteig K wird zu- nächst nicht mitgebaut, sondern kann später ergänzt werden. Er hat eine Kapazität von vier Millionen Passagieren im Jahr und würde die Gesamtkapazität des Terminals 3 auf die finalen 25 Millionen Fluggäste erhöhen. Bauen will Fraport den Flugsteig K erst, wenn diese Kapazität notwendig wird.

Gepäckausgabe

Parken am Flughafen Frankfurt

Verkehrstechnisch wird Terminal 3 ein Schritt zurück: Der Neubau wird zunächst nur per Auto, Taxi oder Bus bequem erreichbar sein. Angebunden wird Terminal 3 über die Anschlussstelle Zeppelinheim an die A5. Der Anschluss wird dafür erweitert.

Grafik aus der Luft.

2021 soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Dann wird auch das erste Parkhaus mit 2200 Stellplätzen fertig. 2022 soll dann das gesamte Parkhaus mit 8500 Stellplätzen in Betrieb gehen. Die neue Vorfahrt ist seit 2016 im Bau.

Fraport: Magnetschwebebahn wird ausgebaut

Das neue Terminalgebäude im Süden des Flughafengeländes liegt weit weg von den anderen beiden Terminals und den Bahnhöfen im Norden. Um alles zu verbinden, baut Fraport eine zusätzliche, völlig neue Strecke der fahrerlosen PTS-Bahn. Sie soll ab 2023 Terminal 3 mit Terminal 2, dem Flugsteig C in Terminal 1 und den Bahnhöfen verbinden.

PTS-Station innen

Direkt über der Vorfahrt von Terminal 1 soll die nördliche Endstation liegen. Hier liegt der Regionalbahnhof mit den S-Bahnen genau vier Ebenen darunter und der Fernbahnhof ist einen Drei-Minuten-Fußweg durch den vorhandenen Übergang entfernt. Die Fahrzeit für die mehr als fünf Kilometer Strecke zum T3 soll acht Minuten betragen, die PTS-Bahn Tag und Nacht verkehren, im Maximum im 2-Minuten-Takt.

PTS-Station außen

 

Laut Fraport kann dadurch weiter die Umsteigezeit von 45 Minuten zwischen zwei Flügen garantiert werden - selbst wenn diese in verschiedenen Terminals sind. Fahrgäste sollen an der Station im Flugsteig C von der neuen in die alte PTS-Linie umsteigen können. Diese fährt von dort zu den Flugsteigen B und A.

Zum Thema:  Sprecher der Ausbaugegner: „Der Bau von Terminal 3 ist ein Anachronismus“

S-Bahn

Einen Bahnhof für die S-Bahn baut Fraport zunächst nicht - ganz anders als 1972, als der Tiefbahnhof unter Terminal 1 weltweit als Meilenstein gelobt wurde. Von der Kapazität her sei das nicht nötig, sagt Fraport. Das sehen viele anders, allen voran die Stadt.

Außenvisualisierung Besucherpodest.

Sie drängt darauf, dass Terminal 3 auch eine S-Bahn-Station bekommen soll. Erste Pläne dafür gibt es schon, der Platz für einen späteren Bau von Strecke und Station wird ebenfalls freigehalten. Die S7 Frankfurt-Riedstadt könnte später einmal zwischen Zeppelinheim und Walldorf einen Abstecher machen. Dann würde die S7 auch in Frankfurt durch den City-Tunnel fahren und nach Hanau verlängert, plant der Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Cargo City Süd

Die Cargo City Süd (CCS) ist seit 2005 auf dem ehemaligen Gelände der Rhein-Main Air Base gewachsen. Diese war von 1951 an ein wichtiger Luftwaffenstützpunkt für die US-Air Force. Erst mit deren Rückzug 2005 entstand überhaupt die Wachstumsmöglichkeit auf diesem Gelände. Nun entsteht neben der CCS zum ersten Mal ein Passagierbereich im Süden des Flughafengeländes.

Ausbau

Der Bau von Terminal 3 ist ein Ergebnis des Mediationsverfahrens aus dem Jahr 2000 zum Ausbau des gesamten Airports. Demnach darf der Flughafen wachsen um die Nordwestlandebahn (in Betrieb seit 2011) sowie das neue Terminal.

Grafik Luftaufnahme.

Im Gegenzug haben die Bewohner im Rhein-Main-Gebiet die Nachtruhe zurückbekommen: Seit 2011 gilt ein nächtliches Start- und Landeverbot von 23 bis fünf Uhr. 700 000 Flugbewegungen pro Jahr sind nun erlaubt. Das sind deutlich mehr als die 518 000 aus dem Jahr 2018.

Pro und Contra zum Terminal 3

Das sagt der Fraport-Chef 

Der M-Dax-Konzern Fraport hat sich unbescheidene Ziele gesetzt: "Wir sind Europas bester Flughafenbetreiber und setzen weltweit Standards." Als solcher will das Unternehmen aus eigener Kraft sein Heimatdrehkreuz Frankfurt ausbauen. Dreieinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich steht heute die Grundsteinlegung für das dritte Passagier-Terminal an. Damals wie heute ist Stefan Schulte Vorstandschef der Fraport AG, an der das Land Hessen und die Stadt gemeinsam die Mehrheit halten. In Anspielung auf den immer noch nicht fertigen Berlin-Brandenburger Hauptstadt-Flughafen sagte er über den Neubau: "Das wird kein BER, keine Sorge." dpa

So sehen es die Kritiker

Der Protest der Bürgerinitiativen aus dem Flughafen-Umland gegen Lärm, Umweltschäden und Flächenverbrauch hält auch bei Terminal 3 an. Seit Eröffnung der Nordwestlandebahn 2011 demonstrieren Menschen im Wochentakt. Die BIs haben auch für heute eine Mahnwache angekündigt (11 Uhr, Terminal 1). "Terminal 3 liefert endgültig den Sargnagel für die Rhein-Main-Region", sagt Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen. Unterstützung erhalten sie beispielsweise von der Rüsselsheimer Mobilitäts-Dezernentin Marianne Flörsheimer (Linke): "Eine vertretbare Größe des Flughafens ist schon längst überschritten."

dpa/dpg

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