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Die Frankfurter Skyline soll weiter wachsen. Derzeit arbeitet das Planungsdezernat an einem neuen Hochhausrahmenplan.

Interview mit Stadtplaner Martin Wentz

Wie soll sich Frankfurts Skyline weiterentwickeln? Experte warnt vor diesen Fehlern

Im Hochhausrahmenplan 2021 will die Stadt das festlegen. Die Debatte darüber beginnt in diesem Jahr, sobald Planungsdezernent Mike Josef seinen Vorschlag vorlegt.

Wie soll sich Frankfurts Skyline weiterentwickeln? Im Hochhausrahmenplan 2021 will die Stadt das festlegen. Die Debatte darüber beginnt in diesem Jahr, sobald Planungsdezernent Mike Josef (SPD) seinen Vorschlag vorlegt. Was die Stadt unbedingt beachten sollte und welchen Fehler sie aktuell schon zu machen droht, erklärt derjenige, der den ersten Hochhausrahmenplan erstellte: Martin Wentz, Planungdezernent von 1999 bis 2000. Ihn fragt Redakteur Dennis Pfeiffer-Goldmann ebenso danach, was die Wolkenkratzer mit der neuen Altstadt zu tun haben.

Sie waren kein Freund der Neuen Altstadt. Nun ist sie fertig. Wie gefällt Sie Ihnen?

Die neue Altstadt wird von den Menschen angenommen, die Menschen finden das spannend. Es ist nicht weiter nur ein Experiment, sondern schon ein Stück Frankfurt geworden. Natürlich ist es auch ein Stück Disneyland, denn es wurde künstlich eine neues Stück Altstadt gebaut und nur wenig nach historischem Vorbild. Aber die neue Altstadt ist ein neuer Magnet für Frankfurt geworden.

Ganz in der Nähe wird nun der Mainkai gesperrt. Wie passen beide Projekte zusammen?

Die Mainufer sind bereits Magnete für die Menschen. Wenn nun der Bereich des Fahrtors mit dem für Fußgänger geöffneten Mainkai verbunden werden kann, stärkt das die Urbanität und Attraktivität der Stadt - nicht nur für Touristen, auch für uns selber

Haben Sie mit der neuen Altstadt Ihren Frieden geschlossen?

Jaja. Ich gehe dort gerne durch. Ich hätte manches anders gemacht, aber man muss auch akzeptieren, was andere gemacht haben.

Was hätten Sie anders gemacht?

Hätte, hätte! Ich hätte mir vorstellen können, ein richtig modernes, wunderbares Museumsgebäude auf die Fläche zu stellen. Wie in Bilbao von Franck Gehry. Das wäre auch ein Renner geworden, ein Publikumsmagnet weltweit. Es wäre eine moderne Alternative gewesen zu diesem Retroblick. Aber was gebaut worden ist, hat Qualität und wird von den Menschen angenommen.

Martin Wentz hielte es für falsch, rund um den Turm der Europäischen Zentralbank weitere Hochhäuser zu errichten.

Modernität bietet Frankfurt an anderen Stellen auch. 

Mit Modernität tut sich Frankfurt schwer. Gebäude, die richtige Highlights sind, zu denen man pilgert, gibt es nicht viele. Das ist bei uns das Ensemble der Hochhäuser.

Das genügt Ihnen nicht? 

Wir haben wunderschöne Hochhäuser und eine Skyline, die einzigartig ist in Europa und nicht draußen vor der Stadt wie in La Défense in Paris. Und auch viel schöner als die in London. Aber Frankfurt bemüht sich nur selten, auch im Architektonischen besondere Leistungen zu bringen.

Wie kann die Stadt darauf einwirken?

An jeder Stelle beim Kommunal- wie beim Privatbau kann die Politik darauf Einfluss nehmen. Man darf die Stadt aber auch nicht schlechtreden. Frankfurt hat ja ein gehobenes Niveau in der Architektur, besonders im innerstädtischen Bereich.

Was sollte die Stadt beachten, damit das so bleibt, wenn sie den neuen Hochhausrahmenplan 2021 aufstellt?

