+
Das Federvieh fühlt sich am Ostpark ausgesprochen wohl. 

Plage im Ostpark

Gänsekot auf der Liegewiese – Expertin: „Die Nilgans gehört zu uns“

  • schließen

Nilgänse, Graugänse und Kanadagänse lieben den Ostpark. Doch ihre Hinterlassenschaften sind für viele Bürger ein Grund, die Grünanlage zu meiden. Frankfurts Gänsefachfrau meint, die Menschen sollen sich nicht so anstellen. 

Frankfurt – Ein kniehoher Zaun trennt seit dem Frühjahr die Liegewiese vom Ostparkweiher. Er soll helfen, die Gänseplage in den Griff zu bekommen, über die sich viele menschliche Parknutzer beschweren. Die Idee: Wenn die wildlebenden Wasservögel von der Wiese aus keinen Blick auf den Weiher mehr haben, suchen sie sich ein anderes Plätzchen. Eine sanfte Methode, um die Gänse zu vertreiben. Doch funktioniert sie?

Nein, sagen Ostparknutzer. Denn die Liegewiese ist nach wie vor voll mit Gänsekot. Und die Tiere fühlen sich erkennbar überall wohl. Doch, sagt die Erfinderin des Gänsezauns, Dagmar Stiefel von der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. "Wir haben es geschafft, dass sich von 500 anwesenden Gänsen im Ostpark nur noch 100 auf der großen Liegewiese westlich des Weihers aufhalten. Ohne mit Waffen oder Gift tätig zu werden. Das ist ein Erfolg."

Sie habe nie versprochen, alle Gänse wegzubekommen, betont Stiefel. "Man kann auf dieser Fläche liegen. Nur muss man sich halt eine Decke mitbringen." Den Gänsekot einzusammeln, das könne man den städtischen Mitarbeitern nicht zumuten. Um die Fläche gänsefrei zu bekommen, müsste man mit deutlich härteren Mitteln vorgehen, sagt die Expertin, macht aber sofort deutlich, dass sie davon nichts hält. "Gänse gehören zu unserem Leben."

FDP bläst zur Jagd

Die Frankfurter FDP sieht das anders. Stadtteilübergreifend haben sich liberale Ortsbeiratsmitglieder für ein rigoroseres Vorgehen gegen das Federvieh ausgesprochen. Denn eine Gänseplage gibt es nicht nur im Ostpark. "Parks, Ufer, Gärten - die Nilgänse sind in vielen Stadtteilen ein Problem. Das verursacht immer größere Schäden", erklärt Uwe Schulz, FDP-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 5 (Sachsenhausen, Oberrad, Niederrad). Auch FDP-Ortsbeiräte aus Bockenheim, Hausen, dem Ostend und dem Frankfurter Westen fordern die Stadt auf zu handeln. "Die Nilgänse fallen unter das hessische Jagdrecht und genießen außerhalb der Schonzeiten keinen besonderen Schutz. Warum sie in Frankfurt so hofiert werden, ist unverständlich", so Schulz.

Jede Menge Gänsekot im Ostpark. 

Die aus Afrika eingewanderte Nilgans steht im Fokus der FDP-Initiative. Sie tritt besonders aggressiv auf und pflanzt sich stärker fort. Zudem wird ihr vorgeworfen, einheimische Wildvögel wie die Stockente zu verdrängen.

Ein Vorwurf, den Vogelschützerin Dagmar Stiefel für falsch hält. "Die Nilgans ist die lauteste, sie verteidigt ihre Jungen vehement. Deshalb fällt die dem Spaziergänger auf." Aber mit dem genauen Blick des Wissenschaftlers erkenne man, dass sich die anderen Arten nur ein Stück zurückziehen, dann aber genauso erfolgreich brüten. "Im Schutz der Nilgans gewissermaßen", sagt Stiefel. Tatsächlich sind im Ostpark derzeit vor allem heimische Graugänse zu sehen.

"Nilgans gehört nun zu uns"

Die ganze Debatte über die eingewanderte Art hält Stiefel für unnötig. "Wir werden die Nilgans nicht mehr los. Wenn wir das gewollt hätten, hätten wir vor 30 Jahren anfangen müssen, als die ersten herkamen", sagt sie. "Jetzt ist es zu spät, die Nilgans gehört zu unserer Fauna. Wir müssen mit ihr leben."

Im Rödelheimer Brentanobad sah man das allerdings anders. Dort sorgten Nilgänse und ihr Kot für viel Ärger bei Badegästen und beim Personal. Bis man sich 2017 entschloss, einen Jäger um Hilfe zu rufen. Der schoss - außerhalb der Öffnungszeiten des Freibads - einige wenige Tiere ab. Dann war Ruhe. Zuvor hatten die Bäderbetriebe Dutzende andere friedliche Vergrämungsmethoden ausprobiert, aber keine war von Erfolg gekrönt.

Ob im Ostpark jemals zur Gänsejagd geblasen wird, bleibt abzuwarten. Zum Schutz der Menschen müsste dann ein Zaun um das gesamte Gelände gezogen werden. Und zwar ein deutlich höherer als der, der derzeit den Gänsen auf der Liegewiese den Blick auf den Weiher versperren soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare