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Zusammen statt alleine: In diesem Entwurf leben die Menschen in Kommunen mit großen Wohngemeinschaften.

Klimawandel berücksichtigt

Neuer Stadtteil in Frankfurt: So könnte das Rebstock-Areal einmal aussehen

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Wie wird man in rund 80 Jahren in Frankfurt leben und wohnen? Mit dieser Frage haben sich Studenten der TU Darmstadt beschäftigt. Für das Rebstock-Gelände entwickelten sie utopische Visionen für einen Stadtteil der Zukunft. Manche davon könnten aber schon bald zur Realität werden.

Frankfurt - Der Stadtteil „Climatopia“ sieht aus wie eine grüne Oase. An den Häuserfassaden wachsen Pflanzen, große Becken sammeln Wasser, um lange Dürreperioden zu überbrücken, und die mehrstöckigen Wohnquartiere sind entlang einer Kaltluftschneise angeordnet. Könnte es so bald auf dem Rebstock-Areal aussehen? Zwar handelt es sich bei diesem Wohnkonzept um eine Wunschvorstellung für einen Stadtteil der Zukunft. Die drei Studenten, die den Entwurf entwickelt haben, halten es jedoch für eine nicht mehr weit entfernte Utopie. Denn schon bald würden Großstädte wie Frankfurt mit langen und heißen Sommern oder starken Unwettern zu kämpfen haben.

Rebstock-Areal: So könnte der neue Stadtteil aussehen

„Climatopia“ ist eines von sieben Entwürfen, die zeigen, wie das Leben und Wohnen im Jahr 2 100 aussehen könnte. Entwickelt wurden sie von 13 Architektur-Studenten der TU Darmstadt. Ein Semester lang feilten sie in einem Uni-Seminar an den Entwürfen für den Stadtteil von übermorgen. Ihre Arbeiten werden seit Montag im Stadtplanungsamt ausgestellt.

Manuel Jakob, Laura Schönbein und Lea-Sophie Wörner (v.links n.rechts) bei der Eröffnung der Ausstellung im Stadtplanungsamt.

„Frankfurt braucht schnell viel Wohnraum. Durch Digitalisierung, Klimawandel und die Mobilitätswende gibt es aber auch eine große Unschärfe, wo es mal hingeht“, sagt Uni-Professorin und Seminarleiterin Nina Gribat, vom Fachgebiet Entwerfen und Städtebau. An dieser Schnittstelle setzten die Studenten an. Frei von allen realen Zwängen sollten sie die Aufgabe lösen, positive Zukunftsbilder für den Stadtteil zu entwerfen. Mindestens 20 000 Einwohner sollten dort Platz finden. Das Rebstock-Gelände habe sich durch seinen Insel-Charakter als Ort angeboten. Es sei eine letzte große zusammenhängende Fläche in der Nähe der Innenstadt. Außerdem gebe es dort bisher noch keine Überlegungen für ein ganzheitliches Wohnkonzept.

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Klimawandel in Frankfurt: Muss in der Bauplanung berücksichtigt werden

„Bei uns stand von Anfang an fest, dass wir uns mit dem Klimawandel auseinandersetzen“, sagt die Studentin Laura Schönbein. Zusammen mit Manuel Jakob und Lea-Sophie Wörner entwickelte sie den Stadtteil „Climatopia“. Den Studenten war es wichtig, sich bei ihrer Utopie mit etwas auseinandersetzen, das schon jetzt nahe liegend ist. „Der Klimawandel ist ein aktuelles und wichtiges Thema“, sagt Wörner. Laut aktuellen Berechnungen werde es auf den versiegelten Flächen der Großstädte immer wärmer. Mit pflanzlichen Verdunstungsschleiern könnten die Häuser gekühlt werden – tiefe Veranden den nötigen Schatten liefern.

So sieht das Rebstock-Areal aktuell aus. Die Studenten nutzten das gelb umrandete Gebiet für ihre Utopie-Entwürfe und entwickelten einen neuen Stadtteil.

Wie die Gruppe von Wörner, Jakob und Schönbein setzten sich alle Studenten des Seminars mit Problemen der Gegenwart und dem Rebstock-Gelände auseinander. Der Schwerpunkt ist jedoch bei jedem ein anderer.

„Meinhatten“ ist beispielsweise eine Selbstnutzerstadt. In dieser Version von Student Thomas Alsheimer entwickelt sich durch die Digitalisierung eine neue Ortsverbundenheit. Jeder Bewohner hat seinen eigenen Grund und Boden in kleinteiligen, schlanken und mehrstöckigen Wohnblocks. Der Hof wird miteinander geteilt. Die Dächer der turmartigen Gebäude sind Gewächshäuser, durch die sich die Bewohner selbst versorgen können. Auf einem zentralen Marktplatz werden die Güter getauscht.

Neuer Stadtteil in Frankfurt: Neue Gesellschaftsformen sollen entstehen

Nicht nur das Wohnen wird also bei den Konzepten neu gedacht, sondern auch das Leben, Erholen, Wirtschaften und Bewegen. Viele entwickeln Gesellschaftsformen, die hauptsächlich auf die Gemeinschaft und Solidarität ausgelegt sind. Die Menschen versorgen sich dort eigenständig, recyclen und nutzen erneuerbare Energien. Auch die Infrastruktur verändert sich in den Visionen der Studenten.

„Slash City“ heißt dieser Entwurf und spielt mit dem Bild auf die Geschichte des Rebstocks an. 1912 war dort ein Luftschiffhafen.

Die Frankfurter der Zukunft haben einen gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehr. Es gibt kaum Privatfahrzeuge und wenn werden sie untereinander geteilt. Die vielen Straßenflächen fallen weg und werden zu grünen Frei- oder Gemeinschaftsflächen umgewandelt. Der Arbeitsplatz ist bei manchen Konzepten dank der Digitalisierung nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden.

Die Studenten sind am Puls der Zeit des Städtebaus, sagt Martin Hunscher, Amtsleiter des Stadtplanungsamts. Sie hätten auf experimentelle Weise zukünftige Lebensweisen entworfen. Für Hunscher zeichnen die Utopien Wunschbilder, die jedoch noch nicht morgen, sondern erst in Dekaden zu realisieren sind.

Zusammen statt alleine: In diesem Entwurf leben die Menschen in Kommunen mit großen Wohngemeinschaften.

Der Stadtplaner und Vorsitzende des Städtebaurats, Torsten Becker, hält es für wichtig, sich mit Utopien zu befassen. Denn: „Manche sind schon in Teilen realisiert worden.“ In der Arbeitswelt sei man oft nur begrenzt in der Lage hinauszudenken, weshalb er die Zusammenarbeit mit den Hochschulen schätze. Die Ansätze der Studenten seien alle spannend. „Climatopia wird bestimmt in ein paar Jahren Standard sein“.

von Svenja Wallocha

Ausstellung zeigt sieben Entwürfe

Die Ausstellung „Rebstock – Utopia – Ein Stadtteil für übermorgen“ ist noch bis zum Freitag, 12. April im Atrium des Stadtplanungsamts Frankfurt (Kurt-Schumacher-Straße 10) zu sehen. 13 Architektur-Studenten der Technischen Universität Darmstadt zeigen dort ihre Entwürfe einer Utopie für das Rebstock-Gelände im Jahr 2100. Die Öffnungszeiten der Ausstellung richten sich nach denen des Stadtplanungsamts (Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 18 Uhr). Weitere Informationen gibt es auch online auf der Homepage des Fachbereichs Architektur (www.tu-darmstadt.de). Die Ausstellung kostet keinen Eintritt.

svw

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