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Hier liest eine Erzieherin den Knirpsen eine Gute-Nacht-Geschichte vor, bevor sie sich in der Kita zum Schlafen legen.

Auch am Wochenende

Vorbild für Frankfurt? Kita in NRW beweist flexible Kinderbetreuung

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In Frankfurt gibt es Pläne für eine Nacht-Kita. Wie eine flexible Kinderbetreuung funktioniert, zeigt das Projekt St. Maximus in Nordrhein-Westfalen. 

Wenn Eltern nachts arbeiten müssen, stehen sie oft vor der großen Frage: Wohin mit dem Kind? Aber auch wer frühmorgens Schichtbeginn hat oder abends mal länger am Schreibtisch sitzt, hat ein Problem mit der Betreuung der Sprösslinge. Oder was macht man am Wochenende? 

Das Gros der Kindertagesstätten nämlich öffnet erst um 7.30 Uhr und schließt um 17 Uhr. Samstags und sonntags bleiben die Türen ganz geschlossen.

Nacht-Kitas als Vorbild für Frankfurt?

Helfen können da Nacht-Kitas. Solch ein Projekt wünscht sich die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen für Frankfurt. Zuvor sollen jedoch Kosten und Bedarf geprüft werden. Den Vätern und Müttern helfen können aber auch schon flexiblere Öffnungszeiten der Einrichtungen. 

Ein Vorbild dabei kann das Projekt „St. Maximus“ aus Nordrhein-Westfalen sein.

Geänderte Lebenswelten

„St. Maximus“ ist eine Zusatzgruppe in zwei Kindergärten in Essen und Bochum, betrieben vom katholischen Kita-Zweckverband. Dort werden Kinder von früh morgens bis abends betreut. Soll heißen: Die Türen der Einrichtungen öffnen bereits um 6 Uhr und schließen erst um 19.30 Uhr.

Finanziell unterstützt wird das Projekt „St. Maximus“ seit 2016 vom Bundesprogramm „Kita Plus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“.

„Die Standard-Betreuungszeiten sind heutzutage nicht mehr ausreichend“, sagt Barbara Wagner vom Kita-Zweckverband. 

„Die Lebenswelten der Familien haben sich geändert und damit auch die Zeiten, in denen sie eine Betreuung für ihre Kinder brauchen.“ Genau da setze man an. Man wolle die Familien unterstützen, ihnen die Möglichkeit geben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Nicht genug Nachfrage für Übernachtungsangebot in der Kita

Bis Ende des vergangenen Jahres konnten die Kinder bei Bedarf sogar über Nacht bleiben. Doch das Angebot wurde nur wenig angenommen. Lediglich drei Familien hätten Interesse gehabt. Nur eine Familie hat ihre beiden Kinder regelmäßig zum Übernachten in die Einrichtung in Bochum gebracht. „Deshalb haben wir uns von diesem Angebot jetzt verabschiedet.“

Kita-Angebot an Vorschriften geknüpft

Doch warum kommt die Übernachtbetreuung bei den Eltern nicht an? „Weil wir eng mit dem Landesjugendamt kooperieren, waren uns Grenzen gesetzt“, sagt Barbara Wagner. Die Kinder dürften nicht länger als zehn Stunden pro Tag und 50 Stunden pro Woche in der Kita sein. Zudem sei lediglich eine Übernachtung pro Woche gestattet gewesen, sprich vier im Monat. 

„Einer alleinerziehenden Mutter, die als Krankenschwester zehn Nächte pro Monat arbeiten muss, hätte unser Angebot gar nicht weitergeholfen.“

Wochenende statt 24 Stunden

Anstatt des 24-Stunden-Modells hat sich der katholische Träger jetzt etwas anderes einfallen lassen: Eltern können ihre Sprösslinge in den Einrichtungen nun auch samstags betreuen lassen, sechs Stunden lang. 

Auch Eltern, deren Kinder normalerweise nicht die beiden Kitas besuchen, können das Angebot nutzen. 

„Das ist für mich die Zukunft“, sagt Wagner. „Das wird richtig gut angenommen.“ Die anfängliche Sorge, die Eltern könnten shoppen statt arbeiten gehen, habe sich als unnötig erwiesen. „Wenn Eltern ihre Kinder am Samstag zu uns bringen, dann machen sie das, weil sie müssen.“

Arbeitswelt muss auch flexibler werden

Bochum will übrigens im Rahmen ihres Stadtentwicklungskonzeptes „Bochum Strategie 2030“ erreichen, dass es in jedem Bezirk eine Kindertagesstätte mit flexiblen Betreuungszeiten gibt. „Natürlich muss sich auch die Arbeitswelt ändern und familienfreundlicher werden“, sagt Wagner. „Aber wir können die Familien, die heute eine flexible Betreuung brauchen, nicht im Regen stehen lassen.“

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