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Auch in Höchst entwickeln sich die Nilgänse zunehmend zum Ärgernis. 

Nachbarn schimpfen

"Die Nilgänse kacken hier alles zu"

Das Reizthema Nilgänse hat nun erstmals auch den für den Frankfurter Westen zuständigen Ortsbeirat 6 beschäftigt. Eine Griesheimerin hat in der Bürgerfragestunde Alarm geschlagen - doch Tierschützer warnen vor Hysterie im Umgang mit den unbeliebten Wasservögeln.

Frankfurt Höchst – Mit gleich zwei Anträgen haben Mitglieder des Ortsbeirates 6 die Stadt aufgefordert, sich des Nilgans-Problems anzunehmen. So möchte die SPD-Fraktionsvorsitzende Doris Michel-Himstedt wissen, was der Magistrat "gegen die zunehmende Verdrängung einheimischer Wasservögel durch Nil- und Kanadagänse unternehmen kann und wird".

Auch für die Hinterlassenschaften der Flattertiere, die in den vergangenen zwei Jahren etwa im Brentanobad und den Frankfurter Grünanlagen bei Stadt und Bürgern für viel Verdruss sorgten, interessiert sich Michel-Himstedt. Sie fragt in ihrem Antrag danach, was die Stadt unternimmt, "um die Spielplätze und Grünanlagen entlang des Griesheimer Mainufers regelmäßiger vom Kot der Nilgänse zu reinigen".

Auch der parteilose Abgeordnete Uwe Eisenmann hat zugewanderte Vögel ins Visier genommen, nur eine andere Art: "An der Wörthspitze hat sich inzwischen eine ansehnliche Population von Kanadagänsen entwickelt", schreibt er in seinem Antrag. Bei Gelegen von vier bis sechs Eiern könne sich hier in wenigen Jahren ohne Gegenmaßnahmen eine Kolonie von mehreren hundert Vögeln entwickeln.

Nilgänse: Früh reagieren

Ein ähnliches Problem sieht Eisenmann im Höchster Stadtpark, in dem sich vor allem Nilgänse angesiedelt hätten. "Hier kommt erschwerend hinzu, dass sowohl der Spielplatz als auch der Weiher über Gebühr mit Gänsekot belastet werden", so Eisenmann. Das Beispiel Ostpark zeige: "Je später geeignete Maßnahmen ergriffen werden, desto teurer werden diese."

Dramatische Unterstützung erhielten die Lokalpolitiker durch die Schilderungen Ursula Schmidts in der Fragestunde. Die rührige Griesheimerin, im vergangenen Jahr mit der Frankfurter Bürgermedaille ausgezeichnet, sprach von einer "Gänseplage am Griesheimer Mainufer". Das Naherholungsgebiet sei "de facto von den Exkrementen zugekackt" und für seinen eigentlichen Zweck kaum mehr zu nutzen.

Frankfurt: "Da breitet kein Mensch mehr seine Wolldecke aus"

Dies gelte auch für die Liegewiesen. "Da breitet kein Mensch mehr seine Wolldecke aus", stellte sie fest. Von Kot übersät seien auch die Sandkästen der Kinderspielplätze, und "in unserer wunderschönen Beachvolleyball-Anlage kann man nicht mehr barfuß, nur noch mit Gummistiefeln spielen". Bei der Unteren Naturschutzbehörde sei sie mittlerweile bei der Abteilung "Artenschutz" gelandet, erzählte sie süffisant. In Offenbach würden die Nilgänse mittlerweile bejagt - "in Frankfurt traut man sich das nicht so richtig", argwöhnt sie. Wie man gegen die Tiere konkret vorgehe, sei ihr egal. "Aber wenn man nichts unternimmt", glaubt sie, "droht uns eine Überpopulation." Ihre Warnhinweise bei der Stadt hätten immerhin bewirkt, dass sich demnächst ein Vogelkundler ein Bild von der Lage am Griesheimer Mainufer machen werde.

Ein ganz anderes Bild von den Nil- und Kanadagänsen zeichnen Tierschützer wie Necla von Gartzen oder Martina Chane, die sich in ihrem "Projekt Oase" für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier einsetzt und sich misshandelter Kreaturen annimmt.

Necla van Gartzen berichtet auf Anfrage, dass sie am Mainufer vor ein paar Wochen "mindestens 20 Schwäne, verschiedene Wasservögel, Enten, sogar einen Gänsesäger und zwischendrin maximal acht bis zehn Nilgänse" gesehen habe.

Nilgänse sollen wieder neue Plätze suchen 

"Die waren wunderschön zu beobachten und verweilten friedlich mit all den anderen Tieren dort." Im Moment seien die Wasservögel in der Mauser, "daher suchen sie Sammelplätze auf und werden sich in den nächsten Wochen wieder neue Plätze suchen", berichtet die Tierschützerin. Sie ergänzt: "Die Nilgänse verunreinigen keine Gewässer und verdrängen auch keine anderen Tierarten, wie in den Medien überall zum Leid dieser Tiere verbreitet wird."

Schwere Vorwürfe erhebt Martina Chane: Die Griesheimer ließen ihre Hunde "extra auf die Schwäne los, sie treten die Wasservögel und fahren absichtlich mit dem Fahrrad über sie", beklagt die Tierschützerin. Auch manche Angler drangsalierten die Vögel. Überhaupt sieht sie den Menschen als den wahren Schuldigen: "Wir nehmen allen Tieren den natürlichen Lebensraum - und dann wundern wir uns, dass sie Schutz in den Städten suchen."

Von Michael Forst

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Sie bevölkern Parks und Mainufer, hinterlassen ihren Kot und laufen Radfahrern in den Weg. In wenigen Jahren haben sich Nilgänse ausgebreitet. Aufzuhalten sind sie offenbar nicht mehr. Jetzt kontrolliert die Stadt vermehrt diejenigen, die die invasive Art auch noch füttern.

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