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Immer mehr Reisende nutzen günstige Flughafen-Parkplätze im Frankfurter Westen.

Auto-Abstell-Alternative

Langzeit-Parken wird billiger: Immer mehr Flughafen-Parkplätze

Im Frankfurter Westen werden Flächen als externe Flughafen-Parkplätze genutzt. Firmen verdienen Geld, wenn Fluggäste ihre Autos abstellen.

Frankfurt - Das Gelände an der Mainzer Landstraße 695 / 697 ist über Wochen eingeebnet worden, so dass mancher schon dachte, dass dort Häuser entstehen. Nun ist klar: Der "Parkfuchs" hat dort einen Bau angelegt. Die Fläche direkt an der Auffahrt zur B 40 a in Richtung des Frankfurter Flughafens ist ein idealer Standort, um einen Flughafen-Parkdienst anzubieten. Diese Dienste werden immer mehr nachgefragt, weil die Parkhäuser am Flughafen bei einer ein- oder zweiwöchigen Urlaubsreise teurer kommen können als Flug und Unterkunft mit Halbpension.

Frankfurter Flughafen: Direkter Anschluss

Solche Flughafen-Parkplätze privater Anbieter gibt es unter anderem an der Fritz-Klatte-Straße (am Rande des Industrieparks Griesheim) nahe der Schwanheimer Brücke, also auch mit direktem Zugang zur B 40 a, am Tor Nord des Industrieparks Höchst oder an der Sindlinger Bahnstraße.

Shuttle-Busse bringen die Kunden rund um die Uhr zu den Terminals 1 und 2 und holen die Reisenden nach ihrem Urlaub auch wieder ab, um sie zu ihrem Auto zurückzubringen. Buchen kann man die Leistung im Internet. Dann muss man nur noch zur angegebenen Parkplatz-Adresse fahren. In der Silostraße und der Pfaffenwiese etwa kreuzen immer wieder Autofahrer umher, die den Parkplatz am S-Bahn-Halt "Höchst Farbwerke" suchen, weil ihnen geraten wird, "Pfaffenwiese 318" in ihr Navigationssystem einzugeben, um "My Car Park Parkplatz Frankfurt" zu finden. "Täglich" sei das der Fall, berichtet ein Feuerwehrmann, der in der Wache an der Pfaffenwiese Dienst tut: Nicht wenige, die ihren Parkplatz nicht finden, klingeln dann an der Wache.

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"Eine Woche parken schon ab 29 Euro" heißt es etwa in den Internet-Angeboten für "Parkplatz-Angebote am Flughafen inklusive kostenfreiem Shuttle" - "am Flughafen" heißt dann eben in Höchst, Unterliederbach, Nied, Griesheim oder Sindlingen. Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf den Frankfurter Westen: "Parkfuchs" und "MyParken" sind auch schon am Hessendamm und in der Voltastraße in Hattersheim.

Selbst in Wohngebieten, wo Parkplätze Mangelware sind, sind solche Parkangebote schon etabliert worden, etwa in Nied-Süd an der Alzeyer Straße, wo plötzlich ein Bürocontainer auf dem Parkplatz eines Supermarkts stand, um die Miete zu kassieren: Nach einem Antrag des parteilosen Ortsbeirats Uwe Eisenmann wurde das im Frühjahr 2018 überprüft und unterbunden (wir berichteten). Dieser Parkplatz ist jetzt wieder im Fokus: Auf der eingezäunten Fläche werden nun immer wieder abgemeldete Autos (zwischen-)geparkt. In Schwanheim sorgen wochenlang auf Parkplätzen stehende Autos für Ärger

Anfang diesen Jahres hat der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) den Magistrat erneut um Überprüfung gebeten - mit dem Ergebnis, dass der Magistrat nun vermeldet hat, dem Eigentümer der Liegenschaft sei nicht bekannt, wer da Autos auf seinem Grundstück abstellt. Er habe jedoch zugesichert, die Fahrzeuge entfernen zu lassen. Um ähnliche Vorkommnisse zukünftig zu vermeiden, soll der Parkplatz nun nach Geschäftsschluss des Supermarkts abgeschlossen werden.

Die Flughafen-Parkangebote sind im Gegensatz zu der widerrechtlichen Nutzung in der Alzeyer Straße legal. Die Deutsche Bahn etwa hat einen Großteil ihres Pendler-Parkplatzes am Tor Ost vor zwei Jahren an einen privaten Betreiber übergeben, weil er von Pendlern nicht ausreichend genutzt worden ist - trotz eines ursprünglichen Tagespreises von zwei Euro (jetzt drei Euro).

Pendler kommen dazu

Die Pendler aus dem Main-Taunus- oder anderen Kreisen, die im Frankfurter Westen auf die S-Bahn umsteigen, um eine Tarifzone zu sparen, parken jedoch weiter am liebsten kostenlos. Darunter leiden etwa die Anlieger der Wohnstraßen in Sindlingen-Nord, wo die S-Bahn-Halte Sindlingen und Zeilsheim fußläufig erreicht werden können. Auch die Randstreifen der West-Höchster Straße sind ständig zugeparkt.

Den Bau eines Parkhauses am S-Bahn-Halt Zeilsheim hat die Stadt rigoros abgelehnt: Man wolle keine Pendler anziehen.

Von Holger Vonhof 

Kommentar

Wer 259 Euro für eine Woche Mallorca bezahlt, will nicht 500 Euro oder mehr für die Zeit blechen, da sein Auto im Flughafen-Parkhaus steht. Und obwohl der Airport bestens mit dem Zug zu erreichen ist, kommen immer mehr Flugreisende mit dem Auto: Weil es eben von ihrem Zuhause mit all dem Gepäck zu weit oder auch zu umständlich zum nächsten Fernbahnhof ist. 

Die zunehmenden Flughafen-Parkflächen im Frankfurter Westen sind, wenn man es so will, ein Resultat der Streckenstilllegungen der Bahn auf dem platten Land ebenso wie des Billig-Booms bei Flugreisen, wo dann der Parkplatz fürs Auto nicht den Kostenrahmen sprengen soll. Bei bereits existierenden Parkplätzen, die nicht wirtschaftlich betrieben werden können, ist eine Umwidmung akzeptabel. In einer Stadt, die unter der Wohnungsnot ächzt, ist es aber völlig unverständlich, wie ein früher bewohntes Grundstück zum Parken eingeebnet wird.

Von Holger Vonhof

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