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Die Parents For Future unterstützen die Forderungen ihrer Kinder am Fridays For Future

Protest weitet sich aus: Interview

Parents For Future: Jetzt gehen auch Mama und Papa auf die Straße

Sie unterstützen die Forderungen der demonstrierenden Schüler an den Fridays For Future. Die Parents For Future Initiative möchte aber auch in den Dialog treten - denn es soll nicht um Schuldzuweisungen gehen 

Frankfurt - Vera Schilling (54) gehört zu den Initiatoren der Frankfurter Bewegung Parents for Future. Ihre 14-jährige Tochter demonstriert seit Januar während der Unterrichtszeit bei Fridays for Future für die Umsetzung der im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele, insbesondere für die Verringerung des CO2-Ausstoßes.

Parents For Future: Schutz vor Diffamierung 

Die Schülerinnen und Schüler fordern außerdem den Verzicht auf fossile Brennstoffe für die Energiegewinnung und den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs für eine wirksame Verkehrswende. Parents for Future unterstützen die Forderungen ihrer Kindern und gehen dafür nun ebenfalls auf die Straße. Aber noch etwas anderes treibt sie an: Sie wollen Politik und Verwaltung auf die Finger schauen und ihre Kinder vor Diffamierung schützen. Mit Vera Schiling sprach Sylvia A. Menzdorf.

Die Kinder und Jugendlichen demonstrieren schon seit Monaten jeden Freitag gegen die weitere Zerstörung der Lebensgrundlage durch den fortschreitenden Klimawandel. Nun ziehen die Eltern nach. Warum so spät?

Schilling: Weil dem ein komplexer Prozess vorausging. Wir Eltern mussten erst herausfinden und begreifen, wie sehr unsere Kinder unsere Unterstützung brauchen. Die Kinder zeigen uns, dass wir unser Leben ändern müssen. Bis man das verarbeitet hat! Das geht nicht sofort. Aber jetzt hat es auch bei uns klick gemacht.

Als Elterngeneration stehen Sie in der Kritik der protestierenden Jugendlichen, die den Erwachsenen vorhalten, mit ihrem bisherigen Lebensstil die Zukunft der Jugend zu verspielen. Ist es für die Kinder glaubwürdig, wenn die Eltern nun auch für weniger CO2 auf die Straße gehen?

Schilling: Ein Glaubwürdigkeitsproblem erlebe ich nicht. In unserer Familie wird jetzt viel mehr diskutiert darüber, wie wir leben wollen und welche Konsequenzen unsere Konsumgewohnheiten haben. Ein Ergebnis ist, dass wir deutlich weniger Fleisch essen, dass meine Tochter sich nur noch vegetarisches Schulessen wünscht und wir haben unseren Zweitwagen abgeschafft haben. Auf Flugreisen verzichten wir. Gelegentlich muss ich beruflich fliegen. So lange das unvermeidbar ist, kompensiere ich jeden Flug mit der finanziellen Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen. Da hat sich richtig was verändert.

Fridays for Future in Frankfurt: Eltern unterstützen ihre Kinder

Also keine Schuldzuweisungen von Jung zu Alt?

Schilling: Überhaupt nicht. Es geht den Kindern nicht darum, die Erwachsenen zu dämonisieren. Es geht ihnen nicht um die Verteilung von Schuld. Sie wollen dass endlich Schluss ist mit der Klimazerstörung. Sie wollen, dass es künftig teurer ist, CO2 zu verursachen als es nicht zu verursachen. 

Die Kinder sind überzeugt, dass die Wissenschaftler längst Lösungen für alle klimarelevanten Probleme in der Schublade haben. Science for Future liefert alle Lösungen und Argumente. Die Kinder sind davon überzeugt, dass Politik und Wirtschaft die Ansätze und Lösungen der Wissenschaftler nicht zulassen oder zumindest unerhört bremsen. Das wollen sie ändern. Und das unterstützen wir als Eltern.

Die wenigsten der Eltern, die sich jetzt bei Parents for Future stark machen, dürften bislang als Klimaaktivisten auf die Straße gegangen sein. Wie fühlt man sich, wenn man gleichsam erst im Kielwasser der Kinder in die Gänge kommt?

Schilling: Stolz. Wir sind ungeheuer stolz auf unsere Kinder, die uns dazu gebracht haben, endlich wach zu werden. Endlich aktiv zu werden. Wir wollen nicht die Initiative unserer Kinder kapern, aber wir wollen sie nach Kräften unterstützen. Mit Zuspruch, aber auch ganz praktisch. 

Auf jeder Demo werden Ordner gebraucht, die volljährig sein müssen. Da können wir Eltern helfen. Wir können taktische Ratschläge geben, wenn wir gefragt werden, oder auch mal mit Geld helfen. Vor allem aber: wir schauen ganz genau hin, wie die Politik und die Verwaltung mit unseren Kindern umgeht. 

Wir lassen nicht zu, dass sie als Faulpelze und Schulschwänzer diffamiert werden. Wir werden uns einmischen, wenn wieder mal ein Lehrer eine Klassenarbeit ausgerechnet am Freitag um 12 Uhr schreiben lässt und Schüler eingeschlossen werden mit dem Hinweis auf die Aufsichtspflicht der Lehrer.

Was können die rund 60 Frankfurter Mitglieder bei Parents for Future ausrichten?

Schilling: Wir sind Teil der Parents for Future Deutschland. Das ist kein zahnloser Mama-Papa-Verein. Da entstehen Stukturen für immer größere Handlungsfähigkeit., zur Zeit wird eine Rechtsabteilung aufgebaut. In Frankfurt haben wir Unterstützung von vielen Leuten, die Großeltern sind oder gar keine Kinder haben, die aber die Initiative tätig unterstützen und mit demonstrieren wollen. In Frankfurt haben wir uns deshalb für die Bezeichnung People for Future entschieden.

von Sylvia A. Menzdorf

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