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Fährt bald eine Tram mit Akku am Nizza entlang?

Öffentlicher Nahverkehr

Bald könnte eine ganz besondere Tram am Frankfurter Nizza fahren

Die erste Akku-Tram könnte bald durch Frankfurt entlang am Nizza rollen. Doch dafür müsste zunächst der Test am nördlichen Mainufer positiv verlaufen.

Frankfurt - Nicht sehr viele Befürworter hat die geplante Sperrung des nördlichen Mainufers ab Anfang August im Herzen Frankfurts, im Altstadtbereich. Die rund 21 000 Auto- und Lastwagenfahrer, die täglich hier am Mainkai entlang fahren, dürften ganz sicher nicht zu den Befürwortern gehören. Wohl auch deshalb geht Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vorsichtig vor. Nur ein Testbetrieb solle die 13-monatige Sperrung vom Mainfest 2019 bis zum Museumsuferfest 2020 sein. Und umgebaut werde erstmal nichts an der Straße, „was nicht rückholbar ist“, verspricht er. Was aber ist, wenn auf den umliegenden Straßen kein Chaos ausbricht?

Vor Test der Akku-Tram: Verkehr am Innenstadt-Mainufer reduzieren

„Wenn der Test erfolgreich verläuft, wird es einen städtebaulichen Wettbewerb geben“, kündigt der Stadtrat an. Davon erhofft sich die Stadt Architekten-Vorschläge für den Rückbau der Straße – und eine neue, endgültige Gestaltung des Innenstadt-Mainufers. Große Flächen für riesige Veranstaltungen soll es zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke aber nicht geben, erklärt Oesterling. 

Bald sollen Akku-Bahnen, wie hier in Nizza in Frankreich, durch Frankfurt rollen. 

Das Areal soll der „ruhigen Erholung“ dienen und nicht, es „eventmäßig stark zu bespielen“. Allerdings: „Wir fordern die Gastronomie ausdrücklich auf, sich mit Tischen und Bänken dort aufzustellen“, sagt Oesterling – auch schon während der 13-monatigen Testphase. Die Sperrung sei bereits ein Baustein zum Reduzieren des Verkehrs, unterstreicht der Dezernent. Schließlich habe das Land der Stadt zur Auflage gemacht, den Autoverkehr in der Innenstadt um 25 Prozent zu reduzieren.

Neben Akku-Tram: Auch Wassertaxi möglich

Wie aber sollen die Menschen, die bisher hier im Auto unterwegs sind, künftig von Ost nach West kommen und umgekehrt – und auch noch ohne Auto? Die Stadt hat eigens eine dritte Straßenbahnlinie auf die Altstadtstrecke gelegt, die 14 (Bornheim–Gallus). „Man sieht ja, wie stark die Nachfrage ist“, sagt Oesterling. Ganz oben auf der Liste von Ideen für eine weitere Ost-West-Verbindung stehe auch ein Wassertaxi entlang des Mains. Noch etwas ergänzt der Dezernent: „Wir könnten die Hafenbahn für den ÖPNV nutzen.“ Die Städtische Verbindungsbahn führt von Griesheim bis zur Mainkur in Fechenheim. Das Gleis verbindet die „großen“ Bahnstrecken im Osten und Westen der Stadt. Die Schienenstrecke verläuft durch den Westhafen, dann am Mainufer entlang, dort durch die Parkanlagen, schließlich bis in und durch den Osthafen. Genutzt wird das Gleis außerhalb des Osthafen-Geländes vornehmlich für Fahrten des Vereins Historische Eisenbahn Frankfurt.

Akku-Tram: Verkehrsdezernent Oesterling plant Test

Im innerstädtischen Bereich schwebt dem Verkehrsdezernent ein „Pendelbetrieb am Main“ vor, und zwar mit Straßenbahnen. Nutzen könne man dafür just jene neuen Trams der Baureihe T, die die Stadt beim Hersteller Alstom zur Lieferung ab 2021 bestellt hat. „Standardmäßig sind sie mit einer Option für einen Akkubetrieb vorgesehen“, erklärt Oesterling. „Eventuell rüsten wir zwei Fahrzeuge testweise mit Akkus aus.“ Mit ihnen wäre es möglich, die Straßenbahn ohne Masten und Oberleitungen zu betreiben, womit die schmucke Stadtansicht vom Fluss her nicht beeinträchtigt würde. „Keiner will dort Fahrleitungen und Masten“, ahnt der Verkehrsdezernent. Das biete das Modell Citadis – wie die Baureihe T bei Alstom heißt, bestätigt die Deutschlandsprecherin des Konzerns, Tanja Kampa.

Akku-Tram hat sich bereits in Nizza bewährt

Die Straßenbahnfahrzeuge seien mit Stromspeichern ausgestattet. Ein spezielles Ladesystem ermöglicht deren Aufladung, während die Bahn für 20 Sekunden an Haltestellen stoppt oder ein paar Minuten an den Endpunkten der Linien wartet. Während des Halts senken sich Kontakte vom Fahrzeug auf Ladeflächen, die im Bereich des Gleises verlegt sind. Dann wird Strom übertragen. Das System hat sich bereits als alltagstauglich bewiesen: In Nizza verkehren zwei Straßenbahnlinien seit Juli 2018 damit. Dort sollte in einem kurzen Abschnitt der berühmten Strandstraße Promenade des Anglais das Stadtbild geschont werden. Rollt also schon recht bald eine Straßenbahn durchs Nizza am Main so wie durch Nizza?

Akku-Tram zwischen Westhafen und Europäischer Zentralbank verkehren

Ein möglicher Ausbau der Verbindungsbahn könne zusammen mit dem städtebaulichen Wettbewerb geplant werden, schlägt Oesterling vor. Ein Anfangsbetrieb könne zuvor aber auch ohne größere Investitionen in die Infrastruktur laufen. Trams könnten zwischen dem Westhafen via Eiserner Steg und der Haltestelle an der Europäischen Zentralbank bis zum beliebten Hafenpark pendeln. Das werde „erstmal ein touristisches Angebot“, unterstreicht der Stadtrat. Rücksicht nehmen würde man auf den Betrieb der historischen Bahnen. Allerdings liegen auch Straßenbahn-Strecken in direkter Nähe: am Baseler Platz, in der Langen Straße, in der Hanauer Landstraße. Da winkt Oesterling jedoch klar ab. „Eine Einbindung ins Straßenbahnnetz ist Zukunftsmusik.“ 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

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