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Seit 50 Jahren ist sie Apothekerin und denkt nicht ans Aufhören. "Weil es Spaß macht", sagt Erika Fink in ihrer Grüneburg-Apotheke

Berufsleben

50 Jahre im Beruf - Frankfurts älteste Apothekerin

Sie will kranken Menschen helfen, sie will keine Verkaufsgespräche führen. Auch in Büchern hat Erika Fink ihr Berufsethos hochgehalten - und tut dies in ihrer Grüneburg-Apotheke.

Frankfurt - Erika Fink ist Apothekerin aus Leidenschaft. Auch mit 75 Jahren ist sie noch täglich in der Grüneburg-Apotheke anzutreffen. Der Frage, warum sie mit 75 Jahren noch täglich ihren weißen Kittel anzieht, begegnet Erika Fink mit einem einfachen "Weil es Spaß macht". Eine Antwort, die man der schlanken, agilen Frau ohne weiteres abnimmt, wenn man sie erzählen hört von ihrem Beruf. Er ist in ihren 50 Berufsjahren weit mehr gewesen, als Medikamente über den Tresen zu reichen. "Das ist nur das, was die Kunden sehen", sagt sie und erzählt von anspruchsvollen Beratungen, Arzneimittelrezepturen und Lagerlogistik einer Apotheke.

Humorvoll blitzen ihre Augen hinter Brillengläsern auf. Ein flotter Kurzhaarschnitt passt zu dem frischen und fast faltenlosen Gesicht, das das Erraten des Alters schwermacht. Auf 75 Jahre würden die wenigsten tippen. Freundlich, aber auch bestimmt, mit einem Lachen in den Augen, wenn es das Gespräch ergibt, geradeaus und fachkundig, so kennen die Kunden ihre Frau Fink.

Hohe Verantwortung

30 Jahre lang, von 1984 bis 2014, führte sie als Inhaberin die Apotheke im Grüneburgweg und hatte im Team vier approbierte Apotheker, die wie sie Pharmazie studiert hatten. Vor fünf Jahren hat sie die Verantwortung abgegeben an ihren Neffen, der in ihre Fußstapfen getreten ist. Aber weil ihr die Arbeit und der Kontakt zu den Menschen so viel Spaß macht und sie sich rundum fit genug fühlt, schwingt sie sich jeden Morgen auf ihr geliebtes Klappfahrrad, um pünktlich um 8 Uhr die Apotheke aufzuschließen. "Bei mir hat noch kein Kunde vor der Tür warten müssen", scherzt sie.

Bis halb zehn steht sie dann konzentriert und freundlich im weißen Kittel hinter dem Verkaufstresen, nimmt Rezepte entgegen und beantwortet Fragen, berät. Was etwa gegen den Schnupfen hilft, den quälenden Husten, tränende Augen oder Kopfschmerzen. "Dann müssen wir im Gespräch mit den Kunden das geeignete Medikament herausfinden oder raten, zum Arzt zu gehen", sagt Fink. Vor allem die Berufstätigen wollten schnell wieder fit sein. Da trage ein Apotheker mit seinem pharmazeutischen Wissen die Verantwortung, die Kunden richtig mit Heilmitteln zu versorgen. Vor allem, wenn noch andere Arzneimittel genommen werden.

"Schlucken Sie nicht alles"

"Die Patienten sind aufgeklärter geworden und fragen oft nach beim Arzt oder Apotheker, wie es mit der Wirksamkeit oder Nebenwirkungen ist", konstatiert Fink und findet das sehr gut. Ihren "Ruhestand" seit 2014 hat die Apothekerin aus Leidenschaft dazu genutzt, Bücher zu schreiben und ihr Wissen weiterzugeben. 2015 erschien "Pharmazie und Ethik". 2016 "Das vertrag ich nicht" zu Ernährung und Unverträglichkeiten und 2018 "Schlucken Sie nicht alles! Fragen Sie lieber Ihren Apotheker". Publizistische Erfahrung hat sie im Laufe ihres Berufslebens erworben, auch als Herausgeberin einer pharmazeutischen Fachzeitschrift. An ihrem ersten Buch "Pharmazie und Ethik" hat sie mit der Kommunikationsexpertin Cornelia Tromm gearbeitet. "Dieses Thema ist mir ganz wichtig", hebt Fink hervor und sieht einen besorgniserregenden Trend bei den Apotheken. Viele würden ihr Sortiment stark um Gesundheits- und Schönheitsartikel erweitern. Das sei ein schwieriger Spagat zwischen dem Streben nach wirtschaftlichem Gewinn und dem eigentlichen Auftrag eines Apothekers. Im Vordergrund müsse immer stehen, kranke Menschen schnell und gut mit Heilmitteln zu versorgen. Beratungsgespräche dürften nicht zu Verkaufsgesprächen werden, um Umsatz zu erzielen.

Trotz allem kommen Freizeit und Familienleben nicht zu kurz

Dass Fink den "Ruhestand" auf ihre eigene Weise definiert, verwundert nicht, wenn man die Biografie dieser rührigen Frau anschaut. Zehn Jahre lang (2005-2015) war sie hessische Kammerpräsidentin, von 2009 bis 2012 stand sie der Bundesapothekerkammer vor. Sie engagierte sich schon bald nach dem Staatsexamen 1969 in der pharmazeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Mehrere Jahre hatte sie einen Lehrauftrag an der Frankfurter Uni. Auch als Referentin bei Fachverbänden ist sie gefragt, und seit 2006 ist sie Herausgeberin der Zeitschrift "Das PTA Magazin".

Trotz alledem kommen Freizeit und Familienleben nicht zu kurz. "Lesen, Lesen, Lesen", sagt Fink zu einem ihrer Hobbies und hält sich im Übrigen gesund und fit durch gesunde Ernährung und Bewegung. Das Radfahren jeden Morgen zur Apotheke gehört dazu. "Das Klapprad war eine meiner besten Investitionen" sagt sie deswegen höchst zufrieden.

von Anne-Rose Dostalek

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