+
Polizisten gehen in die Abflughalle C des Terminal 1 am Flughafen. Einheiten von Bundespolizei, Landespolizei und Zoll üben hier unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Vorgehensweise bei einem terroristischen Angriff.

Bundespolizei

Nächtliche Anti-Terror-Übung am Frankfurter Flughafen

  • schließen

Es war die größte Anti-Terror-Übung, die es je am Frankfurter Flughafen gegeben hat. 1000 Einsatzkräfte haben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag unter Realbedingungen einen Terroreinsatz geprobt.

Frankfurt - Ein enormer Knall. Völlige Stille für fünf Sekunden. Darauf drei weitere donnernde Explosionen kurz hintereinander. Dichter Rauch überdeckt die Gesichter vor Schmerz und Entsetzen schreiender Männer und Frauen im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. „Hilfe, helfen Sie doch! Hallo, Hilfe!“ brüllt eine Frau verzweifelt. Desorientierte Menschen laufen panisch durch den Rauch, andere bleiben liegen. Einsatzkräfte sind in kürzester Zeit zur Stelle. Männer ziehen Waffen, zielen und schießen auf Beamte und Reisende.

Das Bild im Abflugbereich C erinnert an den 19. Juni 1985, als Sprengstoff in einer Reisetasche in der Abflughalle B im Terminal 1 entzündet wurde und explodierte. Drei Menschen kamen damals ums Leben - zwei von ihnen waren Kinder. 42 Personen wurden zum Teil schwer verletzt, ein Mann erlag wenige Tage später einem Herzinfarkt. Die Halle glich einem Schlachtfeld aus zersprungen Glasscheiben, Gepäckstücken und einem tiefem Loch im Betonboden. Die Tat, zu der sich 32 Gruppierungen bekannt haben, ist bis heute nicht geklärt.

Flughafen Frankfurt: Immer wieder die gleiche Lautsprecheransage

An diesem Abend ertönt eine Lausprecherdurchsage in den Terminals B und C. „Zwischen 22 Uhr und 4.45 Uhr findet eine Einsatzübung der Polizei am Flughafen statt. Bitte erschrecken Sie nicht, wenn Sie einen Knall hören oder Rauch sehen.“ Die Ansage wird bis spät in die Nacht regelmäßig wiederholt, damit bei den wenigen Leuten, die sich im Flughafen aufhalten, keine Angst entsteht. Drei Polizeibeamte bewachen eine schmale Stahltür neben dem verschlossenen Rolltor im Abflugbereich. 

Panische Schreie sind bei dieser bisher größten Anti-Terror-Übung am Frankfurter Flughafen zu hören. Etwa 1000 Einsatzkräfte der Bundespolizei, der Landespolizei, vom Zoll und Rettungskräften üben gemeinsam mit der Fraport Security unter Realbedingungen den Worst Case. „Übungen wie diese sind sehr wichtig“, so Alexander Kießling, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt. „Es gibt keinen speziellen Anlass. Vorbereitet müssen wir jederzeit sein – siehe Brüssel.“ 

Er erinnert damit an die Selbstmordattentate, die am Flughafen Brüssel-Zaventem und in der Innenstadt am 22. März 2016 mehr als 300 Verletzte und 35 Tote forderten. Auch in dieser Nacht geht es um Terroranschläge. Angehende Polizeibeamte spielen die Rollen der Passagiere, die in ein Attentat geraten. Realistisch geschminkt von Mitarbeitern der Bundeswehr in Tarnkleidung mit tiefen Schnitt- und Schusswunden. Die Attentäter schießen mit Platzpatronen. Die Einsatzkräfte mit Farbmunition.

Einsatzkräfte der Polizei sind vorher nicht über Ablauf informiert

„Die Einsatzkräfte sind nicht darüber informiert, was passiert. Nur die Darsteller der Opfer haben individuelle Vorgaben“, erklärt Ralf Ströher, Pressesprecher der Bundespolizei . „Die Teilnehmer tragen unterschiedlich farbige Westen. Die mit grünen Westen filmen und beobachten, damit der Einsatz im Anschluss beurteilt werden kann. „Daher auch die Farbmunition. Sie zeigt, wo und wie getroffen wurde.“ Wesentlich sei die Kommunikation für und während des Einsatzes. Die Einsatzkräfte kommen aus verschiedenen Richtungen zum Tatort. „Da muss alles funktionieren. Darum sind alle Sicherheitsbehörden am Flughafen mit dabei.“ Allein am Flughafen arbeiten laut Ströher mehr als 2000 Polizisten plus die Mitarbeiter des 19. Reviers. Für die Bundespolizei ist es die fünfte Übung am Frankfurter Flughafen. In dieser Nacht wird in vier Schichten der Ernstfall geprobt.

Flughafen Frankfurt: Übung läuft in vier Schichten ab

Die Konzentration ist hoch, die Beamten des Bundes- und Landespolizei haben die Situation im Griff. In vier Schichten läuft die Übung ab. Der Einsatz ist anstrengend. Einer jungen Frau geht es nicht gut. Das ist nicht Teil der Übung. Sie wird von Sanitätern im nicht gesperrten Passagierbereich betreut, bekommt eine Infusion, bevor sie mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wird.

Die Anspannung und die anschließende Erleichterung der Einsatzkräfte sind sichtbar. Ein Polizist sagt nach der Übung zu einem Kollegen. „Hoffentlich tritt niemals so eine Situation ein. Neun Menschen, die ich weggetragen habe. Das ist heftig.“ Hinter der Tür donnert wieder ein Knall. Stille. Drei weitere folgen. Männer und Frauen schreien und rufen verzweifelt und Hilfe.

In Raunheim hat die Polizei in Südhessen bei einer Großrazzia gegen islamistischen Terror ein junges Ehepaar festgenommen.

Lesen Sie auch: 

Schreck in der Luft: Lufthansa-A380 aus Frankfurt muss Flug nach Indien abbrechen

Unangenehme Stunden für die Passagiere: Ein A380 musste auf dem Weg von Frankfurt nach Indien plötzlich wieder umkehren.

Zoll scannt Skateboard-Rollen und findet kiloweise Drogen

Mann will mit drei Koffern durch den Zoll - Ermittler machen brisanten Fund:  Ein Reisender will mit drei Koffern am Frankfurter Flughafen durch den Zoll. Dieser macht bei der Kontrolle einen brisanten Fund.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare