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Yvonne Wassong weiß, wo es in Frankfurt und der Region besondere Orte und Gebäude gibt. Als Location-Scout muss sie das auch, denn sie liefert ihr Wissen an TV- und Filmfirmen.

Film und Fernsehen 

Drehorte in Frankfurt - Location Scout Yvonne Wassong "beliefert" TV- und Film-Firmen

Wenn Produktionsfirmen nach Drehorten für Filme in Hessen suchen, landen sie auch bei Yvonne Wassong. Die 51-Jährige, die in Sachsenhausen lebt, ist Location Scout. Längst kennt sie in der Region auch Orte, die wie Berlin anno 1989 aussehen.

Frankfurt - Wie viele Seen gibt es in Hessen, die an Wäldern oder Baumreihen liegen? Mit einer solchen Frage kann man Yvonne Wassong nicht in Verlegenheit bringen: "Ungefähr 25." Sie weiß das deshalb so genau, weil sie vor sieben Jahren alle diese Seen inspiziert hat - auf der Suche nach Drehorten für den Film "Der Geschmack von Apfelkernen". Yvonne Wassong, die aus der Nähe von Aachen stammt und seit gut 20 Jahren in Sachsenhausen lebt, ist Location Scout. Das heißt, sie findet Produktionsorte für Kino-, Fernseh- und Werbefilme sowie für Fotografen.

Dass die 51-Jährige vor eineinhalb Jahrzehnten in diesem Berufsfeld gelandet ist, war Zufall. Nach dem Fachabitur hatte sie Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert, aber schnell gemerkt, dass sie in dem Bereich nicht arbeiten wollte. So wandte sie sich nach dem Abschluss der Erwachsenenbildung zu und jobbte in der Gewandmeisterei des Aachener Stadttheaters - "da hab' ich die Leidenschaft zu diesen Berufen entdeckt".

Der Weg zum Traumjob in Frankfurt

Zufällig fiel ihr im Arbeitsamt eine Anzeige ins Auge: Die ARD suchte Volontäre für den Bereich Aufnahmeleitung, am besten mit kaufmännischem Hintergrund. Für sie wie maßgeschneidert. Sie bewarb sich, wurde genommen und landete schließlich beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Ihre Begeisterung für Spielfilme konnte sie dabei allerdings nicht ohne Einschränkungen ausleben, denn sie war auch für Unterhaltungsproduktionen tätig.

Da kam ihr erneut der Zufall zu Hilfe. Ein Bekannter sollte einen Imagefilm für ein großes Frankfurter Unternehmen drehen und suchte jemanden, der dafür passende Drehorte vorschlug: "Yvonne, das kannst Du doch auch." Sie probierte es - und merkte schnell, wie viel Spaß ihr diese Arbeit macht. Zumal sie als gelernte Aufnahmeleiterin weiß, wie die Arbeit in Filmcrews abläuft und welche Anforderungen gestellt werden.

Drehorte für mehr als 90 TV- und Kino-Produktionen

Für mehr als 90 TV- und Kino-Produktionen hat sie seitdem Drehorte gesucht. Für Hessen-"Tatorte" ebenso wie für die "Ostwind"-Filme und die ZDF-Serie "Bad Banks", die im Frankfurter Bankenmilieu spielt. Und für den Film "Vorwärts immer", der kürzlich in der ARD ausgestrahlt wurde und in dem ein Schauspieler in die Rolle Erich Honeckers schlüpft. Eine Aufgabe, die für Yvonne Wassong eine besondere Herausforderung bot. Weil die Produktion unter anderem vom Land Hessen gefördert wurde, musste auch hier gedreht werden. Und: Die Orte sollten so aussehen wie das Berlin des Jahres 1989. "Da hab' ich erst mal geschluckt, als ich das gehört habe."

Trotzdem wurde sie fündig. Zum Beispiel in der damals leerstehenden Papierfabrik in Okriftel, die sich prächtig als Kasernenhof-Kulisse eignete. Oder auf dem Areal der früheren US-Air-Base in Erlensee, wo sich Offiziershäuser fanden, die zu einem Zuhause für Honecker umfunktioniert werden konnten. Oder im Frankfurter Ostend, wo sie ein Haus kennt, das zuletzt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg saniert worden war. Dort finde man noch wunderbare Gasöfen und spartanische Küchen aus der Nachkriegszeit sowie Original-Fliesen im Treppenhaus, schwärmt sie.

Ein gutes Netzwerk ist wichtig für die Arbeit

Wichtig für ihre Arbeit: ein gutes Netzwerk. Und Beharrlichkeit. Um Seen zu finden, telefonierte sie etwa mit Wasserwirtschaftsämtern und etlichen anderen Behörden. In Frankfurt selbst ist sie meistens mit dem Fahrrad unterwegs, den Blick auf die Umgebung gerichtet: Wo ist ein besonderes Gebäude, das sich als Kulisse eignen könnte?

Wenn sie fündig wird, klingelt sie manchmal einfach an Türen: "Ihr Haus ist so schön, haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass hier ein Film gedreht werden könnte?" So viel Begeisterung steckt manchen Besitzer an. 70 Prozent allerdings sei eher skeptisch, sagt sie: "Da braucht man viel Überzeugungsarbeit." Wenn jemand jedoch klar ablehnt, akzeptiert sie das sofort. Schließlich bedeute ein Dreh Einschränkungen. Da können schon mal 40 fremde Menschen ins Wohnzimmer strömen und es auf den Kopf stellen.

"Hollywood wäre toll"

An Frankfurt schätzt sie vor allem die Vielfalt auf kleinem Raum: einerseits Hochhausschluchten und buntes Multi-Kulti, andererseits dörfliche Atmosphäre in manchen Stadtteilen. Einen Wunsch hat sie noch: "Ich würde gerne mal was Großes, Internationales machen." Eine Hollywood-Produktion vielleicht oder auch ein europäisches Projekt. "Es wäre spannend, wie ich da gefordert würde."

Brigitte Degelmann

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