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„Eine Powerfrau, die nie ihren Optimismus verliert“: Leukämiepatientin Astrid G. sucht einen Stammzellenspender. 

Stammzellenspender gesucht

Krebskranke Mutter startet verzweifelten Aufruf - die Reaktionen sind überwältigend

Krebs bedroht das Leben einer Mutter aus Frankfurt - sie sucht dringend einen Stammzellenspender - ihrem Aufruf sind bereits Hunderte gefolgt. 

Frankfurt - Drei Wattestäbchen können Leben retten. Darum haben 40 Freunde, Bekannte und andere Freiwillige am Sonntag in der Evangelischen Französisch-reformierten Gemeinde Tische mit der DKMS aufgebaut. Sie wollen der Frankfurterin Astrid G. (41) helfen, die unbedingt ihre neun- und elfjährigen Söhne großziehen möchte. 

Astrid hat sechs Chemotherapien hinter sich, um ihren aggressiven und seltenen Blutkrebs, die myelonische Leukämie zu besiegen. Ihre Rettung wäre eine passende Stammzellentransplantation. Ihr Problem ist, dass ihre Genetik gemischt ist. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr verstorbener Vater stammte aus Nigeria. Aktuell besitzen nur drei Prozent der registrierten Stammzellenspender einen solchen gemischt-ethnischen Hintergrund.

Krebskranke Mutter: „Wer weiß, wen es trifft“

Einer der ersten Spender ist Barnabe Kamta (49) aus Kamerun. „Es tut weh, wenn man Astrids Geschichte hört“ sagt er. „Die Gesellschaft wird immer gemischter, darum sollte sich jeder typisieren lassen. Wer weiß, wen es morgen trifft.“ Simone Sulzbach (50) gibt ihm ein steriles Päckchen mit drei langen Wattestäbchen. Jedes einzelne soll er eine Minute lang innen an der Wange reiben. Eines links, eines rechts, eines irgendwo. Er macht es gewissenhaft, während eine Eieruhr eine Minute lang durchläuft. Sulzbach ist hier, weil sie das Schicksal von Astrid bewegt. „Auch ich bin Mutter. Mein Mann hat vor neun Jahren Knochenmark gespendet. Es war ein Klacks. Wie bei einer Blutspende. Ein Schnitt in den Finger ist schmerzhafter“, sagt sie. Auch Sulzbach hat sich typisieren lassen.

Zum Thema:  Junge Mutter mit aggressivem Blutkrebs sucht Stammzellenspender- Registrierung am 7. April

Astrids langjährige Freundin Edyta Koppisch sagt: „Sie ist wie eine Sonnenblume. Sie sieht immer zum Licht. Astrid ist eine Powerfrau, die nie ihren Optimismus verliert.“ Seit elf Jahren kennen sich die beiden, ihre Kinder besuchen dieselbe Klasse. Plötzlich kommt ihre schwerkranke Freundin, fällt Koppisch um den Hals. Ihre schwarzen Augen strahlen, ihr Lächeln ist herzlich, die Haare sind ganz kurz. „Ich brauche Tausende, um den richtigen Spender zu finden“, erklärt sie sachlich. „Die Welt braucht viel mehr Spender aller Ethnien und gemischter Ethnien.“ Vor ihrer Diagnose dachte sie, die richtige Blutgruppe sei ausreichend. „Dabei hat das gar nichts damit zu tun.“ Im Augenblick geht es ihr gut genug, um zuzusehen, wie sich immer mehr Leute einfinden, um sich typisieren zu lassen. Aus aller Herren Länder.

Sechs Chemotherapien hat sie hinter sich. „Anfangs hat sich Duschen wie zwei Stunden Krafttraining angefühlt und Eincremen wie ein Marathon“, schildert sie ihre Qualen. „Zum Glück kann ich gut ausblenden, habe mich Tag für Tag weiter gehangelt. Wenn ich einen Tag schaffe, dann schaffe ich auch zwei. Wenn ich zwei schaffe, auch vier. Jeden Tag zwinge ich mich, aufzustehen, mich zu mobilisieren. Mit Mitpatientinnen steril vermummt schrittweise über den Flur. Hin und her. Langsam. Bis zu drei Stunden. Die Kinder dürfen nicht auf Station wegen möglicher Infekte.“

Suche auch in den USA

In Berlin werden gerade auf dem African Book Festival ebenfalls Typisierungen angeboten. Und Ende Mai auf dem 31. International Africa Festival. „Da tritt die größte nigerianische Band der Welt auf. Jede Typisierung zählt. Jede Stunde zählt für mich und unzählige andere Patienten“, sagt sie mit fester Stimme. Ihr Mann Florian, der seit 2014 nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, reist nächste Woche im Rollstuhl nach England und in die USA. „Wir machen dort Aufklärungsarbeit. Gemischte Ethnien sind in beiden Ländern noch viel verbreiteter als in Deutschland“, sagt sie.

Wer Astrid G. und anderen Menschen, die Leukämie haben, mit einer Stammzellenspende helfen möchte, kann sich bei der DKMS registrieren lassen. Informationen dazu gibt es über die Internetseite www.help-astrid.com.

von Sabine Schramek

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