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Und täglich grüßt das Verkehrschaos: Hannelore und Alfons Preisendörfer leiden wie viele andere Anlieger unter der Autoflut, die vor ihrer Haustür durch den künstlich verengten Tannenkopfweg brandet.

Wird sich das bald ändern?

Goldsteiner verzweifelt: Durchgangsverkehr treibt sie in den Wahnsinn

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Blechkolonnen, Hupkonzerte und aggressive Autofahrer: Die Goldsteiner leiden seit Jahren unter dem Durchgangsverkehr aus der Bürostadt Niederrad. Hoffnung auf eine Lösung haben sie kaum mehr.

Frankfurt - Auf dem Wohnzimmertisch von Hannelore und Alfons Preisendörfer liegt eine imposante Fotosammlung. Doch es sind keine schönen Familienbilder, die man gerne hervorholt, um in Erinnerungen zu schwelgen. Stattdessen sind beidseitig, teils auf der Fahrbahn geparkte Autos zu sehen, Fahrzeugkarawanen und Laster, die anderen Verkehrsteilnehmern ein Durchkommen unmöglich machen. Das Ehepaar hat diese Fotos gemacht, um ihre tägliche Qual durch das Verkehrschaos direkt vor ihrer Haustüre zu dokumentieren. Oft, berichtet Hannelore Preisendörfer, meiden die beiden sogar ihr eigenes, zur Straße hin liegendes Wohnzimmer, weil es dort zu laut werde.

Verkehrschaos in Goldstein: Nur in eine Richtung

Das Problem ist die ungünstige strategische Lage ihrer Straße. "Der Tannenkopfweg ist die einzige Goldsteiner Durchfahrt vom Wald zum Schwanheimer Ufer", sagt sie. Tatsächlich fließt durch den Tannenkopfweg viel Verkehr, der über die Straßburger Straße aus der Bürostadt Niederrad kommt oder vom Schwanheimer Ufer dorthin unterwegs ist. Um die früher oft durchrasenden Fahrzeuge zum Langsamfahren zu zwingen, die kleine Wohnstraße vor vielen Jahren verengt, außerdem wurden Fahrbahnschwellen eingebaut..

Folge: Die Straße ist so schmal, dass sie meist nur in eine Richtung gleichzeitig befahrbar ist. Versetzt geparkte Autos verschlimmern noch das Problem. An den Einmündungen der Seitenstraßen kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen, wenn sich Autofahrer die Vorfahrt erzwingen. Besonders schlimm ist es zur Feierabendzeit - oder, wenn die Eintracht ihre Heimspiele hat, wie Alfons Preisendörfer berichtet: "Die Bürostadt verwandelt sich dann in einen Parkplatz für die Eintracht-Fans - und alle fahren durch unsere Straße." Übrigens auch immer wieder Brummis, obwohl Schilder das verbieten.

Klaus Oesterling erklärt Ehepaar Verkehrskonzept

Seit 46 Jahren wohnen die Preisendörfers schon dort, bauten von 1971 bis 1973 ihr Haus. Damals, erinnern sie sich, gab es die Bürostadt noch nicht. "Und die Straßburger Straße in Süd-Goldstein", erinnert er sich, "haben die uns damals als Baustraße verkauft. Sie sollte eigentlich bis auf die Rheinlandstraße nach Schwanheim durchgeführt werden." Doch dazu kam es nie. Stattdessen endet sie in einem Wendehammer.

Neben den Fotos liegt auch ein Schreiben der Stadt auf dem Wohnzimmertisch. Es ist die Antwort des Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling auf die Anfrage einer Nichte der Preisendörfers. "Die muss wegen der Einbahnstraßen um halb Goldstein fahren, um zu ihrer Mutter zu kommen", berichtet Hannelore Preisendörfer. Im Schreiben berichtet Oesterling von einem Verkehrskonzept für ganz Goldstein, das derzeit gemeinsam mit den Bürgerinitiativen erarbeitet werde, und "das die Probleme ganz Goldsteins berücksichtigt. Insbesondere ist hier der Tannenkopfweg ein Thema, das angegangen wird." Kurzfristige Besserung verspricht der Dezernent durch "zwei Mini-Kreisel, um den Verkehrsfluss im Tannenkopfweg zu optimieren". Sie würden zwei der Engstellen beseitigen, die bisher den Begegnungsverkehr erschweren. Die Preisendörfers bleiben skeptisch, "denn dann staut sich der Verkehr nur in den Kreiseln", wie sie befürchten. Eine Patentlösung für das Problem haben sie selber nicht. Viel gewonnen wäre ihrer Meinung nach aber, "wenn die Einengungen rückgängig gemacht würden."

Hoffnungsvoller klingt hingegen Bernd Krause, der sich mit seinem Zusammenschluss von Bürgerinitiative und Siedlergemeinschaft (BI/SG) seit vielen Jahren für Lösungen der Verkehrsprobleme Goldsteins einsetzt.

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Verkehrschaos in Goldstein

Auf die Initiative der Bürger geht eine Gesprächsrunde mit dem Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung, Mitarbeitern des Straßenverkehrsamtes und des Ortsbeirats zurück, in der, wie Bernd Krause erläutert, "das Verkehrskonzept für ganz Goldstein der BI/SG Goldstein als Grundlage genommen wird, um Einzelsegmente zu untersuchen." Seiner Überzeugung nach müsse sich "die unmögliche aktuelle Verkehrssituation für die Bürger ganz Goldsteins" verbessern - und nicht nur für einzelne. Dabei weist er auf eine Meinungsumfrage zur Situation "Zur Waldau und Carl-von-Weinberg-Schule" hin, "mit dem Ergebnis, dass in fast jeder Antwort die Forderung einer Rechtsabbiegemöglichkeit an der Autobahn erhoben wird."

Der Tannenkopfweg und die anderen im Verkehrskonzept enthaltenden neuralgischen Punkte, betont Krause, gehörten zusammen und seien nicht einzeln lösbar. "Wir sind dabei, den Elefanten in Scheibchen zu schneiden," beschreibt er das schwierige Vorhaben. Zwar treffe man "immer wieder auf Grenzen durch Formalismus und Entscheidungsträgheit", sehe aber auch "eine gewisse Bereitschaft der Zusammenarbeit und zur Veränderung." So seien seine Mitstreiter und er insgesamt "voller Hoffnung, ein geeignetes Verkehrskonzept umzusetzen."

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