Darauf hat man sich geeinigt

Stadt reagiert auf Elternprotest: Gefährlicher Schulweg über Miquelallee ist bald Geschichte

Eine Grundschule direkt hinter einer achtspurigen Hauptverkehrsader. Eine Elterninitiative sorgt sich um den Schulweg. Noch viel gefährlicher ist für Kinder aber eine ganz andere Art, in die Schule zu kommen.

Update, 22. Juni: Eine breitere Fußgängerinsel, Blitzgeräte gegen Raser und Rotlichtsünder, bessere Ampelanlagen. Für mehrere hundert Mädchen und Jungen, die nach den Sommerferien den Schulcampus Westend besuchen werden, soll der Weg dorthin sicherer werden. Das verspricht zumindest Schuldezernentin Sylvia Weber. Zuvor hatten die Eltern Alarm geschlagen, dringend notwendige Verbesserungen angemahnt. Die Liste der Sicherheitsmängel auf dem Weg zur Holzhausenschule und des nach den Ferien öffnenden Adorno-Gymnasiums ist lang.

Doch nun gab es ein Gespräch zwischen Schuldezernat, Straßenbauamt und Elterninitiative. Beteiligt waren auch die beiden Direktoren. Das Ergebnis ist eine lange Liste anstehender Verbesserungen. "Jetzt freuen wir uns auf die zügige Umsetzung der besprochenen Maßnahmen", so Elternsprecher Lorenz Gempper nach der Diskussion mit der Dezernentin.

Worauf man sich einigte:

  • Verbreiterung der Mittelinsel in der Hansaallee (Südseite).
  • Bau einer stationären Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage.
  • Größerer Schutzblinker (besserer Schutz der Fußgänger vor rechtseinbiegenden Kraftfahrzeugen aus der Hansaallee).
  • Verbesserung der Ampelschaltung für Fußgänger. Vorrangiges Ziel ist es, die westliche Fußgängerüberquerung über die Miquelallee in einem Zug überqueren zu können.
  • Drängelgitter an der Miquelallee zwischen Fahrbahn und Radweg.
  • An der Bremer Straße/Hansaallee größerer Blinklichter (besserer Schutz vor rechtseinbiegenden Kraftfahrzeugen).
  • So soll auch die Kreuzung Eschersheimer Landstraße/Holzhausenstraße sicherer werden.
  • Aufwertung der Fußgängerbrücke über die Miquelallee zum Grüneburgpark (Beleuchtung und Prüfung der Schulwegsicherheit).
  • Kurzfristig sollen Banner mit der Aufschrift "Achtung - neue Schule" aufgehängt werden.
  • Zudem soll geprüft werden, ob für die Miquelallee eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung ausgesprochen werden kann.
Eine Grundschule direkt hinter einer achtspurigen Hauptverkehrsader. Eine Elterninitiative sorgt sich um den Schulweg.


Schulweg kurz vor der Autobahn - Empörung und Aufregung bei Eltern

Erstmeldung, 16. Juni: Frankfurt - Achtspurig rauscht der Verkehr an der Frankfurter Miquelallee entlang. Das Gewirr aus Bus-, Abbiege- und Fahrradspuren ist selbst für Erwachsene schwierig überschaubar. Fußgänger schaffen es - wenn sie schnell sind - in einer Grünphase gerade mal auf die schmale Verkehrsinsel in der Mitte der Fahrbahnen. Nur wenige hundert Meter weiter wird die Straße zur Autobahn, die blauen Schilder sind bereits in Sicht.

"Das hier künftig Kinder entlanglaufen sollen, ist ja wohl absurd", sagt der Vater Lorenz Gempper. Er setzt sich mit anderen Eltern aus dem West- und Nordend für einen sicheren Schulweg ein. Denn ab dem kommenden Schuljahr soll neben der Miquelallee der neue Schulcampus Westend seinen Betrieb aufnehmen. Schüler der für den Umbau ausgelagerten Holzhausen-Grundschule und des Adorno-Gymnasiums sollen dann ihren Weg dorthin finden. Mehrere hundert Kinder seien es, meint Gempper. Und der Übergang über die Miquelallee sei nicht die einzige Gefahrenstelle rund um die Schulen.

