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Eine Bananenstaude und ein Sonnenhut stehen unterhalb der Bürofassaden. Das Nizza-Ufer ist ein besonders geschützter Bereich an der Untermainbrücke und bietet klimatische Bedingungen für exotische Pflanzen.

Spezielles Mikroklima

Dort wachsen Kiwis und Feigen: In Frankfurt liegt einer der wärmsten Orte Deutschlands

In Frankfurt gibt es einen Ort, an dem herrscht ein einzigartiges Mikroklima. Dort wachsen sogar Kiwis und Feigen.

Frankfurt - Palmen und Bananenpflanzen begrüßen die Besucher an der Treppe, ein mit pinkfarbenen Blüten über und über bestückter Baum schmückt den Eingang. Die exotischen Pflanzen machen das Frankfurter "Nizza" am nördlichen Mainufer zu einer Oase, in der es zu jeder Jahreszeit grünt und blüht, selbst im Winter. Die wachsende Beliebtheit des Mainufers macht aber auch der sorgsam angelegten und gepflegten öffentlichen Anlage an der Untermainbrücke zu schaffen.

Ein günstiges Mikroklima lässt dort sogar Zitrusfrüchte reifen, erklärt Rainer Gesell. Der Hobbygärtner hat den kleinen Park in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt der Stadt vor 20 Jahren neu konzipiert. "Es handelt sich hier um einen der wärmsten Standorte in Deutschland", sagt der 64-Jährige - und pflückt zum Beweis von einem Ast eine reife Feige ab. 

4,42 Hektar großen Areal am Main

Die nach Süden ausgerichtete Lage am Fluss und die hohe Mauer, die den Bereich an seinem hinteren Ende abgrenzt, tragen dazu bei. Bei dem 4,42 Hektar großen Areal handelt es sich nach städtischen Angaben um einen der größten südländischen öffentlichen Gärten nördlich der Alpen.

Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes, steht oberhalb der Parkanlage auf der Untermainbrücke.

Auf dem im Jahr 2000 neu eröffneten Areal wachsen frostresistente und zugleich subtropische Pflanzen von allen fünf Kontinenten, darunter Oliven- und Mammutbäume, Pinien, Zypressen und japanische Zitrusbäume. "Ich habe in meinem eigenen Garten viele Versuche gemacht, welche Pflanzen im deutschen Klima wachsen und den Winter überstehen", sagt Gesell. Zur Erstellung des Konzepts habe er allein eine Woche im Archiv des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Offenbach verbracht, insgesamt neun Monate habe er daran gefeilt.

Nizza: Um 1875 entstanden

Entstanden war das "Nizza" als Flaniermeile mit südländischen Pflanzen erstmals um das Jahr 1875. Um sie neu zu beleben, seien aufwendige Bestellungen in Italien, Frankreich und den Niederlanden aufgegeben worden, sagt Gesell. Auch aus den USA seien Pflanzen importiert worden. Heute sind auf dem Areal rund 200 besondere Exemplare zu bewundern. Die Anfangsinvestition lag bei 250 000 Euro.

Der kleine Park bleibt jedoch nicht von den Problemen verschont, mit denen das Grünflächenamt der Mainmetropole zunehmend kämpft: Vandalismus, Wildpinkler, Müll. Es habe sich in den vergangenen Jahren ein regelrechter Hype um das Mainufer entwickelt, sagt Amtsleiter Stephan Heldmann. 

Und dabei gehe es "um mehr als nur ein paar Blümchen": Ein Ort mit einem derartigen Freizeitwert trage zu einem gelingenden sozialen Leben einer Stadt bei. Habe es früher stellenweise regelrechte Angsträume gegeben, zeigten die Frankfurter nun stolz ihren Gästen die Uferanlagen mit Blick auf die Skyline.

Sebastian Otte, Gärtner beim Grünflächenamt, legt Gartenwerkzeuge auf die Ladefläche.

Bei schönem Wetter tummeln sich Sonnenhungrige an den Flussufern, Jogger, Inlineskater und Fahrradfahrer schlängeln sich zwischen Spaziergängern hindurch. Abends ist Partytime, Grills und Kühltaschen werden ausgepackt. Das Aufsammeln und Wegschaffen des Mülls in den Grünanlagen frisst inzwischen mehr als drei Millionen Euro und damit ein Fünftel des gesamten Jahresetats des Grünflächenamts, mit Schwerpunkt Mainufer.

Das "Nizza" schützt inzwischen ein Zaun, dessen Tore nachts verschlossen werden. 152 000 Euro investierte die Stadt vor allem als Reaktion auf Obdachlose, die auf der Wiese oder an der wärmenden Mauer übernachtet hätten. Dazu seien auch Pflanzenteile abgerissen worden, zudem sei der Bereich an der Mauer als Toilette missbraucht worden, sagt Heldmann. Auch Pflanzendiebe treiben ihr Unwesen, heute allerdings nicht mehr so häufig wie in der ersten Zeit nach der Eröffnung. "Dann haben wir die Pflanzen in der Erde verankert."

Trockenheit kein Problem

Ein Problem, das die Grünanlagen in Frankfurt und anderen Städten nun zum zweiten Jahr infolge betrifft, hat das "Nizza" indes nicht: Die Trockenheit macht den Pflanzen bisher nichts aus. "Die kommen mit extremen Bedingungen zurecht", sagt Hobbygärtner Gesell. Die Anlage, die sich nun seit fast 20 Jahren bewährt habe, könne damit als Vorbild für die Gartenplanung in Zeiten immer stärkerer Auswirkungen des Klimawandels dienen.

von Isabell Scheuplein

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