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Mehr Licht, mehr Platz und eine wiederentdeckte filigrane Dachkonstruktion: So soll die zentrale Vorhalle des Frankfurter Hauptbahnhofs in fünf Jahren aussehen. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen.

Grünes Licht für Großprojekt

Umbau ab 2020: So soll der Frankfurter Hauptbahnhof attraktiver werden

Der Frankfurter Hauptbahnhof soll attraktiver werden. Vor allem die B-Ebene wird erneuert. 

Frankfurt - Der schon seit Jahren geplante Umbau des Hauptbahnhofs rückt einen entscheidenden Schritt näher. Denn das Eisenbahn-Bundesamt hat das Projekt nach einigem Hin und Her genehmigt. Das wurde gestern bekannt. Die Deutsche Bahn will Anfang des kommenden Jahres die Ausschreibungen starten und in der zweiten Hälfte des Jahres mit den Bauarbeiten beginnen. Geplant ist eine Bauzeit von vier Jahren. Der neue Frankfurter Hauptbahnhof wäre dann Ende 2024 fertig.

Bei dem groß angelegten Umbau sollen vor allem die unterirdische Verteiler- und Einkaufsebene (B-Ebene) sowie der nördliche Teil des historischen Bahnhofsgebäudes neu gestaltet werden. Damit werde sich der Hauptbahnhof „auch im Souterrain als urbaner Anziehungspunkt zum Shoppen und Schlemmen präsentieren“, verspricht die Bahn in einer Broschüre. Zuletzt war die heruntergekommene B-Ebene eher als Anziehungspunkt für Drogendealer und andere zwielichtige Gestalten bekannt.

Damit soll Schluss sein. Die unter dem Bahnhofsvorplatz gelegene Ladenpassage mit Zugängen zur U- und S-Bahn werde „heller, übersichtlicher und kundenfreundlicher“, verspricht die Deutsche Bahn. Sie soll mit einer neuen Verteilerebene direkt unter dem heutigen Querbahnsteig verbunden werden. Ein Lichthof über zwei Geschosse wird sich in der Empfangshalle öffnen.

Fußgänger-Chaos entzerren

Das Ganze dient nicht nur dazu, die Einkaufsflächen durch attraktivere Gestaltung besser vermarkten zu können. Auch die Fahrgäste, die täglich zu Tausenden durch den Frankfurter Hauptbahnhof strömen, sollen sich besser zurechtfinden und reibungsloser aneinander vorbeikommen. Denn zu Stoßzeiten ist der Hauptbahnhof inzwischen stark überlaufen. Vor den Gleisen herrscht regelmäßig dichtes Gedränge. Fahrgäste, die in verschiedene Richtungen wollen, kommen sich immer wieder in die Quere.

Durch den Umbau soll dieses Chaos entzerrt werden. Ein Teil der Fußgänger würde im neu gestalteten Untergeschoss verschwinden – so zumindest die Hoffnung der Planer. Für den anderen Teil soll oberirdisch mehr Platz geschaffen werden: die vorgesetzten Einbauten am Querbahnsteig, in denen sich derzeit Läden befinden, werden abgerissen. Das führt nicht nur zu einem Raumgewinn am Kopf der Gleishalle, sondern lässt auch das Herz von Denkmalschützern höher schlagen. Statt der verschachtelten Anbauten soll die „Natursteinfassade nach historischen Vorbild“ wiederhergestellt werden.

Auflagen des Denkmalschutzes

Überhaupt haben die Denkmalschutzbehörden bei dem Umbau ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. 1888 wurde der „Centralbahnhof Frankfurt“ mit 18 Gleisen in Betrieb genommen, er galt damals als größter Bahnhof Europas. Auf seine Ursprungsgestalt wurde bei späteren „Modernisierungen“ weniger Rücksicht genommen. So kam es, dass eine filigrane Stahlkonstruktion, die in der Vorhalle die Decke stützt, unter einer Holzverkleidung versteckt wurde. Dass sie darunter noch nahezu vollständig erhalten ist, entdeckten die Bahn-Planer erst während der Vorbereitungen für den aktuell anstehenden Umbau.

In der Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts ist nun die Auflage enthalten, die Deckenkonstruktion freizulegen und zu sanieren – „in Abstimmung mit dem Denkmalamt“, schreibt die Behörde vor. Auch beim Farbkonzept und der Fassadengestaltung haben die Denkmalschützer ein Wörtchen mitzureden. Ziel ist die „Wiederherstellung eines einheitlichen Raumeindrucks“.

Fernbahntunnel am Horizont

Ein weiterer Groß-Umbau des Hauptbahnhofs zeichnet sich derweil schon ab. Fernverkehrszüge sollen dort irgendwann unterirdisch fahren, der Kopf- so zum Durchgangsbahnhof werden. Das Bundesverkehrsministerium und regionale Verkehrsplaner befürworten diese Idee. Doch die Überlegungen dazu sind noch ganz am Anfang. Auf das anstehende Bauprojekt habe die Fernbahntunnel-Diskussion keine Auswirkungen, heißt es von der Bahn.

Kommentar: Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Der Frankfurter Hauptbahnhof ist einer der schönsten Bahnhöfe Europas. Zumindest war er das einmal. Denn in den vergangenen Jahrzehnten wurde er durch zahlreiche kleinere und größere Umbauten verschandelt. Besonders schlimm sieht die heruntergekommene B-Ebene aus. Die weltgewandte Wirtschaftsmetropole begrüßt ihre Gäste dort mit einem unterirdischen Schandfleck, der nach Urin stinkt. Es sind die Folgen von Fehlplanung und Verwahrlosung. Es war daher dringend an der Zeit, dass die Deutsche Bahn reagiert. Das Staatsunternehmen investiert hier an der richtigen Stelle. Die B-Ebene wird komplett umgebaut, damit die Schmuddelecken verschwinden. Und auch die oberirdischen Bauabsichten sollen Sünden der Vergangenheit vergessen machen. Dazu zählen vor allem die hässlichen Einbauten für Tabakgeschäfte, Gaststätten und Buchläden, die der historischen Innenfassade grobschlächtig zu Leibe rücken. Beeindruckend ist auch die Original-Dachkonstruktion, die in der hohen Vorhalle wieder ans Tageslicht kommen wird. Sie ist derzeit noch hinter Holzverkleidungen versteckt. Bis vor kurzem wusste niemand, dass sie noch so gut erhalten ist. Der Bahn kann es mit diesem Umbau gelingen, aus dem verwahrlosten Schandfleck wieder ein Schmuckstück zu machen. Was fehlt, ist dann noch ein neugestalteter ansprechender Vorplatz. Da ist nun vor allem die Stadtpolitik gefragt.

von Daniel Gräber

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