+
Auf der Zeil liegen überall Glasscherben, manchmal muss man sogar Slalom um sie herum laufen, trotz häufiger Reinigungsintervalle.

Müllproblem

Frankfurt vermüllt: Zerbrochene Flaschen und Zigarettenkippen pflastern die Straßen

  • schließen

Eine Herausforderung für die Stadt Frankfurt ist der Müll in den Straßen und in den Parks. Auffällig ist, dass immer mehr Glasscherben und Zigarettenkippen dabei sind.

Frankfurt - Plastik ist Fluch und Segen zugleich. Das Material verrottet nicht, zerfällt im Laufe der Jahre aber in kleinste Partikel, die sich inzwischen sogar in der Nahrung finden. Wohin mit den Unmengen an Plastik, die die Weltmeere vermüllen, weiß auch niemand so recht. Trotzdem hat das Material auch Vorteile: Plastikflaschen beispielsweise gehen im Gegensatz zu ihren Pendants aus Glas nicht zu Bruch. 

Glasscherben sind aber mittlerweile ein Ärgernis in Frankfurt. Im Bahnhofsviertel, in Alt-Sachsenhausen oder am Mainufer – auf Schritt und Tritt knirscht es unter der Schuhsohle. Auch in Parks liegen Scherben. Und überall werden Zigarettenkippen achtlos weggeschnippt. Immer mehr Müll verschandelt die Stadt.

Zerbrochene Flaschen in Frankfurt: Verletzungen drohen

Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, kennt das Problem und sieht einen direkten Zusammenhang mit einem veränderten Freizeitverhalten. „Jeder will das schöne Wetter eben an der frischen Luft genießen. Ich freue mich, dass die Menschen die Grünanlagen annehmen. Ebenso freue ich mich aber auch, wenn sie ihren Müll beseitigen.“ 

Denn Mensch wie Tier drohe Verletzungsgefahr durch die Scherben. Zigarettenkippen in Flüssen oder Seen sind sogar lebensgefährlich. Laut einer Studie von Thomas Novotny, Professor der Division of Epidemiology and Biostatistics an der San Diego State University, genügt bereits ein Zigarettenstummel pro Liter Wasser, um die Hälfte der darin schwimmenden Fische zu töten – kleinere Wassertiere reagierten meist noch sensibler auf die Giftstoffe. Und bis Zigarettenfilter verrottet sind, vergehen in der Regel 10 bis 15 Jahre.

Besonders viele Scherben und Zigarettenkippen finden sich laut Gabriel rund um die gängigen Partymeilen. Auch die Laufwege von U-Bahn-Stationen oder Bushaltestellen zu den Ausgehvierteln seien stark betroffen. „Das hat auch damit zu tun, dass ständig und überall konsumiert wird“, sagt Gabriel.

Dass viele Menschen ihren Müll einfach liegenlassen, ist in ihren Augen mangelnde Eigenverantwortung. „Es kommt ja immer jemand und räumt alles weg“, sagt Gabriel. Immer seien andere zuständig. Wofür gebe es schließlich die Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), laute beispielsweise eine gängige Meinung. Das eigene Fehlverhalten werde sogar gerechtfertigt: „Ich habe mir nicht nur einmal anhören müssen, dass dadurch Arbeitsplätze gesichert werden“, erzählt Gabriel.

Nicht nur Scherben und andere Müll sind in Frankfurt ein Problem, auch liegen gelassene Hundehaufen sorgen für großen Ärger.

Müllproblem in Frankfurt: Auch Sperr - und Sondermüll ist Problem

Dabei sind Müllvergehen kein Kavaliersdelikt. Wer in Frankfurt dabei erwischt wird, wie er eine Zigarettenkippe wegwirft, muss 30 Euro Strafe bezahlen. Für die Überwachung ist laut Ordnungsamts-Sprecher Michael Jenisch die Stadtpolizei mit derzeit 210 Mitarbeitern zuständig. Viele davon seien aber im Innendienst tätig. „Wie viele tatsächlich Tag für Tag auf der Straße sind, ist schwierig zu sagen“, erklärt er. Es gebe aber das Sachgebiet „Abfall, Umwelt, Naturschutz“, dessen Mitarbeiter sich hauptsächlich um Sperrmüll, illegale Abfallentsorgung von Lacken oder Ölen und auch um Kleinmüll – darunter falle auch Glasbruch – kümmerten. Werde jemand ertappt, müsse er die Scherben beseitigen und mit einer Geldstrafe rechnen. „Die Höhe ist abhängig davon, ob der Verursacher schon bekannt ist“, sagt Jenisch. Auch gibt es immer wieder Ärger mit Sperrmüll. 

Viele Scherben, auch auf der Zeil, könnten nach Ansicht von Gabriel vermieden werden. Flaschen gingen zu Bruch, weil sie für Flaschensammler abgestellt und häufig unbeabsichtigt zerdeppert würden, weil jemand darüber stolpere. Flaschenhalter, die an Papierkörbe montiert werden könnten, seien allerdings auch keine Lösung. „Die Halterungen werden zweckentfremdet und anderer Müll hineingestopft.“ Deshalb habe die Stadt Frankfurt auch ganz bewusst darauf verzichtet, die Halterungen anzuschaffen.

Kampagne #cleanffm soll helfen

Die Stadt will beim Thema Sauberkeit gegensteuern und hat beispielsweise eigens die Kampagne “#cleanffm“ ins Leben gerufen.

Grundgedanke dabei ist es, auf Repressalien zu verzichten, die Menschen sollen zum Mitmachen animiert werden – damit werde schon bei den Kleinsten im Kindergarten oder in der Grundschule begonnen, etwa mit Aufräumaktionen. Pädagogisch sei dies, so Gabriel, der sinnvollere Weg. Um Verstöße ahnden zu können, fehle der Stadt ohnehin das Personal.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare