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Heimatforscher Dieter Frank staunte nicht schlecht über Frankfurts Kudamm.

Es gibt auch hier einen Kudamm'

Frankfurts kuriosesten Straßennamen - und wo sie herkommen

Frankfurt hat seinen Kudamm'. Doch auch weitere Straßen der Mainmetropole tragen kuriose Namen. 

Frankfurt - In der Mainmetropole gibt es rund 3400 Straßen. Viele haben einen Namen, der sich nicht sofort erschließt. Andere tragen gänzlich skurrile Bezeichnungen. Wir haben uns in Frankfurt umgeschaut, bei unserer Betrachtung aber nach Menschen benannte Straßen nicht berücksichtigt. Ein Überblick über einige der kuriosesten Namensgebungen. 

Kuhdamm

Was den Berlinern ihr weltberühmter Prachtboulevard Ku’damm ist (tatsächlich heißt er Kurfürstendamm und ist nach dem Hohenzoller Joachim II. - 1505 bis 1571 - benannt), kommt in Frankfurt deutlich bescheidener daher. Es ist ein kleiner gepflasterter Feldweg in Sindlingen. Gestrüpp ziert seinen Rand, Schrebergärten stehen in Reih und Glied. 

Gibt es auch ein schmuckes Schild, findet sich der kleine Weg trotzdem in keinem offiziellen Straßenregister der Stadt. „Vermutlich hat sich hier ein Schrebergärtner einen Spaß gemacht und das Schild in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aufgehängt“, sagt Dieter Frank vom Sindlinger Heimat- und Geschichtsverein. Wann genau das geschah, weiß auch er nicht. Und das „h“ im Namen deute eher auf einen tierischen Hintergrund. 

Affentorplatz

Tierisch mutet auch dieser Name an. Während manche an eine Verballhornung der lateinischen Grußformel Ave glauben, gab es nicht weit entfernt tatsächlich einmal ein Haus, das „Zum Affen“ hieß. 1809 wurde das Tor samt Wachturm abgerissen. Übrig blieben zwei Gebäude mit je drei Stockwerken in Sachsenhausen. 

Am Lachgraben

Nicht humorige Menschen, sondern ein Bach gaben der Straße in Sindlingen den Namen. Er leitet sich von dem mittelhochdeutschen Begriff für „Lache“ ab. Das ist ein seichter, morastiger Sumpfgrund. Die Bezeichnung weist zudem auf den einst oberirdischen Verlauf des kleinen Gewässers hin. Seine Quelle befindet sich am Hof Hausen. Zusammen mit dem Welschgraben mündet der Lachgraben schließlich oberhalb von Sindlingen in den Main. 

An der Bitz

Die Straße befindet sich unweit der Nidda in Praunheim. Der Name stammt aus der Zeit der Alemannen, die von etwa 220 bis 530 n. Chr. das Untermaingebiet beherrschten. Ursprünglich bezeichnete der „Bitz“ einen Grasgarten, ein Krautfeld oder auch einen Dorfzaun. Heute versteht man darunter ein umzäuntes Grundstück. Erstmals erwähnt wurde die Bitz in einer Urkunde von 1307. 

Batterie

Zwischen dem Brüningpark und dem Main liegt die Straße „Batterie“ in Höchst. Woher stammt der kuriose Name der Straße? Sicher ist: Eine riesige Batterie, die Höchst mit Strom versorgte, stand hier nicht. Vielmehr setzte das kurmainzische Höchst früher sogenannte Geschütz- Batterien ein. 

Das waren vier bis acht Kanonen, welche die Festung und Stadtmauer vor feindlichen Angriffen schützen sollten. Der Hintergrund: Das selbstständige Höchst erhob einen Mainzoll, die Frankfurter Kaufleute wollten meist nicht zahlen. 

Diebsgrundweg

Wurden Spaziergänger auf dem Diebsgrundweg einst von Dieben bestohlen? Das altsächsische Wort „deop“ bedeutet tief. Der Diebsgrundweg ist heute ein schmaler Verbindungsweg zwischen Bockenheim und Ginnheim, der entlang der Kleingärten führt. Im Mittelalter war diese Bezeichnung, die „Tiefer Grund“ bedeutet, auch andernorts üblich. 

Einsiedlerstraße 

Nördlich des Martin-Luther-King-Park verläuft die kurze Einsiedlerstraße in Niederursel. Die Straße verdankt ihren Namen dem 607 Meter hohen Einsiedlerberg im Hochtaunuskreis. Mit einem Einsiedler, der sich bewusst dazu entscheidet, einsam zu leben, hat der Straßenname somit nichts gemeinsam. 

Feldgerichtstraße

Unweit des Hauptfriedhofs liegt die Feldgerichtstraße in Frankfurt. Das ehemalige Feldgericht am Kühhornshof verhandelte geringe Alltagsdelikte sowie Grenz- und Erbvergehen. Diese sühnte das Gericht mit Geldbußen und geringen Körperstrafen. Es lag südöstlich der Gebäude des Kühnhornshofs. Am Feldgericht befanden sich zwei alte Gerichtslinden. Das Gericht war von einem Brunnen umgeben, den der Marbach speiste. 

Holzhecke

Eine Hecke aus Holz? Kann es die überhaupt geben? Zumindest in Niederrad. Die Holzhecke, einst Haupteingang zum Frankfurter Stadtwald gewesen, stand ursprünglich im Besitz von Kaiser Ludwig IV. Über Umwege kam das Waldstück für 1400 Gulden in den Besitz Frankfurts. 

Trotz heftiger Widerstände der Bevölkerung wandelte die Stadt die Wiese 1863 in eine Pferderennbahn um. Der Platz, auf dem der „Wäldchestag“ gefeiert wird, liegt ebenfalls in der Holzhecke. 

Leuchte

Woher stammt der Name der Leuchte, einer Straße in Bergen-Enkheim? „Lichtholz vor dem Bruche zu Emekeym“, war deren ursprüngliche Flurbezeichnung. Eine Flurbezeichnung ist die Benennung eines kleinräumigen Teils einer Landschaft.

Im Laufe der Zeit prägte sich die mundartliche Lautverschiebung im Raum Frankfurt immer weiter aus. Deshalb gilt Leuchte seit 1483 als Abkürzung für eine Waldlichtung. Früher nutzte das Militär die einstige Waldlichtung als Sammelpunkt und Truppenübungsplatz.

Von Moritz Serif

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