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Sie wünschen sich einen gepflegten und grünen Schweizer Platz: Renate Bahm und Christian Metz, die Mitbegründer der Initiative gegen das vom Künstler Luzius Ziermann vorgeschlagene Acryl-Kunstwerk.

Keine Plastikblumen auf dem Platz

Kommt das Kunstwerk am Schweizer Platz? - Anwohner wehren sich

Der Kreisel am Schweizer Platz soll mit einem Kunstwerk verschönert werden. An dem Kunstwerk aber scheiden sich die Geister

Sachsenhausen - Sie brauchten keine Werbung für ihre Idee zu machen, eine Initiative gegen das Kunstwerk zu gründen: Die Plastik, die der bekannte Künstler Luzius Ziermann für den Schweizer Platz entworfen hat, soll dort niemals stehen. Renate Bahm hatte vor ein paar Wochen Nachbarn und Bekannten aus Sachsenhausen gesagt, dass sie eine Initiative gründen möchte, die sich gegen das Kunstwerk ausspricht. "Das hat sich ganz schnell herumgesprochen, viele wollten sich anschließen und irgendwo unterschreiben".

Die Sachsenhäuserin lud in den sozialen Medien zu einem Treffen im Restaurant "Wein im Hof" an der Mörfelder Landstraße. Das zweite findet heute Abend um 19 Uhr dort statt. Eine Liste zum Unterschreiben liegt in dem Restaurant aus, wer möchte, kann dort jederzeit unterschreiben. Auch der Sachsenhäuser Anwalt Christian Metz hat unterschrieben und engagiert sich. "Bisher sind mehr als hundert Unterschriften zusammengekommen", sagt er. "Was uns noch wichtiger ist, ist dass möglichst viele zur Sitzung des Ortsbeirats kommen, um dort vorzusprechen," ergänzt Bahm. Der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) tagt am Freitag, 23. August, im Konrad-von-Preysing-Haus, Ziegelhüttenweg 151.

Frankfurt: Kunstwerk lenkt ab

Der Künstler Luzius Ziermann im Mai mit seiner Plexiglas-Installation am Schweizer Platz.

Warum die Initiative das Kunstwerk nicht möchte, ist schnell erklärt: "Der Schweizer Platz ist schon unübersichtlich genug, dort sind hunderte Schilder, Werbung und Lichter. Ein Kunstwerk in der Mitte aus hunderten bunten Stäben würde das Auge vor allem des Autofahrers zusätzlich ablenken. Wenn ich schon höre, dass die bunten Plastikblumen so schöne Lichtreflexe erzeugen - wie in der Bewerbung des Künstlers geschrieben -, dann ahne ich Schlimmes", führt Bahm aus. "Es könnte zu Unfällen kommen", pflichtet Christian Metz bei. Die Menschen seien heute sowieso viel zu sehr von bunten Bildern in ihren Smartphones abgelenkt. "Mehr Ruhe wenigstens im Stadtraum würde gut tun." Das Ganze sei überdies konträr zum Zeitgeist: Mehr echtes Grün sei heutzutage angesagt, ganz bestimmt kein Plastik. "Es kann sein, dass wir den Stadtwald verlieren", sagt Bahm. "Deshalb brauchen wir dringend mehr Grün in der Stadt".

Nach Vorstellung der Initiative soll der Schweizer Platz insektenfreundlich mit vielen Blumen bepflanzt werden. Als Beispiel nennt Bahm Blumenbeete auf Verkehrsinseln in anderen Städten, zum Beispiel Mainz, "dort sieht es sehr schön aus", findet sie. Der Schweizer Platz müsse von der Stadt viel mehr gepflegt werden.

Auf Tauglichkeit prüfen

Im Ortsbeirat wird die Initiative Rückenwind von der FDP-Fraktion bekommen. Diese hat einen Antrag an die Stadt eingebracht, das Kunstwerk nicht zu berücksichtigen. Das "konfuse Konglomerat aus Plastik-stäben" würde "zu einer Verschandelung des Schweizer Platzes beitragen, zumal binnen kürzester Zeit Witterungseinflüsse deutlich sichtbar wären," schreiben die Antragsteller. "Zwar kann man sich über Kunst immer streiten, die Reaktion der Bevölkerung auf die bisherige Präsentation der Plastikstäbe vor einem Ladengeschäft am Schweizer Platz, ist jedoch einhellig ablehnend."

Ins gleiche Horn bläst Torsten Schiller, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße. "Wir wollen kein Acryl auf dem Schweizer Platz", sagt er. Das Ganze sei lediglich ein Vorschlag des Künstlers gewesen. Der habe auch die Initiative zu der Probe-Plastik im Vorgarten der Schweizer Straße 54 ergriffen, die inzwischen allerdings abgebaut ist. "Wir hatten ihn lediglich gebeten, eine Computeranimation anzufertigen, um einen Eindruck von seiner Idee zu bekommen", sagt Schiller.

Der Ortsbeirat hatte Kunst auf dem Platz befürwortet. Bevor jedoch überhaupt ein Kunstwerk aufgestellt werden kann, müsste die Stadt es auf seine Tauglichkeit hin prüfen. Das würde ohnehin erst im Rahmen des Architektenwettbewerbs zur Umgestaltung der Schweizer Straße und des Platzes geschehen. Der soll nächstes Jahr ausgeschrieben werden.

Ein Kunstwerk in der Mitte aus hunderten bunten Stäben würde das Auge vor allem des Autofahrers zusätzlich ablenken. 
von Stefanie Wehr


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