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Etwa 100 Menschen protestieren mit Mietern aus der Hebelstraße 23. Das Haus wurde an eine Investmentfirma verkauft.

Investmentfirma kauft Häuser auf

Mieter im Nordend demonstrieren gegen Spekulation und Luxusmieten

Mieter im Frankfurter Nordend haben gegen Spekulation und Luxusmieten demonstriert, nachdem eine Investmentfirma Häuser aufgekauft hat.

Frankfurt-Nordend - Sibylle Schneider (78) ist verzweifelt. Seit 38 Jahren lebt die Rentnerin in der Hebelstraße 23, einem Wohnhaus aus der Jahrhundertwende im Nordend. "Wir wissen nicht, was passiert", sagt sie. "Das Haus ist an eine Investmentfirma verkauft worden. An dieselbe, die auch andere Häuser in der Eckenheimer Landstraße aufgekauft hat."

Vom Verkauf ihres Hauses hätten die Bewohner im Februar aus der Zeitung erfahren. "Keiner spricht mit uns", so Sibylle Schneider. In dem Haus in der Eckenheimer seien Mieter unterschwellig vertrieben worden. Die Bewohner-Initiative und die Nachbarschaftsinitiative Nordend-Bornheim-Ostend (NBO) hatten am Samstag zu einer Kundgebung auf dem Merianplatz aufgerufen.

Kundgebung auf Merianplatz

"Wie kann es sein, dass es trotz der Römerkoalition so gut wie keinen Vorkauf durch die Stadt gibt?", fragt sich nicht nur der Student Jan Herlyn (27), der ebenfalls in der Hebelstraße 23 wohnt. "Die SPD hat sich für das Vorkaufsrecht der Stadt ausgesprochen, aber Baudezernent Jan Schneider (CDU) macht so gut wie keinen Gebrauch davon." Andreas Guhl (54) ist empört. Er lebt seit 1995 in dem Haus. "Die NBO hat auch mehrere Hundert Unterschriften im Römer abgegeben. Keine Reaktion. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hätte die Erhaltungssatzung an Mike Josef verfügen können. Der trommelt die ganze Zeit für Milieuschutz."

Ein offener Brief an Feldmann habe ebenfalls nichts gebracht. Mehr als 100 Leute sind zur Kundgebung am Merianplatz gekommen. "Spekulation und Luxussanierung betrifft nicht nur die Hebelstraße 23, sondern Hunderte, Tausende Mieter in ganz Frankfurt", ist die einhellige Meinung. Sie erzählen über Leerstand, über Häuser, die immer mehr verfallen, über Mietervertreibung und Mieterhöhungen, die für "Normalbürger nicht zu bezahlen seien. Der Vorstand des Ortsvereins Ostend der SPD Frankfurt unterstützt die Mieter der Hebelstraße in ihrem Kampf gegen den Investor und fordert die Stadt auf, das Vorkaufsrecht zu nutzen.

"Baudezernent Schneider ist es, der regelmäßig die in solchen Fällen ausgesprochenen Empfehlungen des Planungsdezernenten und des OB, das Vorkaufsrecht auszuüben, ablehnt. Er hat klar geäußert, dass ihm das Immobilien-Eigentum des Investors wichtiger ist, als die Interessen der Mieter. Und ich finde es nicht hinnehmbar, dass die Stadtregierung das toleriert - letztlich auf Kosten der Mieter", so Norbert Müller vom SPD-Ortsverein.

Die Mieterinitiative macht regelmäßig Infostände im Nordend, um über den Missstand aufzuklären. In der Hebelstraße 23 wohnen vom Baby bis zum Rentner Mieter aller Altersgruppen und Berufe.

(bi)

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Jan Schneider, Chef des Amts für Bau und Immobilien (ABI), wurde schon mehrmals vorgeworfen, das Vorkaufsrecht nicht genutzt zu haben. Nun legte er Bilanz vor.

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