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Ein Bagger frisst sich in der Straße Am Erlenbruch durch das Haus Nummer 131, das ehemalige Restaurant „Byblos“.

Riederwaldtunnel

Häuser weichen dem Tunnel: Abrissarbeiten am Erlenbruch haben begonnen

Der Abriss des ersten von drei Häusern hat begonnen, die dem Bau des Riederwaldtunnels noch im Wege stehen.

Frankfurt - Ein Bagger frisst sich in das Haus „Am Erlenbruch 131“, wo das Restaurant Byblos einst Speisen aus aller Welt verkaufte. Das Haus, das schon länger leersteht, hat der Bund über die hessische Straßenbehörde Hessen Mobil erworben. Es steht dem Riederwaldtunnel im Weg. Für den Tunnelbau würden die U-Bahn-Gleise und ein Teil der Straße Am Erlenbruch nach Norden verlegt, dorthin, wo das Haus noch stehe, sagt Jürgen Semmler, der bei Hessen Mobil den Bau des Riederwaldtunnels leitet. Entkernt sei das Gebäude schon, bis Ende der Woche würden die Fassade abgerissen und die Baustoffe verwertet, sagt die Projektleiterin Margarete Maier von Hessen Mobil. Danach, voraussichtlich vom 8. April an, sei das Mehrfamilienhaus in der Flinschstraße 1 und 3 an der Reihe. Die meisten Mieter seien 2017 ausgezogen, die letzten Anfang 2018, sagt Semmler.

Das Mehrfamilienhaus ist im Besitz der Wohnheim GmbH, einer Tochter der städtischen Immobiliengesellschaft ABG. Den Mietern habe die Wohnheim Ersatzwohnungen angeboten, die teilweise im Riederwald lägen. Die Kosten für den Umzug habe die Agentur übernommen – „komplett, auch für den Einbau von vorhandenen Küchen und Vorhängen“, so Semmler. Die höhere Miete in der neuen Wohnungen übernehme Hessen Mobil so lange, wie das Baufeld beansprucht werde. Also bis kurz vor der Eröffnung des Tunnels.

Acht Jahre Bauzeit seien für den Lückenschluss zwischen A66 und A661 im Frankfurter Osten angesetzt, sagt er. Die Nennung der Dauer ist ihm lieber, als sich auf den Zeitrahmen von 2020 bis 2028 festzulegen. Denn der Baustart hänge von vielen Faktoren ab. Unter anderem der Suche nach Weltkriegsbomben.

Im April 2018 hatten Bauarbeiter eine 50 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. 1400 Menschen mussten ihre Wohnung für die Entschärfung in der Nacht verlassen. Im Mai 2018 beschädigten Bauarbeiter versehentlich zwei mit Phosphor gefüllte Stabbrand-Granaten. Der Phosphor entzündete sich beim Kontakt mit Sauerstoff. Fünf Menschen wurden verletzt. Am anderen Ende der Stadt, im Europaviertel, hatte der Fund von Bombenresten beim Bau der U-Bahn-Linie U5 zur Verzögerung von 13 Monaten und 100 Millionen Euro höheren Kosten geführt. Semmler ist sich bewusst, dass jeder zusätzliche Monat den Bau des Riederwaldtunnels verteuert. Schon jetzt liegen die Kosten für den 1,1 Kilometer langen Tunnel und den gleichlangen Anschluss an die beiden Autobahnen bei 477 Millionen Euro.

„Ich hoffe, dass ich noch bis zur Fertigstellung mitarbeiten kann“, sagt Semmler. 2028 wäre er 68 Jahre alt – die Ruhestandsregelung lasse das zu. Seine Hoffnung: „Dass das Projekt irgendwann die Akzeptanz der Bevölkerung erfährt.“

VON FLORIAN LECLERC

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