Stadt Frankfurt hat alternativen Schulweg vorgeschlagen

Die Stadt Frankfurt hat nach eigenen Angaben einen alternativen Schulweg vorgeschlagen, der die kritische Kreuzung Miquelallee/Hansaallee direkt vor der Schule umgeht. Da die Alternative aber einen Umweg von rund einer Viertelstunde bedeute, halten Gempper und seine Mitstreiter diese Lösung für lebensfremd. Sie fordern deutliche Eingriffe in die Verkehrsführung: Veränderte Ampelphasen, eine breitere Insel, möglicherweise eine andere Abbiegeregelung, extra angelegte Wege und am liebsten eine Fußgängerbrücke über die Miquelallee.

Mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse von Kindern nehmen, diese dann aber auch als Verkehrsteilnehmer trainieren, ist aus Sicht von Experten die angemessene Vorbereitung für einen sicheren Schulweg. "Wenn ein Kind in Frankfurt wohnt, muss es lernen, mit dem Verkehr dort umzugehen", sagt die Sprecherin der Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Hessen, Barbara Mühlfeld. Eltern seien dann in der Pflicht, ihrem Nachwuchs einen sicheren Schulweg beizubringen. Gleichzeitig nehme die Verkehrsplanung hessenweit viel zu wenig auf die Bedürfnisse von Kindern Rücksicht, kritisiert die Kinderärztin. "Kinderfreundlich ist Frankfurt nicht, da muss enorm was passieren."

Ähnlich sehen das die Initiatoren der Aktion "Kidical Mass", bei der regelmäßig hunderte Kinder mit ihren Eltern in einem Fahrrad-Korso unter dem Motto "Auch uns gehört die Straße" in der Innenstadt demonstrieren. "Wir wollen Kindern eine Stimme geben und auf ihre Bedürfnisse hinweisen", sagt einer der Sprecher, Peter Josiger.

Sichere Schulwege: Frankfurt zeigt Engagement

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) will Kindern in Frankfurt nicht generell empfehlen, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Es komme stark auf das Alter und den Weg an, sagt der verkehrspolitische Sprecher für Frankfurt, Bertram Giebeler. "Städte wie Frankfurt sind von ihrer Verkehrsrealität auf Erwachsene ausgerichtet. Natürlich wollen wir, dass sich das ändert, aber das werden wir nicht schnell flächendeckend hinbekommen", sagt Giebeler. Das sei in anderen Großstädten ähnlich, immerhin habe Frankfurt in letzter Zeit einiges Engagement gezeigt.

Kinder als Verkehrsteilnehmer brauchen aus Sicht von Mühlfeld mehr Platz und mehr Sicherheit. Unter anderem wünscht sie sich längere Grünphasen an Ampeln, generell Tempo 30 in der Innenstadt und mehr Parkdisziplin. "Man kann den Kindern noch so viele sichere Wege zeigen und wenn dann ein Laster in zweiter Reihe steht müssen sie doch auf die Straße." Statt den Verkehr zu entzerren steigere sich jedoch dessen Dichte und damit die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer: "Die Kinder sind das schwächste Glied." Aufgrund ihrer Gehirnentwicklung fehle ihnen oft der Überblick und der Sinn für Gefahren. Da brauche es gute Planung und viel Vorsicht bei den anderen Verkehrsteilnehmern.

Trotz aller Unwägbarkeiten spricht sich die Ärztin klar für einen Schulweg zu Fuß oder ab einem gewissen Alter per Rad aus. "Wir sprechen viel über Bewegungsmangel bei Kindern, der Schulweg steuert da entgegen." Zudem ist der selbst bewältigte Schulweg immer noch sicherer als das Elterntaxi, was Zahlen der Unfallkasse Hessen belegen. Denn am häufigsten verunglückten Kinder auf dem Weg zur Schule als Beifahrer im Auto ihrer Eltern.

Im Falle der Miquelallee will sich die Stadt nun nochmal mit den Eltern und der Schulleitung zusammensetzen. Bei einem Termin mit Verantwortlichen von verschiedenen Ämtern soll noch vor den Sommerferien eine Lösung gefunden werden, sagen Eltern und Stadt. (dpa)

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