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Wodkaflaschen und versiffte Matratzen

Elendslager am Günthersburgpark: Kleingärtner haben Verdacht

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Versiffte Matratzen und Kothaufen im Garten: Mitten in Frankfurt verkommt eine grüne Idylle zur Armutssiedlung. Da auf dem Gelände bald Wohnungen gebaut werden sollen, vermuten die verbliebenen Kleingärtner ein zynisches Kalkül.

Frankfurt - Vor der Gartenhütte liegt Müll kreuz und quer. Auf dem Tisch stehen benutzte Töpfe und Pfannen mit Essensresten, ein Einkaufswagen ist vollgestopft mit alten Kleidern. Im Gras liegen Kothaufen mit Klopapierfetzen. In der Kleingartenanlage am Günthersburgpark haben sich Obdachlose breit gemacht. 

Die meisten stammen aus Osteuropa, arbeiten schwarz auf Baustellen oder verdienen auf andere Weise ihr Geld. Sie nehmen leerstehende Hütten in Beschlag und hausen darin unter erbärmlichen Bedingungen. Für die verbliebenen Kleingärtner wird die Situation immer unangenehmer.

Gelände am Günthersburgpark verkommt: Kritik am Eigentümer im Nordend 

Meine Frau traut sich nicht mehr hierher“, sagt Peter Beckmann, Sprecher der Bürgerinitiative Grüne Lunge, die für den Erhalt der Gartenanlage kämpft. „Das Problem sind nicht die Obdachlosen, das Problem sind die Grundstückseigentümer, die nichts gegen die Verwahrlosung unternehmen.“ Das rund 16 Hektar große Gelände am Rande des Nordends ist wie ein Flickenteppich in zahlreiche kleinere Parzellen aufgeteilt. Sie gehören teilweise der Stadt, teilweise privaten Eigentümern und einige dem Beamten-Wohnungs-Verein, einer Frankfurter Baugenossenschaft.

Auf dem Gelände soll ein neues Wohnquartier entstehen. Die Planungen laufen unter dem Titel „Günthersburghöfe“, ein Großprojekt, dass Beckmann und seine Mitstreiter gerne verhindern würden. Dass das innenstadtnahe Grüngebiet in der Zwischenzeit zusehends zur Elendssiedlung verkommt, ist für ihn kein Zufall. „Die Hüttenbewohner werden geduldet, damit wir aufgeben.“

Frankfurt: Viele Kleingärten sind verwaist

Viele der Kleingärten seien verwaist, weil den Pächtern gekündigt wurde oder sie einfach nicht mehr hingehen, sagte Beckmann. „Dann nehmen Obdachlose die Grundstücke in Beschlag, sichern sie mit eigenen Schlössern und richten sich in den leerstehenden Hütten ein.“ Zum Wohnen seien die Gärten aber gar nicht geeignet. Es fehle an Müll- und Abwasserentsorgung. Die hygienischen Zustände seien daher schlimm. 

Martin Neckel, Vorstand des Beamten-Wohnungs-Vereins Frankfurt, kennt das Problem. Den Vorwurf, die illegalen Bewohner zu dulden, weist er von sich. „Wir sind regelmäßig mit der Polizei dort und fordern die Leute auf, unsere Grundstücke zu verlassen.“ Ein Teil der betroffenen Kleingärten sei allerdings noch verpachtet. „Wir schreiben die Pächter an, dass sie für Ordnung sorgen sollen. Viel mehr können wir nicht machen.“

Wohnbaugenossenschaft lehnt neue Kleingärtner ab

Peter Beckmann fordert, dass die Genossenschaft ihre leerstehenden Parzellen an neue Kleingärtner verpachten soll. „Wir haben eine ganze Liste an Interessenten“, sagt er. Doch das lehnt Neckel ab: „Wir sind eine Wohnungsbaugenossenschaft, kein Kleingartenverein. Wir haben die Grundstücke in den 1960er Jahren erworben, um darauf für unsere Mitglieder zu bauen.“

Zum Jahresende habe der Beamten-Wohnungs-Verein allen Gartenpächtern am Günthersburgpark gekündigt. Sobald die Stadt die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen habe, werde die Genossenschaft entscheiden, wie es weitergeht. „Es macht daher keinen Sinn, die Grundstücke erneut als Gärten zu verpachten“, sagt Neckel.

Hohe Brandgefahr in den Gartenhütten am Günthersburgpark

Dass die Gartenhütten in der Zwischenzeit von Obdachlosen in Beschlag genommenen werden, führt nicht nur zu Müll- und Hygieneproblemen. Auch die Brandgefahr ist hoch. In einer Hütte, die am Tag der Recherche sperrangelweit offen gestanden hatte, stand ein Ofen, in dem mit offenem Feuer geheizt wird. Draußen, nur durch eine dünne Holzwand getrennt, stand direkt dahinter eine Propangasflasche.

von Daniel Gräber

Kommentar von FNP-Reporter Daniel Gräber

Die Zustände in der Kleingartenanlage am Günthersburgpark sind erbärmlich. Mitten in Frankfurt ist ein Elendsviertel entstanden, für dessen Beseitigung sich offenbar niemand zuständig fühlt. Gartenhütten werden Obdachlosen in Beschlag genommen. Essensreste, Dreck und Müll liegen überall herum. 

Doch die Wohnungsbaugenossenschaft, der ein Großteil der betroffenen Grundstücke gehört, behauptet, ihr seien die Hände gebunden. Das ist unglaubwürdig. Auch wenn sie die Gärten nicht neu verpachten will, könnte sie wenigstens für Ordnung sorgen: die leerstehenden Hütten abreißen oder zumindest gegen gegen unberechtigten Zutritt schützen.

So drängt sich der Eindruck auf, dass die Verwahrlosung gewollt ist. Man kennt diese Taktik von dubiosen Immobilieninvestoren, die in Wohnhäusern Armutszuwanderer aus Osteuropa einquartieren, um die langjährigen Mieter zu vertreiben.

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