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In der Ginnheimer Platensiedlung werden die Mehrfamilienhäuser aus den 50er Jahren um zwei Etagen aufgestockt.

Immobilienmarkt

Frankfurt stockt groß auf: 7000 neue Wohnungen möglich

Mehr Wohnungen, ohne neue Häuser zu bauen? Frankfurt will durch das Aufstocken von Wohnhäusern in großem Stil und schnell Wohnraum schaffen. Allerdings muss die Stadt vorsichtig herangehen, damit die Mieten für Bestandsbewohner nicht in die Höhe schießen.

Frankfurt - Die Zahl ist gigantisch: 90 000 Wohnungen müssen bis 2030 in Frankfurt und im Umland gebaut werden, um Platz zu schaffen für die Menschen, die in die Region drängen. Diese Marge ist im integrierten Stadtentwicklungskonzept (Istek) erarbeitet worden. Neue Wohngebiete auf der grünen Wiese stoßen allerdings im Norden, Nordwesten wie auch Westen der Stadt auf reichlich Widerstand.

Deshalb wollen die Römerkoalitionäre eine weitere Option nun konkret nutzen: "Aufstockungen und Dachausbau sind zwei Möglichkeiten, zusätzlichen Wohnraum im Siedlungsbestand zu schaffen", erklärt Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Dies auch umzusetzen, hat die Stadtregierung jetzt zur Strategie erklärt. Die Stadt wolle Aufstockungen und Dachausbauten "aktiv initiieren beziehungsweise positiv begleiten", erläutert Josef.

Ein erstes und bundesweit beachtetes Aufstockungsprojekt läuft bereits: In der Platensiedlung lässt die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG dreistöckige Mehrfamilienhäuser aus den 1950er-Jahren um zwei Stockwerke erhöhen. Die Zahl der Wohnungen in der Siedlung steigt von 348 auf 728. Der Clou ist die modulare Holzbauweise, das Bauen geht so superfix.

Mit diesem Projekt vor Augen hatten CDU, SPD und Grüne die Untersuchung über Aufstockungspotenziale im Herbst bei Josef bestellt. In einem nun vorgelegten Zwischenbericht geht der Dezernent im Stadtgebiet "von einem Entwicklungspotenzial von bis zu 19 000 Wohneinheiten" durch Aufstockungen und Dachausbauten aus.

Dies sind viel mehr als Josef selbst noch zu Jahresbeginn schätzte. Und es sind mehr als die 16 000 Wohnungen, die Forscher der Fachhochschule als Potenzial im Stadtgebiet ermittelt hatten: "Das entspricht ungefähr der Hälfte des für den Zeitraum von 2010 bis 2030 prognostizierten Wohnraumflächenbedarfs", sagt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Luxussanierungen vermeiden

Um das Potenzial tatsächlich zu heben, sei ein "Ansatz einer aktiv betriebenen Weiterentwicklung" notwendig, betont der Planungsdezernent allerdings. Allein die Hausbesitzer machen zu lassen, genüge nicht. Sie realisierten pro Jahr 800 Wohnungen durch Aufstocken, womit bis 2030 rund 12 000 Wohnungen möglich wären.

Dabei warnt Mike Josef vor Fehlentwicklungen. Mit Aufstockungen könne auch "eine städtebaulich unerwünschte Bestandsaufwertung einhergehen", besonders in begehrten Lagen der Gründerzeitquartiere. So etwas solle vermieden werden, weshalb die Stadt extra Milieuschutzsatzungen erlassen hat, betont der Stadtrat. Sie sollen Luxussanierungen verhindern, etwa in West- und Nordend, Gutleutviertel, in Bornheim und Sachsenhausen.

Bestandsmieten sichern

Seveso-Schutzgebiete rund um Chemiestandorte fallen ebenfalls unter anderem aus der Potenzialliste wie Einfamilienhaus-Siedlungen und Baugebiete, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind. Stattdessen fokussiere sich die Stadt auf Areale, in denen Aufstockungen schnell machbar sind. Das seien Flächen, die unterdurchschnittlich dicht bebaut sind, die nicht unter Denkmalschutz stehen und die einheitliche Eigentümerstrukturen haben.

Ergebnis: Rund 7000 Wohnungen könnten konkret gewonnen werden. Mike Josef räumt ein: Dabei seien "eine Reihe von Zielkonflikten zu lösen". Mehr Wohnungen bedeuteten oft auch mehr Autos, während besonders die Gründerzeitquartiere schon unter Parkplatznot litten. Es müssten auch genug Grünflächen und Freiräume zwischen den Wohnhäusern bestehen bleiben und die soziale Infrastruktur müsse mitwachsen. Zudem sollten Ausbauten fürs energetische Sanieren der Häuser genutzt werden. Bei all dem müssten zugleich die Bestandsmieten in den Häusern abgesichert werden.

Umgesetzt werden soll das Aufstockungsprogramm offenbar unabhängig vom aktuellen Streit in der Koalition über die Stadtentwicklung. Denn Mike Josef will das Istek vom Politik-Leitfaden der Stadt zum Arbeitspapier seines Planungsdezernats abstufen, da sich die Koalition nicht darüber einigen könne (wir berichteten). Das Aufstockungsprogramm "wird eine Vorwegnahme eines Teils des Istek", bestätigt CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein dennoch gemeinsames Vorgehen. Die Koalitionäre bewiesen so, dass sie in großen Teilen hinter dem Stadtentwicklungskonzept stünden.

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