+
Bestatterin Kirsten Droste-Heuse ist für die Meisterpflicht: In ihrem Geschäft in Niederrad dekoriert sie einen Sarg mit weißen Blumen. 

Würdevoll Abschied nehmen

Darum fordern Experten eine Meisterpflicht für Bestatter

  • schließen

Experten fordern eine Meisterpflicht für Bestatter. Auch um Angehörigen zusätzliche Schmerzen zu ersparen. 

Frankfurt -  Müll, der aus Kostengründen in Särgen verstaut wurde, nicht eingehaltene Bestattungsfristen, falsche Abrechnungen, Seebeisetzungen, die gar nicht vom Kapitän durchgeführt wurden: Was die Fachleute bei der gestrigen Pressekonferenz zur Einführung der Meisterpflicht im Bestattungsgewerbe berichteten - es ist nicht das, was man sich für den letzten Weg eines verstorbenen Angehörigen wünschen würde. 

Natürlich handelt es sich um Einzelfälle, doch sie zeigen, wie komplex der Beruf eines Bestatters ist und wie wichtig eine umfassende Ausbildung. Um eine hohe Qualität bei diesem Handwerk zu gewährleisten, fordert das Bestattungsgewerbe eine Einführung der Meisterpflicht. Bislang gibt es zwar eine Ausbildungs- und Meisterprüfung, die von den Verbänden in den vergangenen Jahren erarbeitet wurde, beide sind jedoch auf freiwilliger Basis.

Ein Nährboden für Fehler und Probleme, gibt Christoph Keldenich, Vorsitzender der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas zu bedenken. Und diese Fehler gehen am Ende zulasten der Angehörigen. Keldenich berichtet von einem Fall in Schwalbach, wo der Bestatter einen Verstorbenen zu spät beerdigen ließ. Er wusste nicht, dass es in Hessen eine Bestattungsfrist von 96 Stunden nach Eintritt des Todes gibt und nicht wie etwa in Nordrhein-Westfalen von zehn Tagen. "Der Bestatter hat den Kunden falsch beraten. Solche Fälle kommen hundertfach bei uns an." Etwa 500 Beratungsanfragen gehen jährlich bei der Verbraucherinitiative ein. Zu viele, wie er findet, und vor allem hätten einige mit einer umfassenden Ausbildung verhindert werden können.

Bestattungsrecht komplex

Weil das Bestattungsrecht so komplex und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist, müssten die Fachkräfte gut ausgebildet sein. Jeder Irrtum "ist zu viel und kann über Jahrzehnte Familiengespräch sein", sagt Keldenich. Das sieht auch Bestattunsrechtler Professor Tade Matthias Spranger so, der gestern sein im Auftrag der Verbände verfasstes Gutachten vorstellte. "Fachkenntnisse sind unerlässlich und die Vermeisterung ist dabei das gebotene Mittel", resümiert er.

"Wir wollen das schon seit etlichen Jahren, doch bisher gab es keine politischen Chancen", sagt Hermann Hubing, Hauptgeschäftsführer vom "Fachverband Leben Raum Gestaltung-Hessen", gestern bei einer Pressekonferenz in der Handwerkskammer Frankfurt.

Das hat sich geändert: In ihren Koalitionsverhandlungen haben CDU/CSU und SPD im Bund unter anderem eine Wiedereinführung der Meisterpflicht beschlossen, insoweit sie von den Gewerken gewünscht und mit dem Europa- und Verfassungsrecht vereinbar ist. Eine Gesetzesvorlage soll nun erarbeitet werden und zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Falls die vom Bund geforderten Kriterien erfüllt sind, könnte auch das Bestattungsgewerbe ab dem kommenden Jahr eine Meisterpflicht haben.

Von der Meisterpflicht erwarten nicht nur die Verbände eine positive Entwicklung, sondern auch die Bestatter selbst. "Dieses Gewerbe steht für eine gewisse Qualität", sagt die Frankfurter Bestatterin Kirsten Droste-Heuse. Mit der Meisterpflicht würden die angehenden Bestatter verpflichtend lernen, wie ein Betrieb geleitet und wie Lehrlinge ausgebildet werden. Welche Hygienemaßnahmen es einzuhalten gilt und wie mit Trauernden umgegangen werden sollte. "Die Gesetzestexte muss man kennen", sagt die Fünfzigjährige. Ihr Mann, Willi Heuse, arbeitet seit seinem 14. Lebensjahr als Bestatter.

Eine Ausnahmesituation

Zu seinen Anfangszeiten gab es den Ausbildungsberuf der Bestattungsfachkraft noch nicht. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, um sein Geschäft leiten zu können, seine Frau Wirtschaftspädagogik. Ihr Wissen haben sich beide erarbeitet. "Von der Pike auf", sagt Droste-Heuse. Fehler halte sie für menschlich, doch die Standards sollte ein Bestatter kennen und wissen, wie man in solchen "Ausnahmesituationen" behutsam vorgeht.

Etwa 391 eingetragene Bestattungsbetriebe gibt es in Hessen. Der "Fachverband Leben Raum Gestaltung-Hessen" rechnet jedoch mit einer weit höheren Anzahl, da dort nur die gemeldeten Unternehmen inbegriffen sind. Laut dem Statistischen Bundesamt sind im Jahr 2018 bundesweit 954 900 Menschen gestorben. Damit hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent erhöht (932 300). Die durchschnittliche Lebenserwartung lag bei Männern im vergangenen Jahr bei 78,4 Jahren. Bei Frauen liegt sie mit 83,2 Jahren wie auch in den Vorjahren darüber. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen zwei Jahrhunderten von Ende 30 auf über 80 Jahre gestiegen. 

Von Svenja Wallocha

Lesen Sie auch:

Immer mehr Menschen wünschen sich eine Bestattung im Trauerhain

Ab sofort sind auch in Zeppelinheim Bestattungen unter dem Baum möglich. Der Friedhofszweckverband möchte mit diesem Angebot der wachsenden Nachfrage nach alternativen, einfachen und naturnahen Bestattungsformen nachkommen.

Bestattungen werden deutlich teurer

Bei den Frankfurter Friedhöfen ist in den vergangenen Jahren ein Millionendefizit aufgelaufen. Deshalb müssen jetzt die Gebühren erhöht werden. Im Schnitt werden Gräber und verschiedene Dienstleistungen um zwölf Prozent teurer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare