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Von Baustelle zu Baustelle kann man derzeit im Bethmannpark blicken. Im Vodergrund ist der Neubau der Orangerie zu sehen, gegenüber bauen Spezialisten aus China den vor rund zwei Jahren abgebrannten Pavillon wieder auf.

Nach historischem Vorbild

Bethmannpark: So geht es mit dem Wiederaufbau der Orangerie und dem chinesischen Pavillon voran

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1,3 Millionen Euro investiert die Stadt in die Modernisierung der Infrastruktur im Bethmannpark. Die Orangerie wird nach historischem Vorbild neu gebaut und die sanitären Anlagen werden erneuert. Ein positiver Nebeneffekt: Es entsteht 600 Quadratmeter mehr Parkfläche.

Frankfurt - Im Moment ist es noch recht zugig in der neuen Orangerie im Bethmannpark. Der Neubau ist zwar weitestgehend fertig, die Fenster und das Glasdach fehlen aber noch. Sie werden erst eingesetzt, wenn das Gebäude fertig verputzt ist. Diese Arbeit ist nämlich eine ziemliche Kleckerei – und die Fenster sowie das Glasdach sollen ja nicht gleich wieder geputzt werden müssen, wie Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes, erklärt.

Er freut sich schon auf das Frühjahr 2020. „Da werden wir eine Einweihung feiern, die Bürger bekommen ein Kleinod zurück“, kündigt er vielversprechend an. Der Neubau der Orangerie orientiert sich am historischen Vorbild. Künftig gibt es weder angebaute Gewächshäuser noch Toilettenriegel. Eine vollautomatische WC-Anlage wie im Holzhausen- oder Grüneburgpark soll im nordwestlichen Teil des Parkes einen Platz finden.

Baumhain wird angelegt

Weil gleichzeitig die Zufahrt zum Betriebshof des Grünflächenamtes geschlossen wird – sie ist dann nur noch von der Friedberger Landstraße aus zu erreichen – und eine Mauer versetzt wird, wächst die Parkfläche um 600 Quadratmeter. Wie die neuen Flächen gestaltet und welche Pflanzen dort gesetzt werden, steht laut Heldmann noch nicht fest. Ein Landschaftsarchitekt soll in den kommenden Monaten seine Vorstellungen präsentieren. Unmittelbar an der Orangerie soll aber höchstwahrscheinlich ein Baumhain angelegt werden.

Die Orangerie wurde 1925 als Kamelienhaus von der Familie Bethmann errichtet. Die einfache Bauweise war aber sehr anfällig: Im Laufe der Jahre traten horizontale Risse auf, auch das Fundament war beschädigt und teilweise gar nicht mehr vorhanden. Man stand vor der Entscheidung, das Gebäude unter energetischen Gesichtspunkten entweder zu sanieren oder aber abzureißen und neu zu bauen, erklärt Heldmann. Weil die Orangerie samt angeschlossener Gewächshäuser aber eigentlich keinen Zweck mehr im weiteren Sinn erfüllte, hatte der Magistrat zunächst auf eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gedrängt. Das Ergebnis: ein Neubau.

Dieser hat eine Grundfläche von rund 100 Quadratmetern. In dem Gebäude bietet Klaus Kugler, der Mitarbeiter des Grünflächenamtes und oberster Gärtner im Bethmannpark ist, auch künftig seine Pflanzenberatung an. Drei Mal wöchentlich können Bürger zu ihm kommen und den „Blumendoktor“ um Rat fragen. In dem Gebäude sollen wie bisher auch die Kübelpflanzen überwintern, die im Sommer im Park stehen.

Hinter dem Zeitplan

Laut Heldmann kostet die Gesamtmaßnahme rund 1,3 Millionen Euro. „Das ist eine Menge Geld“, sagt er. Die Investition lohnt sich aber seiner Ansicht nach. Ursprünglich hätten die Arbeiten schon viel weiter sein sollen. Der Zeitplan kam durcheinander, weil wegen des anhaltenden Baubooms zunächst bei der Ausschreibung keine Firmen gefunden wurden. Das Prozedere musste wiederholt werden. Auch die Kosten erhöhten sich deshalb.

Und so gibt es im rund 3 Hektar großen Bethmannpark derzeit nicht nur eine Baustelle. Denn im chinesischen Garten sind Arbeiter aus China gerade dabei, den chinesischen Tempel wieder aufzubauen. Brandstifter hatten das Gebäude vor rund zwei Jahren angezündet. Im Juli soll das neue Gebäude fertig sein. Doch was, wenn wieder Zündler zuschlagen? Dann werden sie es schwerer haben als beim letzten Mal. Der neue Pavillon ist aus Eukalyptusholz, das viel schwerer brennbar ist als das Ginkgoholz der ursprünglichen Anlage. Und es wird ein Alarm eingebaut.

Einst flanierte schon Goethe in dem „Garten vor dem Tore“ – dem heutigen Bethmannpark. Die Familie von Bethmann erwarb den Patriziergarten 1783 und gestaltete ihn dem Zeitgeist entsprechend mehrfach um. Die Stadt Frankfurt kaufte den Park 1941. Aus dem großbürgerlichen Park wurde 1953 ein städtischer Schaugarten als „praktischer Ratgeber“ für Blumen und Pflanzenfreunde. Geblieben ist davon die Pflanzenberatung. Die Grünfläche mitten in der Stadt steht seit 1976 unter Denkmalschutz.

von Matthias Bittner

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