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Mainova-Manager Bodo Becker zeigt, wo man sich bei den neuen Ladestationen per Handy und QR-Code anmelden kann.

Steckdose wird zur Tankstelle

Elektromobilität - Schlechte Lade-Infrastruktur in Frankfurt

Die Mainova AG hat neun Ladesäulen erneuert. Allerdings hängt Frankfurt noch immer anderen Städten hinterher, vor allem, was Schnellladestationen betrifft.

Frankfurt - Dass die Elektromobilität in der Mainstadt nur schleppend in Gang kommt, liegt auch daran, dass Lademöglichkeiten selten sind. Etwa 50 öffentlich zugängliche Ladesäulen mit etwa 100 Steckern gebe es in Frankfurt, sagt Ansgar Rose von der Wirtschaftsförderung Frankfurt. So können nur 100 Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden. Großer Schwachpunkt: Es gibt fast keine Schnellladestationen in Frankfurt. Von diesen spricht man, wenn mindestens 50 Kilowatt Strom pro Stunde fließen. "Die neue Technik der Elektrofahrzeuge wird solche Schnellladestationen zunehmend erfordern", sagt Rose. Die Stadt sei im Gespräch mit anderen Kommunen und Anbietern.

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Im Vergleich zu anderen Städten ist Frankfurt, was die Dichte der Ladestationen angeht, abgeschlagen. Einem Ranking von Focus zufolge liegt Frankfurt auf Rang 10 in einem bundesweiten Städtevergleich. Am Main teilen sich 9878 Einwohner eine Ladestelle. Primus ist Stuttgart mit 2694 Einwohnern. International führt Oslo mit 488 Einwohnern pro Säule. Die Untersuchung ist zwei Jahre alt. Ein Problem bei all den Zahlen: Mehr Ladestellen nutzen nur bedingt, wenn Falschparker, die die Plätze blockieren, nicht abgeschleppt werden.

Mainova AG in Frankfurt: Alte Säulen durch neun neue ersetzt

Die Mainova AG hat gestern am bundesweiten Aktionstag Elektromobilität ihre Beiträge zum Thema vorgestellt. Es sind unter anderem neun neue Ladestellen, eingerichtet als Ersatz für veraltete. Mit einem QR-Code, fotografiert mit dem Handy, wird man auf eine Home-page geleitet, bei der man nur noch seine Kreditkartendaten angeben muss. Dann kann man das Auto laden. "Auch ohne Kunde der Mainova zu sein", wie Becker sagte. Das Frankfurter Energieunternehmen ist Teil eines Netzwerks aus 15 regionalen Energieversorgern. Dieses "TankE-Netzwerk" hat die gemeinsame App geschrieben. Die neun neuen Ladesäulen (mit jeweils zwei Steckern) sind bereits im Betrieb, zwei weitere - eine nahe des Südbahnhofs, die andere im Europaviertel - folgen demnächst.

Nachteil: Bei den alten Stromsäulen erfolgte das Laden kostenfrei, jetzt berappt der Kunde zwei Euro für das Anschließen und danach einen festen Kilowattstundenpreis. Allerdings sind auch die neuen Ladesäulen nur "Normallader". Sie haben eine Leistung von zwei-mal 22 Kilowatt. Die Mainova betreibt keine Schnellladestationen.

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Hingegen wurden in der Mainova-Lounge gleich sechs Normallader eingeweiht. Das Zugangsprinzip ist hier das gleiche - Handy, QR-Code, anmelden auf der Webseite, gegebenenfalls Kreditkarten-Nummer. Doch ist die Mainova-Lounge in einem Parkhaus beheimatet, dem Parkhaus in der Börsenstraße. "Wir hatten hier schon Ladestellen", sagt Michael Bachmann, Geschäftsführer der Parkhaus-Betriebsgesellschaft (PBG), "aber jetzt sind es mehr geworden." Die Mainova als Betreiber der kleinen Durchfahrt im Erdgeschoss des Parkhauses, wo sich die sechs Lade-Parkplätze befinden, ist für die gesamte Technik zuständig. "Wir als Parkhaus-Betreiber konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft", so Bachmann. Insgesamt hat die PBG in Frankfurt 18 Ladestellen. Für alle Kunden der Mainova-Lounge gibt's in der benachbarten Bar "Heidi und Paul" einen Smoothie.

Privates Laden in Frankfurt erleichtern

Es gibt neben den wenigen öffentlichen Ladestellen mehr nichtöffentliche. Etwa Unternehmen, die ihre Firmen-Elektroautos an eigenen Stationen laden. Oder Hotels, die Gästen ermöglichen, ihr Elektroauto zu laden. Solche Angebote unterbreitet Mainova den Firmen ebenfalls, samt einer Software, die das Lademanagement für eine Firmenflotte erleichtert. Ab etwa 2000 Euro können sich Privatpersonen ihren eigenen Ladepunkt in der Garage installieren lassen - dann kostet das Autofahren nur noch den Kilowattstundenpreis.

Thomas J. Schmidt

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