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Jürgen Vieth betreibt sechs Gaststätten in Alt-Sachsenhausen und drei in Frankfurter Schwimmbädern. Er heißt Kontrollen des Ordnungsamts willkommen, auch bei sich selbst. Foto: Andreas Arnold/dpa

Kontrollen am Wochenende

Katerstimmung in Alt-Sachsenhausen nach Fund von gepanschtem Alkohol

Wenn in Alt-Sachsenhausen wie am Wochenende Polizei und Ordnungsamt Gaststätten kontrollieren, werden sie meist fündig. Einer sieht dabei mit gemischten Gefühlen zu: Jürgen Vieth, Gastronom und Mitbegründer der Initiative „Alt-Sax Neu“.

Frankfurt - „Wir begrüßen die Kontrollen“, sagt Jürgen Vieth. „Sie sind sehr wichtig, weil sie dafür sorgen, dass Standards eingehalten werden. Für die kriminellen Dinge, die am Wochenende dabei zutage gefördert wurden, habe ich kein Verständnis.“ Vieth meint den offenbar gepanschten Wodka, den das Ordnungsamt in einer Gaststätte in der Klappergasse gefunden hatte – er war in Markenflaschen abgefüllt und teuer verkauft worden. 

Jürgen Vieth macht das wütend. „Das ist übelst. Es ist nicht nur Betrug, sondern es wird in Kauf genommen, dass der Kunde gesundheitlich zu Schaden kommt.“ Gegen den Betreiber läuft jetzt eine Strafanzeige. Ebenso gegen den Inhaber eines Ladens in der Kleinen Rittergasse: Hier wurde billiges Bier an die Zapfanlage angeschlossen und als Markenbier teuer verkauft.

Jürgen Vieth verärgert: Panscherei einfach sinnlos

Der gepanschte Wodka ist womöglich über dunkle Kanäle aus dem Ausland hierher gelangt, vermutet Vieth. Aber das sei nicht der Punkt. „Es ist unnötig, so etwas zu tun. In Deutschland sind die Einkaufspreise für Spirituosen sehr günstig. Wenn man zu solchen Mitteln greift, bringt das überhaupt nichts“, so Vieth. „Und der Gast merkt es auch.“ Es ärgert ihn, dass so etwas in Alt-Sachsenhausen immer noch passiert – aber das Problem gebe es auch anderswo in der Stadt. 

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„Das ist nicht nur auf das Viertel begrenzt.“ Seine Vermutung: Die kleinen Betriebe haben keinerlei Ahnung oder Erfahrung mit Gastronomie, und viele wollten das auch gar nicht: „Die machen auf kurzfristigen Gewinn ausgelegte Geschäfte.“ Gastronomen, die es ernst meinen, hätten solch krumme Dinger nicht nötig. 

Die wüssten beispielsweise auch, dass das Angebot einer „Happy Hour“ – Bier für 1,50 Euro etwa – eher schlecht fürs Geschäft ist, denn dann wolle der Gast auch weiterhin nur Billigpreise zahlen. „Das ist die Geiz-ist-geil-Mentalität – auf Kundenseite genauso wie auf Anbieterseite.“ Letztere wollten möglichst viel Ertrag bei möglichst wenig Einsatz.

Viele Kneipen in Alt-Sachsenhausen wechseln häufig den Besitzer

Vieth selbst betreibt sechs Gaststätten im Quartier: das Oberbayern in der Kleinen Rittergasse, das Erdnüsschen in der Paradiesgasse, den Froschkönig, den Eisernen Hahn, die Frau Rauscher und die Äpplergalerie in der Klappergasse. Er ist ein alter Hase im Geschäft, weiß, wie man eine Wirtschaft zum Brummen bringt. 

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„Man muss ein Original erschaffen, das einem verlässlichen Konzept folgt. Dann kann man mit Brauereien kooperieren, das macht vieles einfacher.“ Diesen Sprung schafften die wenigsten. Stattdessen herrsche hohe Fluktuation in den kleinen Läden, „und alle haben dieselbe Idee: Bar aufmachen, und dann kommen die Gäste von selbst. So einfach ist es aber nicht.“ Vieth meint, Schulungen für Junggastronomen könnten hier helfen. Nur so könne das Viertel langfristig die richtigen Leute anziehen. 

Denn die „kriminellen Geldgeier“ seien an der Idee der Initiative „Alt-Sax Neu“, mehr Sauberkeit und Qualität ins Viertel zu holen, ohnehin nicht interessiert. Eine Gaststätte in der Kleinen Rittergasse hat das Ordnungsamt wegen starken Ungezieferbefalls geschlossen. Die meisten Lokale seien etwa gegen Kakerlaken aber gut gerüstet, sagt Vieth. Aufgrund der Nähe zum Main und des Alters der Häuser müsse man in Alt-Sachsenhausen besonders hinterher sein. „Der Kammerjäger muss ein Mal im Monat kommen und präventiv sprühen oder Fallen aufstellen. Sonst ist es zu spät.“ 

von Stefanie Wehr

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