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Vor Sonne und Insekten mit einem Netz geschützt: Hanna Thiele bei einem Abstecher ins australische Outback, nahe der Stadt Alice Springs. 

Reisen und Arbeiten

Hanna Thiele ging nach dem Abi ins Ausland - eine gute Vorbereitung zahlte sich aus

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Viele junge Menschen zieht es nach dem Abitur ins Ausland. Sie wollen Spaß, Leute kennenlernen und einzigartige Naturlandschaften erleben. Doch ohne Planung ist das kaum möglich. Eine Work-and-Travel-Begeisterte berichtet.

Frankfurt - Noch etwas verschlafen pellt sich Hanna Thiele aus ihrem Schlafsack und richtet sich auf. Sie hat die Nacht in ihrem Camping-Van am Straßenrand irgendwo in Süd Australien verbracht. Als sie aus dem Fenster schaut, kann sie ihren Augen kaum trauen. Das Fahrzeug ist umgeben von einer Herde Kängurus, die mindestens genauso verdutzt sind wie Thiele.

Gerne erinnert sich die 26 Jahre alte Frankfurterin an dieses ganz besondere Erlebnis während ihres Work-and-Travel-Aufenthalts in Australien. „Das war eines meiner Highlights.“ Nach dem Abitur wollte Thiele unbedingt in die große weite Welt. Zehn Monate reiste sie durch die Städte und Naturlandschaften Australiens – mit Jobs verdiente sie sich etwas dazu. „Ich habe das als perfekte Chance gesehen, zwischendurch etwas anderes zu machen“, sagt die derzeitige Master-Studentin. Lange hatte sie sich vorab über ihre Reise Gedanken gemacht – vieles gab es zu beachten.

Am liebsten Australien

Die meisten jungen Menschen zieht es wie Thiele nach dem Abitur ins Ausland. Das beliebteste Reiseland ist laut aktueller Umfrage der Initiative „Auslandszeit“ wie im Vorjahr Australien. Von den rund 50 000 Deutschen, die jährlich ein Work and Travel machen, reisen 25 000 in das etwa 14 000 Kilometer entfernte Down Under. An zweiter Stelle liegt mit 20 000 Reisen Neuseeland, danach folgt Kanada. Die durchschnittliche Reisedauer liegt bei 8,7 Monaten. Neben Work and Travel liegt laut Jane Jordan, Sprecherin der Initiative Auslandszeit, auch Freiwilligenarbeit im Trend. „Weiterhin werden aber auch die Klassiker Au-Pair, Auslandsstudium und Auslandpraktika stark nachgefragt.“ Studentin Hanna Thiele hat sich ganz bewusst für Work and Travel entschieden. Nach Australien wollte sie aus pragmatischen Gründen. „Ich wollte in ein Land, dessen Sprache ich spreche“ – vor allem bei der Jobsuche eine wichtige Voraussetzung. Geplant habe sie die Reise zusammen mit einer Freundin. „Wir haben uns dafür viel Zeit genommen. Denn: Visum und Kreditkarte beantragen, Flugverbindung heraussuchen, die richtige Auslandskrankenversicherung finden, Reiseversicherung abschließen und eventuell schon die ersten Arbeitsstellen suchen – das alles sei wichtig und koste viel Zeit.

Tipps holte sich Thiele dabei zum einen, indem sie Erfahrungsberichte anderer Work-and-Traveler und Ratgeber las, außerdem im Internet. Zwar gibt es auch Organisationen, die gegen Bezahlung Teile der Planung übernehmen: Thiele hatte dazu von anderen Backpackern jedoch kaum positive Rückmeldungen bekommen. „Viele Backpacker, die ich kennengelernt habe, waren von dem Service enttäuscht“, erzählt sie. Auch bei der Work and Travel Umfrage gaben 42 Prozent der Befragten an, alles alleine organisieren zu wollen, 38 Prozent wünschten sich bei einigen wichtigen Themen Unterstützung von einer Work-and-Travel-Agentur. Nur 18 Prozent möchten für ihr Work and Travel eine Organisation buchen. Damit die Reise die eigenen Erwartungen erfüllt, solle sich nach Thiele jeder noch vor der Planung einige Fragen stellen: Mit welchem Ziel mache ich Work and Travel? Wie viel Geld möchte ich vor Ort verdienen? Was will ich alles sehen? Die Antworten darauf seien die Grundlage für die Organisation der Reise.

Jobs vorab suchen

Bei der Jobsuche lohnt sich etwas Recherche vorab. Die Angst, keinen Job zu finden, ist laut Umfrage die größte Sorge der jungen Weltenbummler. Das kann auch Thiele bestätigen. „Wer kein gutes Englisch spricht, hat es schwerer, etwas zu finden.“ Jobs wie „Fruit Picking“ (Landwirtschaftliche Arbeiten) seien körperlich anstrengend und sollten nicht unterschätzt werden. Um einige Jobs hat sich Thiele deshalb vorab online gekümmert. Der gemeinnützige Verbund von Biobauernhöfen weltweit (Woof-ing), bietet sich ihrer Erfahrung nach dafür an. Dort wird für Kost und Logis auf australischen Öko-Farmen gearbeitet.

Thiele ist im Rückblick zufrieden mit ihrem Work-and-Travel-Trip. Nur weniger Gepäck würde sie beim nächsten Mal mitnehmen. „Man lernt schnell, was man wirklich braucht.“ Campingausrüstung könne günstig von Backpackern abgekauft werden. Ein weiterer Tipp: Reste-Boxen in den Hostels nutzen. Darin wird nicht mehr gebrauchtes Essen von Reisenden verschenkt. „In Australien sind Lebensmittel und Alkohol teuer. Du musst bewusst konsumieren“, sagt Thiele. Empfehlen würde sie Work and Travel jedem. Nicht bloß wegen der tollen Erlebnisse, die man macht. „Du wirst auch selbstbewusster, selbstorganisierter, und sprachbegabter.“

Visum nötig

Für Australien, Neuseeland, Kanada, Chile, Japan, Südkorea, Hongkong, Singapur und Israel gibt es das Working-Holiday-Visum. Es kann bei der jeweiligen Botschaft online oder per Post beantragt werden. Allerdings ist das Kontingent für Kanada begrenzt, so dass nur wenige junge Leute ihr Jahr dort verbringen können. Das Visum dient gleichzeitig als Arbeitsgenehmigung und wird ausschließlich an kinderlose Menschen zwischen 18 und 30 Jahren ausgestellt. die noch kinderlos sind. Zudem müssen diese ein Startkapital von umgerechnet etwa 3000 Euro nachweisen. Das Visum können Reisende nur einmal erhalten. Es kostet je nach Reiseziel zwischen 80 und 290 Euro. Für Work and Travel in den USA wird das J1-Visum benötigt, das für verschiedene Formen von Work and Travel in verschiedenen Ausprägungen vergeben wird. Weitere Infos unter working-holiday-visum.de oder unter auslandsjob.de. svw

von Svenja Wallocha

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