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Das Farbenhaus zieht um, die Frankenallee wird sich verändern.

Drei Geschäfte im Stadtteil schließen

Aus Gewerbeflächen im Frankfurter Gallus werden teure Wohnungen

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Das Umfeld der Frankenallee wandelt sich. Drei Geschäfte schließen, eins davon zieht an einen neuen Standort auf der Mainzer Landstraße. In der Frankenallee sollen mehr hochpreisige Wohnungen gebaut werden.

Als Thomas Ritschel 1976 seine kaufmännische Lehre im Farbenhaus Gallus begann, waren im Branchenbuch mehrere Gelbe Seiten mit Fachgeschäften für Farben, Lacken und Tapeten gefüllt, wie er sich erinnert. Heute gibt es nach seiner Kenntnis in Frankfurt nur noch drei Fachgeschäfte. Eines davon ist das Farbenhaus Gallus in der Frankenallee 96, das dank glücklicher Fügung seit Monatsbeginn in der Mainzer Landstraße 318 weiterbestehen kann.

Zwei Läden geben auf

Doch zwei weitere Geschäfte in der Frankenallee mussten aus Gründen mangelnder Wirtschaftlichkeit ganz aufgeben. Ritschel verweist auf das bereits geschlossene Autohaus Gruber in der Frankenallee 98 bis 102, das wie das Farbenhaus Gallus einer Privatfamilie gehörte und an eine Immobilienfirma verkauft wurde. Und auf die MZH Mietzentrale für Kompressoren in der Günderrodestraße 18 und 19, die seit Monatsbeginn geschlossen ist. Die Stiftung Technische Sammlung Hochhut und das angeschlossene Restaurant Maximilian’s in der Frankenallee bleiben davon jedoch unberührt.

In der Frankenallee 96 plant die Projekt Immobilien auf 3380 Quadratmetern einen Neubau. Das Bauvorhaben weist ein Verkaufsvolumen von 45, 5 Millionen Euro auf. „Wir bauen dort auf 5780 Quadratmetern Wohnfläche Eigentumswohnungen“, erklärt Unternehmenssprecherin Doris Walther. Wie viele, könne man derzeit noch nicht sagen. Auch auf dem Nachbargrundstück des Autohauses bestätigt der Sprecher des Planungsdezernats Mark Gellert Beratungsgespräche mit einem Investor. Ob für Wohnungen oder Bürofläche, sei derzeit noch ungewiss.

Auch in der Günderrodestraße steht die Entscheidung über die Zukunft in Abstimmung mit der Technischen Stiftung Hochhuth noch aus. Über die weiteren Planungen und die Gründe für die Geschäftsaufgabe möchte der dortige Inhaber derzeit keine Angaben machen. „Aber es sind bei uns im Gallus drei Traditionsgeschäfte betroffen“, sagt Ritschel. Den Tipp für den neuen Standort, der den Fortbestand von vier Arbeitsplätzen und nach dem Ausscheiden des heute 60-jährigen die geregelte Übernahme durch einen Nachfolger sichere, bekam er durch Geschäftsfreunde.

Frankfurt: Angst vor Gentrifizierung

Nach seiner Ausbildung übernahm Ritschel nicht nur die Geschäftsführung des 1951 gegründeten Farbenhauses Gallus, sondern war auch Mitbegründer des zwischenzeitlich wegen Mangel an Mitgliedern aufgelösten Gewerbevereins im Gallus. „Früher sprachen wir von Wohnraumzweckentfremdung, heute wird immer mehr Gewerbefläche zu Wohnraum umgenutzt“, stellt Ritschel fest. „Grundsätzlich ist nachhaltige Wohnbebauung ja gut, aber sie muss bezahlbar bleiben.“ Sonst schreite die Gentrifizierung voran und die gewachsene Vernetzung engagierter Geschäftsleute werde zerstört.

„Das Gallus befindet sich im Wandel, bezahlbaren Wohnraum wollen wir gerne fördern“, beteuert Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. „Aber nur bei der Erstellung eines neuen Bebauungsplans können wir den Anspruch auf 30 Prozent geförderten Wohnungsbau durchsetzen.“ Sonst könne nur durch Beratung auf den Bedarf an günstigen Wohnungen hingewirkt werden, was jedoch bei Eigentumswohnungen schwierig sei.

„Wir bedauern die Schließung der Unternehmen Autohaus Gruber und Hochhuth GmbH. Nach unserer Kenntnis haben verschiedene Gründe zu den Schließungen geführt, die aus der Sicht der Wirtschaftsförderung Frankfurt nicht ursächlich im Standort Gallus liegen“, erklärt Beatrice Kaufeler, Projektleiterin Unternehmenskommunikation der Wirtschaftsförderung Frankfurt. Das Farbenhaus Gallus habe man beim Umzug beraten. Eine finanzielle Unterstützung standortgefährdeter Einzelunternehmen sei ebenso wenig möglich wie eine Einflussnahme auf die Ansiedelung neuer Unternehmen, da die Entscheidung bei den Investoren liege und sich nach den Vorgaben der Bauleitplanung richte.

Meistens ist es in der Frankenallee recht friedlich, sehr selten wird sich auch mal geprügelt. Vor einiger Zeit war es sogar eine Massenschlägerei. Und auch das Bahnhofsviertel verändert sich. 40 Menschen wollen die Wohnprojekte "Nika" und "Niddastern" im Frankfurter Bahnhofsviertel beziehen: Noch mindern Fäkalien und Spritzbesteck die Vorfreude..

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