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Die BI Grüne Lunge fordert mehr Grünanlagen statt Luxuswohnungen in Frankfurt.

Klimafreundliche Politik

Mehr Grünanlagen statt Luxuswohnungen: Bürgerinitiative stellt Forderungen

Die Bürgerinitiative (BI) Grüne Lunge fordert mehr Grünanlagen statt Luxuswohnungen in Frankfurt - sie haben gute Gründe für diese Forderung.

Frankfurt - Trotz Nieselregens und noch kühlen Werten ist in dem weitläufigen und wilden Gartengebiet die Natur bereits erwacht. Erstes Grün breitet sich über die noch kalte Erde aus, Vögel zwitschern, ein Grünspecht klopft ausdauernd. „Das sind mit die ersten Tiere, die sich im Frühling paaren und Nachwuchs zeugen“, sagt Folkhart Funk von der Bürgerinitiative (BI) „Grüne Lunge“. Sie würden bereits im März mit dem Brüten beginnen. 

Platz für ein Nest bieten auf dem Gelände zahlreiche alte Obstbäume wie Kirsche, alte Apfelsorten und Zwetschge. Nach dem Willen der Stadt Frankfurt sollen hier bald statt Grünspechten in sechs Wohnblöcken und einem Hochhaus tausende Menschen wohnen und ihren Nachwuchs großziehen. Das Plangebiet umfasst 20 Hektar, der Siegerentwurf eines Ideenwettbewerbs zeigt mehrgeschossige Wohnhäuser rund um einen zentralen Platz.

BI Grüne Lunge verweist auf Klimaschutz

Auf den Visualisierungen kaufen dort bereits Anwohner Gemüse an einem Marktstand, pflücken in einem Grünstreifen Blumen oder gehen zum Yoga. Doch die Bürgerinitiative will das auf jeden Fall verhindern und verweist unter anderem auf Klimaschutz und -anpassung.  Der Konflikt zeigt beispielhaft das Spannungsfeld der wachsenden Main-Metropole: Wohnungsknappheit auf der einen Seite, dringend notwendige Maßnahmen für Klimaschutz auf der anderen. 

In der Bankenstadt war es nach der Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im vergangenen Jahr im Schnitt so warm wie an keinem anderen Ort seit Beginn der Aufzeichnungen. Nach den Daten wurde im Frankfurter Westend mit 12,9 Grad die höchste Durchschnittstemperatur 2018 gemessen. Gleichzeitig wächst die Stadt seit Jahren stetig und die Mieten explodieren: 

Frankfurt überschreitet Zahl von 750 000 Einwohnern

Erst im Februar wurde die Zahl von 750 000 Einwohnern überschritten. Dass es in Frankfurt im Schnitt am wärmsten war, hat aus Sicht des DWD neben der speziellen geografischen Lage auch mit dem Wärme-Inseleffekt in Städten zu tun: Die Betonflächen heizen sich tagsüber stärker auf, zudem speicherten die Bankentürme enorm viel Wärme. 

Das hat zur Folge, dass es nachts kaum abkühlt. Frankfurt sei eine der Großstädte mit der stärksten Hitzebelastung in Deutschland, sagt DWD-Klimaexperte Meinolf Koßmann. Und diese wird nach allen Modellen über die Jahre zunehmen. „Man muss von Fall zu Fall unterscheiden, wo man die Prioritäten setzt“, sagt der Experte. Mit Computermodellen könne man bei geplanten Bauten simulieren, was die wenigsten negativen Auswirkungen hat und welche Ausgleichsmaßnahmen wie begrünte Dachflächen nötig sein könnten. 

BI Grüne Lunge fordert klimafreundliche Politik in Frankfurt

Am Ende sei es immer eine Abwägung und Klimaanpassung ein Aspekt von vielen, so der Klimatologe: „Man kann nicht alle Zielkonflikte in der Stadtplanung zur Zufriedenheit aller lösen.“ Eine Untersuchung des DWD aus dem Jahr 2011 kommt zu dem Schluss, dass eine Verdichtung der Bebauung die erwartete Zunahme an Sommertagen und -abenden in Frankfurt nahezu verdoppeln könnte. Eine Umwandlung von bebauten Flächen in Grünflächen könnte diese dagegen etwa halbieren. Dafür sei aber eine klimagünstige Stadtgestaltung nötig: Parks und Grünanlagen würden unter zukünftigen Klimabedingungen somit in ihrer Bedeutung stark zunehmen. Dies ist auch eines der Hauptargumente der Initiative: „Wir sind hier mitten in der Stadt. Die Gärten sind teilweise mehr als 100 Jahre alt“, sagt Uwe Roemisch. Der älteste Pachtvertrag sei von 1896. Die alten Obstbäume mit Sorten, die es heute nicht mehr zu kaufen gibt, seien ein Teil Gartenkultur und Stadtgeschichte. 

BI Grüne Lunge: 250 Gärten und tausende Bäume haben zwei Weltkriege überlebt

„Viele haben zwei Weltkriege überlebt.“ Die Bürgerinitiative spricht von 250 Gärten und tausenden Bäumen, die für das Wohnprojekt fallen. Eine Unterbrechung der Frischluftschneisen sowie eine befürchtete Gentrifizierung des Viertels sind weitere Argumente der Initiative gegen das Projekt. Zudem lasse die Erschließung täglich 2000 weitere Autos über die ohnehin schon überlastete Friedberger Landstraße fahren. Alles berücksichtigen Das Gebiet, auf dem die Günthersburghöfe entstehen sollen, sei kein reines Kaltluftentstehungsgebiet und damit für eine Verbesserung des Stadtklimas nicht entscheidend, sagt der Leiter des Sachgebiets Stadtklima, Hans-Georg Dannert. Zudem sei auch in den Gärten ein Teil der Fläche bereits mit Hütten und Flächen versiegelt. 

„Egal, wo man Wohnraum schafft, es ist immer ein Eingriff in den Natur- und Umweltschutz.“ Die Herausforderung sei eben herauszufinden, wo es am ehesten möglich sei. In die Planung sei auch eingeflossen, den Wetterauwind als kräftige Regionalströmung, die für Abkühlung sorgt, nicht zu unterbrechen. Die Frankfurter seien mit dem vielen Grün um und in der Stadt verwöhnt, sagt Dannert: „Wenn man Frankfurt mit anderen Großstädten vergleicht, ist es hier noch paradiesisch.“ Eine Stadt sei immer in Veränderung und bei Wohnungsknappheit müsse das Grün eben mehr gemeinschaftlich genutzt werden: „Natürlich ist das nicht mehr so schön wie wenn man 40 Quadratmeter eigenen Garten einzäunen kann.“ 

BI Grüne Lunge: "Frankfurt braucht besonders Grüne Soße"

Die BI will mit einem „Frühjahrsputz“ auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Ein Teil des Geländes soll für den Anbau von Obst und Gemüse hergerichtet werden. „Wir wollen Beete anlegen, in denen unser zukünftiges Essen gedeihen kann“, heißt es in dem Aufruf. Frankfurt brauche keine neuen exklusiven Wohnungen für wenige: „Stattdessen: frisches Obst und Gemüse. Besonders Grüne Soße.“

Von Miriam Bandar

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