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Lisa und Luke suchen dringend eine Wohnung, zum September müssen Sie aus der alten Mietwohnung raus.

Verzweifelte Suche

Wohnungsnot: Junges Paar schickt täglich mindestens vier Anfragen raus - ohne Erfolg

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Täglich schicken Lisa und Luke mindestens vier Wohnungsanfragen raus. Seit mehreren Monaten suchen die Studentin und der Auszubildende in Frankfurt eine Bleibe. Bislang ohne Erfolg.

Frankfurt - Vom Panoramabad bis zum Merianplatz hängen Flugblätter an Straßenlaternen, Bushäuschen und Stromkästen. "Liebe Menschen, wir sind auf der Suche nach einer Wohnung!", steht in schwarzer Schrift darauf. "Sehr dringend wegen Mietvertragsende im September - Wir heißen Lisa und Luke. Ein Paar." Es sind etwa 30 an der Zahl. "Dann sind mir die Zettel ausgegangen", sagt Lisa. Sie sitzt auf einem Stuhl in ihrer 25-Quadratmeter-Wohnung vom Studentenwerk. Neben ihr sitzt Luke, beide sind 24 Jahre alt.

Frankfurt: Im September muss das junge Paar ausziehen

Gerade so passen die zwei Stühle und ein kleiner Tisch in die Nische zwischen Schreibtisch und dem alten Wandschrank. Etwa einen Meter dahinter steht Lisas Bett, neben der Eingangstür. Seit knapp vier Jahren lebt Lisa in dem etwas heruntergekommenen Gebäude direkt an der Miquelallee. Ein 150- Parteien-Komplex, aufgeteilt auf zwei Häuser aus den 50er Jahren. In spätestens drei Monaten muss Lisa hier ausgezogen sein. "Die Studentenwohnungen sind immer nur auf vier Jahre begrenzt", sagt sie. Im September läuft der Mietvertrag aus. Eine neue Bleibe gibt es noch nicht.

Die junge Frankfurterin studiert im letzten Semester soziale Arbeit an der Fachhochschule. Ihr Freund Luke macht eine Ausbildung zum Hotelfachmann in Darmstadt, wohnt aktuell noch in Lorsch. Ende des Jahres ist er fertig, dann will er sich in Frankfurt einen Job suchen. Seit sechs Jahren kennen sich die beiden 24-Jährigen schon. Nun wollen sie zusammenziehen.

Wohnungssuche in Frankfurt gestaltet sich schwierig

Doch die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig, für eine Studentin und einen Auszubildenden scheint sie schier aussichtslos zu sein. Seit Monaten suchen sie und bekommen nichts. Der Zeitdruck wächst. Die Vermieter haben in Frankfurt die Wahl unter vielen Suchenden, gegen Beamte, sicher Beschäftigte und Gutverdiener haben Lisa und Luke keine Chance.

Wussten Sie außerdem schon? In Frankfurt gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen*, nur wenige sind bekannt. 400 Adressen hat der Mieterbund Höchster Wohnen bislang gesammelt. Aber die Stadt hat keine Handhabe.

Zwischen 1500 und 1800 Euro hat Lisa durch Teilzeitjobs und die Unterstützung ihrer Eltern zur Verfügung. Luke etwa 1500 Euro. Dass sich Lisa und Luke eine Wohnung verlässlich leisten können, hilft auch nicht weiter. "Am Anfang haben wir bei unseren Anfragen noch einen kleinen Text über uns reingeschrieben, was wir so machen, und wer wir sind", sagt Lisa. Ein Fehler, wie das Paar schnell feststellt. "Wir haben nie eine Rückmeldung bekommen." Um Besichtigungen zu bekommen, beschränkt sich das Paar jetzt auf den Satz: "Wir finden die Wohnung schön und haben Interesse."

Besichtigungstermine: "Viele spielen Theater"

Doch dann kommt die nächste Hürde: die Besichtigungstermine. Unter den vielen Interessenten aufzufallen, ist für beide schwer. "Viele spielen Theater", sagt Lisa, viele seien übertrieben freundlich und spielten sich auf. So nimmt sie es wahr. Über sich und Luke sagt sie: "Wir wollen uns nicht so verstellen, rücken damit aber automatisch in den Schatten." Sie versucht nun, 15 Minuten früher bei den Terminen zu erscheinen. "Dann habe ich zumindest einen kurzen ruhigen Moment, um mit dem Makler zu reden."

Mehr als 200 Anfragen hat das Paar bislang bei Online-Plattformen verschickt. Nur wenige Rückmeldungen hat es bekommen. Dabei hat das Paar bis auf einen zentralen Punkt kaum Ansprüche. "Wir wollen unbedingt nach Bornheim oder ins Nordend ziehen", sagt Lisa. "Dort haben wir unseren Lebensmittelpunkt, da wohnen alle unsere Freunde", sagt Luke. Um in Bornheim Vermieter zu erreichen, die ihre Wohnungen nicht online anbieten, begannen die beiden, Flugblätter zu verteilen. Zwei Rückmeldungen gab es. Keine davon aus Bornheim oder dem Nordend.

"Wir würden jede Wohnung nehmen"

Etwa 50 Quadratmeter würde sich das Paar wünschen, zahlen können die beiden maximal 1000 Euro warm. "Wir suchen schon gar nicht nach einer schönen Wohnung, wir würden jede Wohnung nehmen, die in dieser Lage ist", sagt Lisa.

Das klingt verzweifelt. Ja, sagt Lisa, nach fast drei Monaten erfolgloser Suche sitze der Frust tief. Und der Ärger. "Es geht nicht mehr darum, dass sich ein Vermieter jemanden aussucht, den er sympathisch findet. Die Wohnungen gehören Leuten, die nur Profit machen wollen. Großen Immobilienfirmen, die alles aufkaufen und dann zu hohen Preisen verhökern. Oder sie halten die Wohnungen zurück, damit die Mietpreise stabil bleiben."Auch im neuen Omniturm sind die Mieten hoch*. Lisa und Luke sitzen irgendwie in der Falle, so sehen sie das: Für eine Sozialwohnung verdienen beide zu viel, doch eine Wohnung auf dem freien Markt kriegen sie auch nicht. "Wenn wir in Bornheim nichts finden, müssen wir auf Alternativen ausweichen", sagt Luke. Dabei weiß er ja, dass es in vielen anderen Stadtteilen Frankfurts ähnlich ist.

Von Svenja Wallocha

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