+
Mike Josef (SPD) möchte den Frankfurter Stadtteil Nied aufwerten und stabilisieren. Das Programm "Soziale Stadt" soll Impulse geben.

Projekt

Mike Josef (SPD) möchte den Frankfurter Stadtteil Nied aufwerten

Mike Josef (SPD) möchte den Frankfurter Stadtteil Nied aufwerten und stabilisieren. Das Programm "Soziale Stadt" soll Impulse geben.

Frankfurt - Nach knapp einem Jahr Bauzeit ist die Straße Alt-Nied wieder offen: Sie wurde umgestaltet, soll jetzt mehr Aufenthaltsqualität bieten. Das Nieder Loch wird bebaut; die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG errichtet dort in mehreren Abschnitten rund 280 Wohnungen. Die ersten werden 2020 bezugsfertig sein. Die Straßenbahnwendeschleife kommt weg, dort wird ein großer Rewe-Markt entstehen. Noch nicht angegangen wurde die Umgestaltung des "Nieder Tors", also der Kreuzung Mainzer Landstraße / Alt-Nied / Nieder Kirchweg, aber die Planungen laufen. Wer gestern am späten Nachmittag beim Stadtspaziergang mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD) in Nied unterwegs war, konnte sich einen Überblick über viele größere Projekte verschaffen, mit denen das Gesicht von Nied verändert werden soll.

Noch kein Zeitplan

Dafür hatte der Dezernent einige Amtsvertreter aufgeboten. Das Wohnungsbauprojekt der ABG stellt der Chef persönlich vor: Frank Junker, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, berichtete, dass 65 Millionen Euro im Nieder Loch verbaut werden und dass in absehbarer Zeit auch Planungsrecht für den Bereich der Wendeschleife erwartet werde. Der neue Supermarkt dort soll Stellplätze in einer Tiefgarage erhalten.

Wann mit der Umgestaltung des "Nieder Tors" begonnen wird, da wollte sich Iris Lorena Langhammer von der Verkehrsplanung im Stadtplanungsamt nicht recht festlegen. Klar sei jedoch, dass ein Kreisverkehr gebaut werde, der von der Straßenbahn geschnitten werde. Wenig Berücksichtigung fanden dabei die Ideen des "Arbeitskreises Verkehr" aus Nied, der Straßenbahn und Autos im "Mischverkehr", das heißt auf gleicher Fläche, fahren lassen möchte: Davon sei man abgekommen, sagt Mike Josef, der öffentliche Nahverkehr soll beschleunigt werden: "Sie sollen nicht mit der Straßenbahn im Stau stehen müssen."

Wohnen überm Nahkauf

Viel Potenzial sieht Josef in den Plänen von Niyazi Sen. Der Betreiber des Nahkauf-Markts an der Dürkheimer Straße möchte den unansehnlichen und zusammengestückelten einstöckigen Gebäudekomplex abreißen, einen neuen Markt mit 800 Quadratmeter Ladenfläche statt bisher 430 bauen und in drei weiteren Geschossen mehr als 20 Wohnungen darüber. Verbunden werden soll das mit einem Backshop, der auch sonntags auf hat und der einen Treffpunkt für Nied-Süd bilden könnte. "Wenn wir davon sprechen, Supermärkte mit Wohnungen zu überbauen, dann ist das hier die perfekte Situation", sagt Josef. Niyazi Sen rechnet für diesen August mit der Erteilung der Genehmigung.

Nied ist 2016 in das Bund-Länder-Förderprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen worden; in diesem Jahr wurde mit der Umsetzung begonnen. Damit besteht die Möglichkeit, bis 2025 Anträge auf Fördermittel für Projekte zu stellen, die den Zielen des Städtebauförderprogramms entsprechen. Ziel ist es, mit Hilfe des Förderprogramms Nied "städtebaulich zu erneuern, sozial zu stabilisieren, ökologisch aufzuwerten, für die Entwicklung einer lokalen Ökonomie zu öffnen und die Grundlagen für einen lebenswerten Stadtteil mit eigener Identität zu stärken", hat der Magistrat mitgeteilt.

Die Stadt Frankfurt hat dazu als Ansprechpartner für den weiteren Prozess den Caritasverband Frankfurt mit dem Quartiersmanagement und die "ProjektStadt", eine Caritas-Tochter, mit der Projektsteuerung sowie der Erarbeitung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) beauftragt. In diesem Jahr gab es bereits eine Online- sowie eine Postkartenumfrage an Informationsständen, verschiedene Bewohnertreffen und Stadtteilrundgänge - es ging darum, von den Bürgern zu erfahren, was ihnen in Nied nicht gefällt. Gleichzeitig wurde aber auch abgefragt, wo nach Meinung der Nieder die Stärken des Stadtteils liegen. Die erste Beteiligungsrunde ist abgeschlossen, doch nach den Sommerferien geht es weiter. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Rund 2500 Einreichungen sind eingegangen - bei knapp 20 000 Niedern.

Immer wieder unter den Punkten, die die Nieder bewegen, sind der Bahnübergang in der Oeserstraße und die Mainzer Landstraße. Während an der Beseitigung des Bahnübergangs seit mehr als 100 Jahren geplant wird, könnte das städtebauliche Entwicklungskonzept zumindest die Dringlichkeit der Umgestaltung der Mainzer Landstraße zwischen Birmingham- und Luthmerstraße voranbringen. Auch wenn die Stadt keinen Mischverkehr mit Straßenbahn und Autos auf einer Fläche möchte, könnte doch - wie schon vor Jahrzehnten thematisiert - die Straßenbahn in die Mitte der Richtungsfahrbahnen der Mainzer Landstraße gelegt werden. Das würde es Fußgängern erleichtern, die Straße zu queren. Voraussetzung ist jedoch, dass diese Idee im ISEK festgehalten wird. Die konstituierende Sitzung mit Vertretern aller Nieder Siedlungen soll am 21. August sein. Nähere Infos gibt es für alle Nieder im Internet unter www.mein-nied.de.

red

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare