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Baugenehmigungen fÌr Wohnungen in Deutschland rÌcklÀufig

Hfg-Offenbach-Professor Georg-Christof Bertsch hat eine Idee

Löst das Konzept Metropolregion Rhein-Main die Wohnungskrise? 

Das Konzept der Metropolregion Rhein-Main könnte die Wohnkrise lösen. Dafür müsste der ÖPNV ausgebaut werden. 

Frankfurt - Im Moment hat man das Gefühl, dass in Frankfurt und direkter Umgebung jede Grünfläche nur noch als potenzielles Bauland gilt. Die Sportplätze in Sachsenhausen gegenüber der Gerbermühle, wo eventuell die Schule für Kinder der EZB-Mitarbeiter hingebaut werden soll. Oder die Kleingärten, die am Güntersburgpark und andernorts neuen Wohnungen weichen sollen, was für Proteste der Betroffenen sorgt. 

Josefsstadt: Konflikt vor den Toren Frankfurts

Der Konflikt um die "Josefsstadt" vor den Toren Frankfurts ist ohnehin bekannt. Ist der Hunger der Wohnungsuchenden in der flächenmäßig recht kleinen Metropole Frankfurt überhaupt zu stillen?

Georg-Christof Bertsch, der als Professor an der HfG Offenbach lehrt und als weltweit vernetzter Stadtdenker gilt, ist skeptisch. Er hat zwar überhaupt nichts gegen Nachverdichtung und Neubebauung am Stadtrand, aber er zweifelt daran, dass Frankfurt auf diese Weise den riesigen Bedarf an Wohnraum befriedigen kann, ohne die Lebensqualität der Anwohner zu beeinträchtigen. 

Der "Rhein-Mainische Städtekranz" von Ludwig Landmann (1929).

Er plädiert deshalb dafür, größer zu denken, und zwar im Sinne einer Metropolregion Rhein-Main. Im Radius von bis zu 100 Kilometern um Frankfurt herum gäbe es noch genug Bauland. Wer bei guter Verkehrsanbindung in einer Stunde in die Stadt gelange, könne sich noch dazurechnen.

Metropolregion Rhein-Main

Bertsch verweist in diesem Zusammenhang auf den "Rhein-Mainischen Städtekranz" (siehe Karte) um Frankfurt herum, den der legendäre OB Ludwig Landmann 1929 entworfen hatte. Wiesbaden, Limburg, Gießen, selbst Fulda - alle diese Städte gehören demnach zur "Metropolregion" Rhein-Main.

Bertsch ist aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht nur der "Städtekranz" eine gute Nahverkehrsverbindung mit Frankfurt braucht, sondern auch die Orte dahinter. "Es nutzt nämlich nichts, wenn Pendler zwar schnell nach Wiesbaden, Darmstadt oder Bad Homburg kommen, dann aber eine Stunde auf den Bus zum Heimatort warten müssen", sagt Bertsch. Pendler, die zu lange mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seien, benutzten oft das Auto, was Verkehr und Umwelt belaste.

Frankfurt: 100000 neue Wohnungen?

Professor Martin Wentz, langjähriger Frankfurter Planungsdezernent und heute Projektentwickler, sieht dagegen den Nahverkehr überhaupt nicht für zusätzliche Nachfrage gerüstet. Er glaubt ohnehin, dass der Wohnraumbedarf weitgehend direkt auf der Fläche Frankfurts gestillt werden könne. Wentz hält es für möglich, noch 80 000 - 100 000 neue Wohnungen im Stadtgebiet zu bauen. Wirklich? 

"Besonders im Frankfurter Norden gibt es noch Möglichkeiten", sagt Wentz und verweist auf den Pfingstberg, an dem die SPD bauen will, die CDU aber nicht. In Frankfurt gebe es viel mehr potenzielles Bauland als etwa in München. "Bezieht man das Ackerland auf die Gesamtfläche, ist Frankfurt das größte Dorf in Hessen", sagt Wentz.

Frankfurt ist eine der heißesten Städte Deutschlands

Bertsch aber hält speziell für Frankfurt eine immer dichtere Bebauung auch deshalb für problematisch, weil in den Städten gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels an kühlende Luftschneisen gedacht werden müsse und der Boden nicht zu sehr versiegelt werden dürfe. Schon jetzt sei Frankfurt im Sommer eine der heißesten Städte in Deutschland. 

Er verweist in diesem Zusammenhang auf den New Yorker Stadtplaner Robert Moses, der zumindest in seinen jüngeren Jahren darauf geachtet habe, dass seine schnell wachsende Stadt über genügend Parks verfüge, um die Lebensqualität zu bewahren.

Ähnlich wie in diesem Fall dürfe, wer heute die Zukunft plane, kein Stückwerk betreiben, sondern müsse wie Robert Moses oder Ludwig Landmann den Mut zum großen Wurf haben, der nicht auf die nächsten drei, sondern auf die nächsten 30 Jahre ausgerichtet sei.

Metropolregion Rhein-Main: Skepsis macht sich breit

Wentz hält allerdings von Bertschs "Metropolregion" nicht viel. Der übersehe nämlich, dass Frankfurt keinerlei Handhabe habe, die anderen selbstständigen Kommunen zu irgendetwas zu verpflichten. Frankfurt habe weder Finanz- noch Planungshoheit. Selbst die im regionalen Flächennutzungsplan ausgewiesenen Bauflächen seien ein "Kann", aber kein "Muss" für die betreffenden Kommunen. In einem stimmt Wentz aber mit Bertsch überein: Wenn neu gebaut werde, müssten gleichzeitig entsprechende Grünflächen geschaffen werden, so Wentz.

Von Dieter Sattler 

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