In Frankfurt sind Hochhäuser immer dann willkommen gewesen und ein städtebaulicher Erfolg geworden, wenn sie in einen Pulk gestellt und nicht über die Stadt verkleckert wurden. Die Stadt muss aus den Erfahrungen der vergangenen 50 Jahre heraus unbedingt dabei bleiben, die Ensembles weiterzuentwickeln. Alles andere hat immer Widerstand ausgelöst.

Nun wirken die Pulks im Bankenviertel und an der Messe mit den laufenden und anstehenden Projekten recht voll. Müssen Hochhäuser nun nicht auch in anderen Bereichen entstehen?

Schon als in den Siebzigerjahren die ersten Bankgebäude entlang der Neuen Mainzer Straße gebaut wurden, sagten viele, jetzt ist die Grenze erreicht. In den Neunzigern haben wir dann weiter verdichtet. Und jetzt wird dort immer noch weiter gebaut. Bei Hochhäusern kann die Verdichtung fast auf jeder Parzelle erfolgen. Es ist immer noch Platz, um weiter zu verdichten. Es wäre nicht schön, wenn die Standorte ausgeweitet werden.

Wieso das? 

Es ist städtebaulich ein Fehler, dass man Hochhäuser am "MyZeil" gebaut hat. Dass man das nun versucht zu heilen, indem man auch Hochhäuser an der Stiftstraße zulässt, macht es eher noch schlimmer. Und die neuen Hochhäuser an der Robert-Mayer-Straße in Bockenheim sind zu weit weg vom Pulk der Hochhäuser an der Messe.

Das stand aber vorher auch schon der AfE-Turm. 

Der stand dort aus anderen historischen Gründen. Es ist ein Fehler, dort nun wieder Hochhäuser hinzusetzen. Die Stadt hätte diesen Fehler heilen können, sie hatte es in der Hand, denn es ist ein Landesgrundstück. Es ging dort nur ums Geld. Jetzt wird ja sogar diskutiert, um die Europäische Zentralbank im Ostend herum weitere Hochhäuser zuzulassen. Auch das wäre ein großer Fehler.

Warum denn dort nicht? 

Die EZB steht dort ganz bewusst als Solitär. Sie ist ganz bewusst herausgegangen aus dem Kreis der Bankentürme in der Innenstadt. Es wäre deshalb ein städtebaulicher Schaden, im Umfeld der EZB weitere Hochhäuser zuzulassen, so wie es eine Fehlentwicklung ist, auf dem Molenkopf des Osthafens überhaupt, und dazu noch ein unproportioniertes Hochhaus zuzulassen. Das nutzt der Stadt städtebaulich nicht und wird ihr nicht zur Ehre gereichen. Gut, die Stadtverordnetenversammlung hat es trotzdem beschlossen, und es wird nun wohl gebaut. Aber hinterher wird man sich immer fragen: Was soll das? Wer hat das zugelassen?

Die zunehmende Hochhausdichte kann durchaus Menschen beunruhigen. Wie können solche Viertel menschlicher werden? 

Ein wichtiger Grundpfeiler der Hochhausplanung ist, dass der Sockelbereich öffentlich zugänglich sein muss, wirklich öffentlich! Dort müssen Nutzungen hinein, die den Menschen im Quartier dienen.

Das kennen wir in Frankfurt bisher noch nicht so. 

Bisher nur ansatzweise, das stimmt, aber so richtig konsequent ist es noch nicht umgesetzt worden. Das Restaurant im Commerzbank-Turm wird im Wesentlichen als Kantine wahrgenommen und das Foyer im  Maintower hat die Wirkung eines Bankschalters. Damit ist ein Teil des Effekts natürlich im Eimer.

Wie geht das besser? 

Den Menschen muss mehr öffentlich nutzbarer Raum geboten werden: Kunst, Kultur, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten, auch über zwei, drei Geschosse. Das kann dann sogar im Untergeschoss liegen. Wie es funktioniert sieht man zum Beispiel am English Theatre.

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