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Sommer, Sonne, Stoffel: Kira feiert mit Michael beim Stoffel bei der Silent-Disco. Eine Veranstaltung, bei der Nachbarn keine Musik hören. 

Stoffel-Festival

Vom Friedberger Platz bis zum Stoffel: Feiern, bis die Müllabfuhr kommt

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Beim Stoffel und auf dem Friedberger Platz treffen sich tausende Menschen - Bislang nur "eine halbe Beschwerde"

Frankfurt – Aus der Günthersburgallee kommend, klingt es wie eine riesige Vogelkolonie. Zwischen bunten Marktständen tummeln sich bunte Vögel, allerdings menschliche. In Kostümen, schicken Kleidern, Anzügen und Büroschuhen wird auf dem Friedberger Platz mit Wein und Sekt in der Hand geflirtet, was das Zeug hält und über Börsenkurse, Präsentationen und Immobilien geplaudert. Die Wiese, der gepflasterte Platz, die kleine Mauer, Außenmauer und der Bürgersteig sind um 20.30 Uhr so voll besetzt, dass man kaum noch Boden sieht. Am Rand des Platzes steht ein Wagen der Stadtpolizei. "Wie schaut das eigentlich aus, wenn man was getrunken hat und E-Roller fährt - oder E-Bike?", fragt ein junger Mann in teurem Markenhemd und Weinflasche in der Hand.

Stoffel: Anders als die Klischees

Die Beamten geben freundlich Auskunft und raten ihm zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. "Damit kommen Sie ohne Probleme überall hin", sagen sie lächelnd. Probleme gab es lange über die wöchentlichen Treffen. Nachbarn haben sich über Lärm, Müll und unflätiges Verhalten beschwert. Das stört gerade niemanden auf dem Platz. Der Treffpunkt ist Kult. Gianna (26) aus Bockenheim hat Freundinnen aus Hamburg und Ulm zu Besuch. "Ich bin jeden Freitag hier", sagt die schlanke Frau mit langen blonden Haaren. "Anna und Rebecca waren noch nie hier. Ich zeige ihnen das richtige Frankfurt." Anna (24) kannte bisher nur den Flughafen, Rebecca (25) war noch nie in der Stadt. "Es ist schön hier, ganz anders als die ganzen Klischees", meint Anna und beobachtet das Treiben. "Als erster Stopp schon ziemlich gut", sagt Rebecca. Später geht es in den Ebbelwei-Express und an den Beach. Die jungen Frauen freuen sich.

Tausende von Menschen treffen sich jeden Freitag auf dem Friedberger Platz, um zu essen, zu trinken und zu feiern.

Nach vielen Beschwerden setzt die Stadt auf Verständnis. Um 22 Uhr sollten die Leute den Platz verlassen haben, damit die Nachbarn nicht gestört werden. Die FES ist pünktlich da und räumt auf, was rumliegt. Beim Ordnungsamt liegt in diesem Sommer bisher "nur eine halbe Beschwerde vor."

Kulturprogramm mit Tradition: 80 000 Besucher in gut 4 Wochen

Das gleiche gilt für Stoffel - das "Stalburg Theater Offen Luft". Zum 16. Mal in Folge ist der obere Teil vom Günthersburgpark eine riesige Open Air Kneipe mit kostenlosem Kulturprogramm. Auf der Wiese sind unzählige Decken mit Picknickkörben ausgebreitet. Familien, Freunde und Nachbarn liegen entspannt und hören Live-Musik von der Bühne. Die Bornheimer Songwriterin Fee singt sanft ihren Hit "Beweg Deinen Arsch". Vor der Bühne wird getanzt, an Biertischen mit Füßen gewippt und geklatscht. An Buden gibt es Getränke, Biowurst, Oliven, Pommes, Kuchen und Eis. Die Leute sind im Freizeit-Look, babbeln übers kommende Wochenende, ihre Kinder, Nachbarn, Pflanzen und Musik. Der Himmel färbt sich in Himbeerrosa-Orange, die Stimmung ist völlig entspannt und unaufgeregt. Kinder tollen zwischen abgestellten Fahrrädern und Decken. Patrizia Richter gehört zum Orga-Team und ist aufgeregt. "Wir achten drauf, dass die Musik leise ist, haben ruhige Tage unplugged ohne Mikros und heute die Premiere unserer ,Silent Disco'. Keine Ahnung, ob das ankommt."

Buntes Programm: Vom Songwriter bis zur ,Silent Disco'

Es wird dunkel, drei DJs stehen auf der Bühne um ihre Pulte herum. Die Flugbegleiter Kira (24) aus Gießen und Michael (30) laufen zügig über die Wiese. "Wo gibt's denn die Kopfhörer?", fragen sie. Sie feiern ihr zweijähriges Arbeitskollegendasein. Sie kommen direkt vom Friedberger Platz. Michael wohnt dort. "Ich mag es lebendig", sagt er. Beide wollen tanzen. Gegen 20 Euro Pfand gibt es Kopfhörer, die auf je einen DJ geschaltet werden können. Sie leuchten je nach Pult in grün, rot und blau. Wie Glühwürmchen bewegen sich die Menschen. Kein Ton Musik ist zu hören. Man sieht Paare harmonisch tanzen, die die gleiche Musik eingeschaltet haben und andere, die sich völlig unterschiedlich bewegen. Alle Ohren glühen bunt. "Das ist einfach nur genial", findet Kira und swingt mit blauen Kopfhörern. "Gut für alle", sagt Michael. "Wie können tanzen ohne Ende und kein Nachbar wird gestört."

Nähere Infos

Stoffel läuft noch bis einschließlich Samstag, den 13. Juli. Das Kinder-, Musik- und Spielprogramm gibt es im Internet unter https://stoffel.stalburg.de/programm . Der Eintritt ist frei. Wer mag, kann spenden, wenn das Team mit roten Eimern über den Platz läuft.

Von Sabine Schramek

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