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Der alte Goetheturm ist nur noch eine Erinnerung

Ein Aspekt ist ungewohnt

Der neue Goetheturm: So wird er im Detail aussehen

Der Frankfurter Goetheturm soll bis Frühjahr 2020 nach historischem Vorbild wiederaufgebaut werden und wird teurer als gedacht.

Frankfurt - Umgewöhnen muss sich mancher Liebhaber des Goetheturms schon. So dunkel wie der Alte wird der Neue nicht aussehen, denn er wird heller und sein Holz erst mit Zeit und Witterung nachdunkeln. Sonst aber soll das beliebte Ausflugsziel am Rand des Stadtwalds „optisch wieder so aussehen wie früher“, sagt Baudezernent Jan Schneider (CDU). 

Neuer Goetheturm wurde Donnerstagmittag vorgestellt

An den Überresten des alten Turms stellt er an diesem Donnerstagmittag das Modell des neuen Goetheturms vor. „Form, Kubatur und Abmessungen entsprechen dem alten“, erklärt Schneider. Seine Fachleute haben gerade die Entwurfs- und Genehmigungsplanung abgeschlossen. Der Zeitplan ab jetzt: Im Juni soll das Verfahren zur Vergabe der Bauleistungen starten. Die Bauarbeiten sollen im Herbst beginnen und bis „zum Frühjahr 2020“ laufen. 

In der Pressemitteilung geht die Stadt davon aus, dass der Turm zum Goetheturmfest im Mai 2020 eröffnet werden kann. Markus Mannberger, Vorsitzender des Vereinsrings Sachsenhausen, quittiert das mit einem kecken Lächeln. „Wir haben schon das Okay vom Grünflächenamt, dass wir neben der Baustelle feiern dürfen.“ Falls nötig, werde es eben 2020 zwei Feste geben. 

Goetheturmfrest wird in Sachsenhausen gefeiert

Das Goetheturmfest feiern die Sachsenhäuser seit der großen Sanierung 1982. Dass der Turm wieder aufgebaut wird, damit fällt Mannberger ein Stein vom Herzen. Wie vielen Frankfurtern. „Das ist ein Wahrzeichen, das Frankfurt hier verloren hat, das ist viel mehr als ein materieller Schaden“, weiß Jan Schneider. In der Nacht zum 12. Oktober 2017 hatte ein Feuer den Turm zerstört. Wohl Brandstiftung, vermutet die Kripo. 

„Das war ein Stich ins Herz für die Frankfurter“, erinnert sich Schneider. Das Modell nun aber „weckt Vorfreude auf den neuen Turm“. Der wird wieder 43 Meter hoch und genauso breit wie der alte. Mit der Entscheidung für den Wiederaufbau nach historischem Vorbild lässt er sich von einer Online-Befragung leiten. Daran beteiligten sich 47 000 Menschen, den alten Turm wollten 78 Prozent wieder. „An einigen Stellen sind Kompromisse nötig“, räumt Schneider ein.

Holz des alten Goetheturms wirkte als Brandbeschleuniger

Das Holz des alten Turms hatten die Bauherren anno 1931 mit Teeröl imprägniert. Das half zwar gut, wirkte bei der Feuersbrunst aber auch als Brandbeschleuniger. Und vor allem ist Teeröl giftig und darf deshalb nicht verwendet werden. Deshalb wird der neue Turm auch nicht so dunkel wirken wie der alte. Das Fäulnisproblem löst die Stadt nicht mehr mit Öl, sondern konstruktiv: 

Verbindungselemente aus Stahl und Edelstahl werden eingebaut. Das werde „kaum sichtbar“ sein, verspricht Schneider. Immerhin werde dadurch das Unterhalten des Bauwerks erheblich einfacher und günstiger, freut sich der Dezernent. Zuletzt hatte eine Sanierung in den Jahren 2010 bis 2014 eine halbe Million Euro städtischen Geldes verschlungen. 

Neuer Goetheturm aus Edelkastanie 

Künftig können schadhafte Holzelemente erheblich einfacher ausgetauscht werden. Ein wenig länger als gehofft habe die Planung auch deshalb gedauert, weil die Fundamente detailreich untersucht werden mussten, erklärt der Baustadtrat. Ergebnis: Oberirdisch müssen sie zwar neu errichtet, die Teile im Untergrund aber können für den neuen Turm wieder verwendet werden. War der vorige Turm aus diversen Holzarten gefertigt, wird der neue rein aus Edelkastanie bestehen.

Goetheturm soll vor Feuerteufel geschützt werden

Im Innern sollen die Treppenstufen und Geländer aus Eichenholz gefertigt werden. Mehr Sicherheit werde es ebenso geben, kündigt Jan Schneider an. Zum einen werde der Turm vor Bösewichten besser geschützt, Details dazu hält der Dezernent lieber geheim. Auch für Besucher wird es sicherer: Die Stufen werden laut Schneiders Sprecher Günter Murr entsprechend heutiger Normen hergestellt, nicht mehr so hoch und ungleich. Einen Fahrstuhl aber gibt’s nicht. 

2,4 Millionen Euro soll der Goetheturm kosten

„Dafür reicht der Platz im Turm nicht.“ Mit der fertigen Planung stehen nun die Kosten fest: 2,4 Millionen Euro, etwas mehr als bisher geschätzt. Das werde die Zahlung der Versicherung nicht ganz abdecken, räumt Schneider ein. Eintritt wird die Stadt dennoch nicht verlangen, der Zugang bleibt kostenlos. 

Denn Spenden aus der Bürgerschaft füllen das Finanzierungsloch. 161 000 Euro seien schon jetzt bei der Stadt eingegangen. Dabei sind größere Gaben wie auch kleinere. Beispielsweise haben die Sachsenhäuser Vereine schon 7500 Euro beigetragen. Nun kommen drei weitere hinzu: 

Vom Frankfurter Immobilienmakler von Poll gibt’s 12 000 Euro, die Bad Homburger Dachdeckerfirma Willy Löw will das Dach des Turms kostenlos aufsetzen. Und Christoph Schmitt überreicht mehr als 21 000 Euro. Das Geld hat er mit seinem Verein für den Wiederaufbau des Goetheturms gesammelt. Den Verein hob der Rechtsanwalt und CDU-Stadtverordnete sofort am Tag des Brandes aus der Taufe.

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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