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Die Oberräder sind besorgt um das alte Gebäude des "Hirschen", das seit Monaten leer steht. 

Historischer Gasthof

Oberräder Gasthaus "Hirsch" steht weiterhin leer

Das historische Oberräder Gasthaus "Zum Hirsch" steht seit fast einem Jahr leer. Das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Der Stadt liegt kein Bauantrag vor.

Frankfurt - Die Internetseite des Restaurants "Zum Hirsch" ist noch online, als wenn nichts wäre: "Herzlich willkommen im Historischen Gasthof ,Zum Hirsch' - seit 1708. Oberrads ältestes Gasthaus" heißt es dort. Dass das Traditionslokal in der Offenbacher Landstraße 289 seit vergangenem September geschlossen ist, weiß in Oberrad indes jeder. Über Jahrhunderte haben die Oberräder dort gern gespeist, im urigen Gastraum, im Tanzsaal im ersten Stock oder im Garten mit der Kastanie hinter dem Haus. Geschichten ranken sich auch um den Gewölbekeller, der womöglich Teil eines größeren Kellersystems war.

Begründung fehlt

Jetzt steht das Haus leer, sein Anblick ist traurig. Der Schriftzug "Gasthof zum Hirsch" und der Hinweis "Gasthof der Ersten Oberräder Apfelweinkönigin" wurden entfernt, die Fassade ist nackt, und die Tür sieht aus, als ob lange keiner mehr durchgegangen ist. Das vermutlich mehr als 300 Jahre alte Fachwerkhaus war im Sommer 2018 vom Land Hessen unter Denkmalschutz gestellt worden, nachdem der Oberräder Bürgerverein und der Heimat- und Geschichtsverein dies in Wiesbaden beantragt hatten. Die innere und äußere Gebäudestruktur sei schützenswert, urteilte das Hessische Landesamt für Denkmalpflege. Die Freude in Oberrad war groß. Denn als 2017 das Haus den Besitzer wechselte, befürchteten die Anwohner, dass es abgerissen wird.

Die genaue Begründung des Amts für den Denkmalschutz steht aber noch aus und damit auch die detailgenauen Vorgaben, die bei einem Umbau berücksichtigt werden müssten. Dies deshalb, weil sich das Amt mit dem Besitzer, einer Vermögensgesellschaft aus Mainhausen, ins Einvernehmen setzen möchte. Der hatte zuvor einen Umbau geplant und war von dem plötzlichen Denkmalschutz überrascht worden.

Derweil geht im Stadtteil die Sorge um, dass das Haus verfällt und schließlich doch dem Abrissbagger zum Opfer fällt. Dem widerspricht jetzt der Besitzer. Er hält sich weiterhin bedeckt darüber, was er mit dem Gebäude vorhat. Ein Mitarbeiter der Vermögensgesellschaft sagt nur so viel: "Der Hirsch wird sicher nicht abgerissen. Wir haben auch großes Interesse daran, dass wieder eine Gaststätte dort einziehen kann." Alles Weitere sei aber noch nicht spruchreif. Das Unternehmen prüfe verschiedene Optionen.

Stadtplanungsamt erhielt keinen Oberräder Bauantrag 

Der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) hatte im Juni per Antrag die Stadt darum gebeten, Informationen über die Zukunft des Gebäudes einzuholen. "Wir haben noch keinen Bauantrag erhalten", sagt Markus Radermacher vom Stadtplanungsamt auf Anfrage. "Dort tut sich seit langem nichts", fügt er an. "Die letzte Bauberatung fand 2017 statt." Laut geltendem Bebauungsplan wäre an dieser Stelle eine dreigeschossige Bebauung plus Dachgeschoss möglich, das Haus liegt im Mischgebiet aus gewerblich genutzten und Wohngebäuden.

Eugen Müller, Vorsitzender des Bürgervereins, weiß, dass es richtig war, das Gebäude unter Schutz zu stellen, auch wenn es jetzt leer steht. "Es ist das älteste Gebäude Oberrads und muss erhalten bleiben", sagt er. Mit dem Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins, Guido Neumann, forschte er zur Vergangenheit des Hauses. In alten Kirchenbüchern der Erlöser-Gemeinde fand sich die erste Nennung schon 1641, als Nicolaus Hauck bei der Taufe seiner Tochter als "Hirschwirt" bezeichnet wurde. 1670 erfolgte der Eintrag der Heirat von Johann Daubner, der als Gasthalter im Hirsch tituliert wurde, mit Margaretha Lauf. 1708 wurde das Haus, das von französischen Truppen zerstört worden war, wieder aufgebaut. Aus dieser Zeit stammt das jetzige Fachwerk, das im Inneren teilweise freiliegt.

Von Stefanie Wehr

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