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So sah es aus, nachdem die Mainova eine 50 Meter lange Fahrbahn über den Bach gelegt hatte. Dafür wurde Schotter in den Bach gekippt. Mittlerweile hat die Mainova zurückgebaut. 

Verlegung von Leitungsrohr

Was soll das denn? Mainova schüttet ohne Erlaubnis den Klingenbach zu

Pflanzen sind zerquetscht und möglicherweise auch Kleinstlebewesen zerstört worden: Doch für die provisorische Überbauung des Bachs habe es keine Alternative gegeben.

Frankfurt - Frankfurts Server-Farmen brauchen viel Strom. Schon jetzt ist der Internet-Knoten in der Stadt der größte Europas. Und die Zahl der großen Server-Zentren, in denen tausende Computer laufen, steigt stetig an, unter anderem im Frankfurter Osten, in Seckbach und Fechenheim.

Um sie mit Strom zu versorgen, bauen die Netzdienste Rhein-Main, eine Tochter der Mainova AG, eine neue Stromleitung vom Umspannwerk an der Berger Warte hinunter in die Gewerbegebiete. Doch nicht alles läuft dabei glatt: Im Klingenweg, unter dem das Unternehmen ein Leerrohr für die Stromleitung verlegte, schütteten Arbeiter auf Höhe des Main-Äppel-Hauses einfach den Klingenbach zeitweise zu, den letzten noch halbwegs intakten Sinterbach am Lohrberg.

Genehmigung gab es nicht – Bach sollte ganz im Gegenteil geschützt werden 

Eine Genehmigung gab es dafür nicht, erklärt Volker Rothenburger, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, auf Nachfrage unserer Zeitung: Den von den Netzdiensten mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) abgestimmten Plänen zufolge "sollte der Bach nie in Mitleidenschaft gezogen werden". Im Gegenteil: In keinem Fall dürften "stoffliche Einträge" in den Bach gelangen. Um das zu gewährleisten, habe das RP auch die Berufung einer ökologischen Baubegleitung verfügt.

Die Leerrohre wurden in einem Spülbohrverfahren unter den Klingenweg gelegt. Dabei wird das Rohr von wenigen Baugruben aus mit Bohrern unterirdisch vorangetrieben. Dass dabei der neben der Straße verlaufende Klingenbach beeinträchtigt wurde, sei weder vorgesehen noch nötig gewesen und "ein illegaler Eingriff in die Natur, wie er im Buche steht".

Umfahrung über den Bach gebaut – Viele Pflanzen zerquetscht

Wohl um die Baugruben umfahren zu können, legten die Arbeiter ein Rohr in den Klingenbach, durch den das Wasser floss. Dann, so schildert Rothenburger, bedeckten sie das Rohr mit Schotter und bauten die Fahrbahn darüber. "Hätten wir das geduldet, wäre die gesamt Vegetation am Bach zerstört worden. Der Schotter verdichtet den Boden und zerquetscht die Lebewesen. Die Bachökologie wäre erheblich geschädigt worden."

Bei den Netzdiensten Rhein-Main klingt das harmloser. "Im Zuge der Baumaßnahme war die Herstellung einer Umfahrung im Klingenweg erforderlich. Dazu wurde ein sich dort befindlicher Bachabschnitt auf einer Länge von circa 50 Metern fachgerecht überbaut und der Bach durch ein Rohr geführt", erklärt Mainova-Sprecher Sven Birgmeier. Das Bachbett sei nicht abgetragen worden, die Maßnahme mit der ökologischen Baubetreuung sowie der Stadtentwässerung Frankfurt abgestimmt worden. "Leider wurde in diesem Zusammenhang versäumt, das zusätzliche Bauvorhaben beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt (RPD) gesondert anzumelden. Das RPD hat daraufhin den Rückbau der Umfahrung des Klingenbaches angeordnet."

Immerhin hätten die Netzdienste ohne große Diskussion innerhalb von zwei Tagen alles wieder zurückgebaut, sagt Rothenburger. Dennoch seien viele Pflanzen zerquetscht worden. "Was mit den Kleinstlebewesen im Bach geschieht, muss nun eine wasserökologische Untersuchung zeigen."

VON ANDERAS HAUPT

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