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Julian Müller rettete im Silobad Frankfurt einen ertrinkenden Jungen. Am liebsten wäre ihm es, „niemanden retten müssen. Aber das ist halt der Job und darum auch kein Ding“, sagt er.

Lebensretter

Mann rettet ertrinkenden Jungen im Silobad Frankfurt - nun folgt die Anerkennung

Den Sommer verbringt er im Silobad, den Rest im Hallenbad Höchst: Julian Müller (26) hat einen Traumjob mit Nebenwirkungen. Im Juli hat er das Leben eines kleinen Jungen gerettet. Dafür ist er gestern ausgezeichnet worden.

Frankfurt - Julian Müller ist schlank, ruhig und entspannt. In den Becken im Silobad drehen nur wenige Besucher ihre Schwimmrunden. Ein paar Familien sitzen in der Sonne und genießen die Ruhe. „Das ist nicht immer so“, sagt der 26-Jährige, der seit gut drei Jahren nicht wie bei „Baywatch“ Rettungsschwimmer oder Bademeister ist, sondern alles in einem: Fachangestellter für Bäderbetriebe. „Leben zu retten gehört zum Job dazu“, so Müller bescheiden. 

Silobad Frankfurt: Kind treibt im Wasser

Am 26. Juli hat er einem Sechsjährigen das Leben gerettet. „Ganz genau weiß ich es nicht mehr“, erzählt er. Das Nichtschwimmerbecken mit der Froschinsel war voller spielender Kinder. Das 27 Grad warme Wasser ist bis zu 1,40 Meter tief. „Er konnte wohl schwimmen, denn er war dort, wo das Wasser tiefer ist als er groß. Etwa drei Meter von der Froschinsel entfernt.“ 

Eine Frau am Beckenrand habe plötzlich panisch „Hilfe, Hilfe!“ gerufen und ins Becken gezeigt. „Wir haben sofort geguckt, was los ist. Es war schwer, zwischen den Hunderten von Kindern den kleinen Körper auszumachen, der mit merkwürdigen Bewegungen auf dem Rücken lag. Ich bin sofort reingesprungen und habe ihn umgedreht und auf den Rücken geklopft.“ Auf dem Weg zum Beckenrand fing der Junge an zu schreien. „Das war gut so“, ist Müller erleichtert.

Betroffenes Kind hatte kurz zuvor eine OP

Am Beckenrand hätten seine Kollegen den Jungen in Empfang genommen und in die stabile Seitenlage gelegt, während er zur Notfallzentrale gerannt sei. Krankenwagen und ein Hubschrauber sind gekommen. Erst später erfuhr der Lebensretter, dass das Kind kurz zuvor eine schwere Operation hatte und herzkrank ist. 

Zu einem tödlichen Badeunfall kam es diesen Sommer in Bensheim.

Bleibende Schäden hat der Kleine nicht davongetragen. Müller erinnert sich an eine Familie, die die Neugierigen abgeschirmt hat. „Die haben ihre Handtücher so vor sich ausgebreitet, dass das Kind vor Blicken geschützt wurde.“ Er selbst habe „einfach nur funktioniert. Das war das Schock-Adrenalin.“ Erst später, als sicher war, dass der Junge lebt, „kamen die Emotionen hoch. Im ersten Moment ist es schwer, wieder ins Wasser zu gehen. Es bleibt Sorge, dass gleich wieder etwas passiert.“ 

Auch ein Baby gerettet

Am liebsten wäre ihm es, „niemanden retten müssen. Aber das ist halt der Job und darum auch kein Ding“, sagt er. Fast nebenbei erzählt er, dass er auch ein Baby gerettet hat. Die Mutter war nicht da, es sei ins niedrige Wasser gekrabbelt. Mit einer Welle über dem Kopf konnte es sich nicht aufrichten: „Ich hab’s geschnappt, auf den Arm genommen und den Rücken geklopft. Zum Glück war nichts passiert.“ 

Bei einem Badeunfall im Strandbad Kinzingsee starb ein Mann im August.

Mehr als 86 000 Besucher waren in diesem Jahr bis jetzt im Silobad. In allen Freibädern Frankfurts wurden bis jetzt knapp 800 000 Badegäste gezählt, in den Hallenbädern 1,16 Millionen. „Da muss man schon alles im Blick haben. Nicht nur im Wasser“, weiß Müller. Die Zahl der Allergiker wachse ständig, von Insektenstichen bis Blütenstaub gibt es immer wieder Fälle, bei denen Müller und sein Team zur Hilfe eilen. 

Zwei Tage Dienstbefreiung als besondere Anerkennung

Stadtrat Markus Frank (CDU) ist beeindruckt von dem jungen Mann. Gemeinsam mit den Geschäftsführern der Bäder Betriebe Frankfurt, Boris Zielinski und Frank Müller, ehrt er den Lebensretter mit „zwei Tagen Dienstbefreiung als besondere Anerkennung. Wir sind stolz, dass wir Sie haben“, sagt Frank. Müller bescheiden: „Das war nicht nur ich. Das war unser ganzes tolles Team, das perfekt gehandelt hat.“ 

Wer sich für eine Ausbildung in den Bäderbetrieben interessiert, findet alle Infos im Internet unter https://www.frankfurter-baeder.de/ausbildungjob/.

Sabine Schramek

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