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Bisher rollt nur die Buslinie 64 durch den Reuterweg auf dem direkten Weg zwischen Hauptbahnhof und Uni-Campus Westend. Die Linke hätte hier gern die Straßenbahn wieder.

Nahverkehr

Alternative zu U4-Lückenschluss?: Linke will Reuterweg-Tram zurück 

Die Goethe-Universität fordert einen besseren Nahverkehranschluss. Eine Station direkt unterm Campus aber würde teuer. Eine Alternative schlagen nun die Linke vor und eine alte Bekannte aus der Politik.

Frankfurt - Etwas zu verhindern war schon einmal das politische Lebenselixier von Gisela Becker. Bis 2011 saß sie im Stadtparlament, die meiste Zeit bei den Flughafen-Ausbau-Gegnern (FAG). Nun will Gisela Becker erneut etwas verhindern: einen U-Bahn-Tunnel unter dem Grüneburgpark hindurch.

Werde der Lückenschluss für die U4 zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim Realität, dann "würden Palmengarten und Grüneburgpark zerstört", ist Becker davon überzeugt. Die jüngste Sitzung des Verkehrsausschusses nutzt sie als Bühne und kritisiert, dass "von Lobbyisten und der Uni Druck gemacht" werde für den U-Bahn-Tunnel.

Verkehrsdezernetn Oesterling: "Wir wären froh, wenn wir sie noch hätten"  – Kommt die Reuterweg-Tram zurück?

Der sei aber gar nicht nötig, um den Campus Westend der Universität zu erschließen, ist Gisela Becker überzeugt. "Alternative wäre eine Straßenbahn im Reuterweg, wie es sie schon gab." Vor ihrer Einstellung habe die Tram dort am Tag 23 000 Fahrgäste gezählt. Ihre einstige Fraktion, die Linke, hat den Vorschlag jetzt in einen Parlamentsantrag gegossen, den Wiederaufbau der Straßenbahnstrecke über den Platz der Republik zum Hauptbahnhof zu planen.

Als es die Straßenbahn dort noch gab, "war das eine gute Sache", räumt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ein. Ihre Stilllegung, um Parallelverkehr zur U-Bahn zu verhindern, sei eine Fehlentscheidung gewesen. "Wir wären froh, wenn wir sie noch hätten", sagt er. Das gelte auch für die weitere Strecke der Tram bis nach Berkersheim.

U-Bahn für Politik eine bessere Lösung – Entlastung für die A-Strecke

Allerdings stehe der geplante U4-Lückenschluss einer zusätzlichen Straßenbahnlinie im Westend entgegen: "Je besser die Universität durch die U-Bahn erschlossen wird, desto weniger Verkehrsaufkommen bleibt für andere Erschließungen, zum Beispiel die Straßenbahn", warnt Oesterling. Außerdem benötigen Planung und Bau einer Straßenbahnstrecke ebenfalls viel Zeit.

So entscheiden CDU, SPD, Grüne und BFF gegen die Reuterweg-Tram: "Die U-Bahn ist eine gute Lösung", findet CDU-Verkehrsexperte Martin Daum. Sie sei einfach leistungsfähiger und bringe deshalb als einzige die "dringend notwendige Entlastung für die A-Strecke", also die U-Bahn-Strecke mit der überlasteten Station Holzhausenstraße.

42.000 Studenten, Forscher und Lehrende erwartet die Goethe-Uni 2030 – Verkehr soll mit U-Bahn bewältigt werden

42 000 Studenten, Forscher und Lehrende erwartet die Hochschule 2030 auf ihrem Gelände. Um den daraus resultierenden Verkehr zu bewältigen, "ist die U-Bahn nicht zu schlagen", stimmt Annette Rinn (FDP) zu. Gut sei, dass der Bau des U-Bahn-Tunnels so umgeplant werde, dass die Grünanlage weitgehend geschont werden, sagt Verkehrsausschuss-Vize Eugen Emmerling (SPD). Sogar die "größtmögliche Schonung des Baumbestandes" verspricht Verkehrsausschuss-Vorsitzender Wolfgang Siefert (Grüne).

Das allerdings ist für den Geschmack von Gisela Becker viel zu wenig. Sie will eben gar keine U4 unterm Grüneburgpark rollen haben. "Größtmöglicher Schutz reicht nicht angesichts dieser Klimakatastrophe."

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