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Anwohner des Eisenacher Wegs in der Kolonie zeigen ihre übervolle Tonnen (v.l.): Karl Scheurer, Oliver Weber, seine Tochter Jessica, Anette Schäfer, Sonja Müller, Agnes und Willi Hetzel und Klaus Hartmann werfen der FES Tatenlosigkeit vor.

„Anrufe verpuffen“

Anwohner empört: Müll wird seit Wochen nicht geleert

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Menschen in Frankfurt-Zeilsheim warten seit Wochen vergeblich auf die Leerung ihrer Mülltonnen. Laut Müllentsorger FES sind geparkte Autos schuld.

Zeilsheim - Die Bewohner mehrerer Straßen in der Zeilsheimer Kolonie sind empört: Seit Wochen, so klagen sie, holt der städtische Müllentsorger FES nur noch den Restmüll ab. Gelbe Tonne, Bioabfall und Papiertonne blieben ungeleert. Die Verantwortlichen räumen immerhin "erhebliche Schwierigkeiten bei der Entsorgung des Altpapiers" ein und geloben Besserung.

Auch wenn viele Beiträge in der Zeilsheimer Facebook-Gruppe darauf hindeuten, dass große Teile der Zeilsheimer Kolonie mit Ausnahme der großen Straßen Coburger und Frankenthaler Weg betroffen sind: Das Epizentrum des Zorns liegt vor dem Eisenacher Weg 29 - zumindest während des Ortstermins dieser Zeitung mit Anwohner Oliver Weber. Denn binnen weniger Minuten hat sich ein Dutzend anderer Bewohner der Straße dazugesellt. Ihre Stimmung: Irgendwo zwischen "dickem Hals" und der Erleichterung, ihren Unmut teilen zu können.

Frankfurt: Mülltonnen quellen über

Übereinstimmend berichten die Bürger von massiven Müllentsorgungs-Engpässen in ihrer Straße. Zur Veranschaulichung hat Weber für den Fotografen seine übervollen Tonnen auf die Straße gestellt. "Unser Altpapier", stellt er fest, "ist seit zehn Wochen nicht mehr geleert worden - in der Bio- und der gelben Tonne stapelt sich seit vier Wochen der Müll." 

Einzig der Restmüll werde turnusgemäß abgeholt. Seine Frau habe beobachtet, wie der Wagen für den Restmüll in den Eisenacher Weg abgebogen sei, "und die direkt dahinter fahrenden Wagen für das Altpapier und den Biomüll fahren einfach vorbei." Angeblich kommen sie wegen der geparkten Autos nicht in die engen Straßen. Die Folge: Die Behälter quellen über, der Biomüll ist mit Schimmel übersät.

Frankfurt: Anwohner beschweren sich - "Anrufe verpuffen"

Über die Gründe kann Oliver Weber nur spekulieren: "Wir vermuten, dass die FES vertraglich lediglich verpflichtet ist, den Restmüll abzuholen. Sonst könnten wir ja die Müllgebühren zurückfordern." Am meisten störe ihn die fehlende Kommunikation des Müllentsorgers: "Die könnten doch Zettel in die Haushalte werfen und uns informieren: Passt auf, Leute, da gibt's ein neues Gesetz - fahrt eure Autos weg, sonst kommen wir nicht."

Auch andere Bewohner beklagen eine schlechte Kommunikation: Zahlreiche Beschwerdeanrufe bei der Servicenummer der FES verpufften. "Entweder sagen sie einem, dass man der Einzige mit dem Problem sei", berichtet Anette Schäfer. "Oder aber der Mitarbeiter erklärt sich für nicht zuständig und man wird weitervermittelt, ohne Hilfe zu bekommen."

Frankfurt: Müll wird wegen geparkter Autos nicht geleert

Anwohner Dirk Hartmann erzählt, wie er den FES-Mitarbeitern am vergangenen Donnerstag hinterher gelaufen sei und sie schließlich am Kiosk an der Pfaffenwiese zur Rede gestellt habe: "Der Mann meinte nur, der Eisenacher Weg werde nicht geleert, weil da ein Auto gestanden habe." Warum er denn nicht geklingelt habe, habe er wissen wollen. "Dazu sei er nicht verpflichtet, sagte mir der Mitarbeiter. Nur ein Foto vom Auto hat er gemacht."

Wenn aber die Straße mit geparkten Autos wirklich zu schmal sei, meint Oliver Weber, "soll die FES doch Sammelplätze für uns einrichten." Das sei zwar etwas lästig, "aber wenigstens wissen wir dann, woran wir sind."

FES-Sprecher Michael Werner räumt gegenüber dieser Zeitung ein, "dass es in den letzten Wochen erhebliche Schwierigkeiten" gegeben habe - allerdings nur beim Altpapier. Das liege "an der sehr häufigen Verparkung der sehr engen Wege und daran, dass das Fahrzeug für das Altpapier ein Hecklader" sei. Dieses Fahrzeug sei etwa 80 Zentimeter länger und komme deshalb nicht so gut um die Kurven. Werde dann noch ein Auto ungünstig abgestellt, sei es nicht machbar, die Standplätze anzufahren.

Frankfurt: Altpapiertonnen nicht geleert

Seine nächste Aussage können zumindest die Anwohner des Eisenacher Weges nicht bestätigen: Es sei am vergangenen Freitag gelungen, "alle Altpapiertonnen zu leeren und auch die Beistellungen mitzunehmen." Werner kündigte an, dass nach einer dauerhaften Lösung gesucht werde. Dabei prüfe man auch, "wie uns der Ortsbeirat unterstützen könnte" - etwa durch die Einrichtung von vorübergehenden Halteverboten, dem Setzen von Pollern und ähnlichem.

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