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Seit Mitte Februar verschärfen die Bauarbeiten in der Sauerstraße die ohnehin schwierige Situation in Nied. Foto:

"Eine Katastrophe"

Baustellen-Wahnsinn in Nied: Keine Parkplätze mehr für Anwohner

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In Frankfurt Nied ist die Verzweiflung groß, die Anwohner finden keine Parkplätze mehr - vor allem der Grund macht die Menschen rasend.

Frankfurt- Es kracht, es quiekt, es rumpelt. Manchmal tut es Mordsschläge. Baustellenlärm durchdringt die Umgebung der Sauerstraße in Nied – die neuste der zahlreichen Baustellen Nieds. „Bei den Baumaßnahmen handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Stadtentwässerung Frankfurt (SEF) und des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE)“, erklärt Michaela Kraft, Leiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung, auf Anfrage dieser Zeitung. Die SEF erneuere zunächst den Mischwasserkanal, bevor das ASE anschließend Gehwege und Fahrbahnen saniere. 

Baustellen-Wahnsinn in Nied: Mischwasserkanal beansprucht viel Bauzeit

Gebaut wird ebenso am „Nieder Loch“, in der Straße „Alt-Nied“ und auch in der Beunestraße, wo mehrere nebeneinanderliegende Gebäude entkernt und saniert werden. Die Arbeiten werden über das Programm „Schöneres Frankfurt“ finanziert: Zwei Millionen Euro sind veranschlagt. Davon übernimmt das Land Hessen 514 000 Euro, rund ein Viertel der Ausgaben. Die Gesamtbauzeit werde laut Kraft voraussichtlich bis November 2019 andauern. „Der Neubau des Mischwasserkanals nimmt hierbei den größten Teil der Bauzeit in Anspruch – bis voraussichtlich Juli 2019“, kündigt sie an. 

Damit werden die Nieder noch lange mit Krach, Dreck und Verkehrsbehinderungen durch die Baustellen leben müssen. Und mit einem weiteren unerfreulichen Nebeneffekt: Rundherum fehlen Parkplätze. Abends kann es passieren, dass im alten Ortskern Autos neben einem Fußgänger anhalten, die Fahrer die Scheibe runterlassen und fragen: „Fahren Sie weg?“ Sie spekulieren dabei auf frei werdende Parklücken. Oft handeln sie sich einen Korb ein, denn viele Passanten kommen gerade vom Bahnhof. 

Parkplätze in Nied: Baustellen machen Autofahrern das Leben schwer

„Grundsätzlich wird bei allen Baumaßnahmen versucht, die Beeinträchtigungen auch in punkto Parkplätze so gering wie möglich zu halten“, erläutert Kraft. Gesperrt werden müsse jedoch, was an Raum zur Durchführung der Bauarbeiten notwendig oder rechtlich erforderlich ist. Ihr einziger Trost für die Nieder: „Die Parkplätze werden im Anschluss an die Bauarbeiten wieder zur Verfügung stehen.“ 

Parkplatznot in Nied: Anwohner machen auf Facebook ihrem Ärger Luft

Das Ausmaß des Frustes lassen die Reaktionen auf einen Aufruf dieser Zeitung in der Facebook-Gruppe „Nied – the best of Frankfurt-West“ erahnen. Bislang 69 Nutzer kommentierten innerhalb kurzer Zeit, um die Problem aus ihrer Sicht zu schildern. „An der Nied Kirche Richtung Griesheim“, berichtete etwa Heike Stoner, „wurden jetzt Parkverbotschilder angebracht – interessiert niemanden.“ Die Mainzer Landstraße sei total zugeparkt. „Und wenn man aus seiner Garage rausfahren will, muss man aufpassen, dass man keine Fahrradfahrer umfährt, denn die müssen mittlerweile auf den Gehwegen fahren.“ 

Die Lage nennt sie eine „Katastrophe“. Ab 17 Uhr sei alles voll. „Natürlich ist da kein Ordnungsamt mehr unterwegs. Also heißt es für den Anwohner – Pech gehabt“, schreibt sie empört. Seit langem mit der Lage vertraut ist Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). „Wir haben im Ortsbeirat schon oft darauf hingewiesen, dass Baustellen in einem Stadtteil möglichst aufeinander abgestimmt sein sollten“, macht sie deutlich. 

Sie könne „Menschen, die schon vor Ort leben, sehr gut verstehen, wenn sie skeptisch auf die neuen Wohnungen blicken“, sagt sie, denn: „Die finden jetzt schon keinen Parkplatz. Wie soll das werden, wenn mehr Menschen mit wahrscheinlich noch mehr Autos hinziehen?“ Natürlich, räumt sie ein, müsse neuer Wohnraum in Frankfurt geschaffen werden. Dabei dürfe aber nicht die notwendige Infrastruktur nicht vernachlässigt werden. „Und Parkplätze gehören eben auch dazu“, so Serke.

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Das wird aus dem Nieder Loch

Das Nieder Loch am Ortseingang des Stadtteils soll bis 2018 verschwunden sein. Dort entstehen Wohnungen und ein Supermarkt. Wie das danebenliegende Nieder Tor aussehen wird, ist dagegen noch nicht ganz fix. Klar ist aber: Es wird einen Kreisverkehr geben.

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