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Ein Mann steht in der Ausstellung "Contemporary Muslim Fashions" im Museum Angewandte Kunst vor Exponaten aus Indonesien und Malaysia. 

Von Parteilinie abgewichen

Immer wieder Diskussionen um Ausstellung: Grünen-Politiker kritisiert Kopftuch-Schau

Erneut muss Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) die Ausstellung über zeitgenössische muslimische Mode verteidigen. Diesmal greift ausgerechnet ein Grüner die Schau im Museum Angewandte Kunst an.

Frankfurt - Ob die Macher damit wohl gerechnet haben? Seit Anfang April ist die Ausstellung "Contemporary Muslim Fashions" in Frankfurt zu sehen - und von Beginn an sorgt die Schau über zeitgenössische muslimische Mode für Diskussionen. Und die Debatte reißt nicht ab, wie in der jüngsten Plenumsrunde der Stadtverordneten überdeutlich geworden ist.

Konzipiert vom ehemaligen Frankfurter Städel-Direktor Max Hollein, war die Ausstellung zuvor bereits in Los Angeles zu sehen. "Dort ist sie ohne Aufhebens über die Bühne gegangen", sagt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Ganz anders im Museum Angewandte Kunst, wo die ergänzte Schau seit Anfang April zu sehen ist: "Wir hatten nie eine Ausstellung mit so viel Kritik bis hin zu Schmähungen."*

Hartwig zur Kritik an Ausstellung: "Etwas albern" – Auch westliche Mode wird präsentiert

In die Reihe der Kritiker reiht sich nun auch noch ausgerechnet ein Grüner ein: der Stadtverordnete Uwe Paulsen. Er gibt die Kritik wider, wonach das Kopftuch auf ein modisches Accessoire reduziert werde, obwohl es ein Mittel der Unterdrückung sei*. Wie denn die Stadtregierung dazu stehe, fragt er Hartwig in der Fragestunde während der jüngsten Plenumssitzung.

"Das ist eine Ausstellung, kein Tribunal", hält diese dagegen. Die Schau klammere auch nicht aus, dass die fortschreitende Islamisierung ein Problem sei. Auch die westliche Mode lasse man ja in Ausstellungen epochenweise Revue passieren. Hartwig findet es dann "etwas albern", den Umgang mit dem weiblichem Körper allein aus westlicher Sicht zu sehen. "Die Welt ist größer, als wir denken."

Die Ausstellung könne womöglich sogar helfen, den Islam ein wenig zu verweltlichen. Auf jeden Fall sei sie aber "kein Statement für ein Kopftuch in deutschen Schulen", wie manche Kritiker unterstellten, unterstreicht Ina Hartwig.

Paulsen macht Antwort "etwas sprachlos" – Würde Hartwig eine solche Ausstellung noch einmal laufen lassen?

Diese Antwort mache ihn "etwas sprachlos", sagt Grünen-Mann Paulsen. "Ich glaube, wir waren in verschiedenen Ausstellungen." Auch die Terrororganisation Islamischer Staat mache Modenschauen in der indonesischen Provinz Aceh, "um ihr Frauenbild zu fördern". Paulsen betonte aber auch: "Der Islam gehört zu Deutschland." Er wolle "keinen Applaus von falsche Seite" bekommen. Dass die Kritik ausgerechnet aus den Reihen der Grünen komme, wundert Martin Kliehm (Linke): "Sollten Frauen nicht das tragen, was sie wollen?"

Uwe Paulsen hakt bei Hartwig nach: Ob sie eine solche Ausstellung noch einmal so laufenlassen würde? "Das entscheiden unsere Museumsdirektoren", betont die Dezernentin. Die Politik mische sich in die künstlerische Arbeit nicht ein. Es gebe auch nicht nur Kritik, sondern "erstaunlich viele sehr differenzierte Darstellungen".

Hartwig: "Das ist eine wichtige Ausstellung"

Die Stadtregierung begrüße die Schau auch, "weil sie von Mode handelt und weil sie uns konfrontiert mit unseren eigenen Grenzen der Toleranz", findet Hartwig. Ebenso stelle "Contemporary Muslim Fashions" die Frage, wie jeder mit den aktuellen Veränderungen in der Gesellschaft umgehe. "Das ist", folgert die Kulturdezernentin, "eine wichtige Ausstellung."

Info: Ausstellung und Diskussion

Ausstellung "Contemporary Muslim Fashions": noch bis 1. September im Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, geöffnet 10 bis 18 Uhr außer Montag, mittwochs bis 20 Uhr, Eintritt 12 Euro, ermäßigt sechs; dazu Diskussion "Unterdrückung oder Freiheit? Der Streit um das muslimische Kopftuch" am Donnerstag, 6. Juni, 19 Uhr, in der Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150. 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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