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Im Bahnhofsviertel stinkt es zum Himmel, weil Männer ihrem Drang überall freien Lauf lassen.

Öffentliche Toiletten

Pinkel-Boxen sollen das Hygiene-Problem im Bahnhofsviertel lösen

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Im Bahnhofsviertel stinkt es zum Himmel, weil Männer ihrem Drang überall freien Lauf lassen. Jetzt wagt die FDP-Fraktion im Ortsbeirat 1 einen neuen Vorstoß, um das Hygiene-Problem zu lösen. Vorbild ist Paris.

Für Passanten im Bahnhofsviertel heißt die Devise „Nase zu und durch“. Überall stinkt es nach Urin. Der zuständige Ortsbeirat 1 macht seit Jahren Vorschläge, wie die Situation besser werden kann. Doch es passiert nichts. Und so stellt Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) dem Magistrat kein gutes Zeugnis aus. „Die Themen Wildpinkeln und öffentliche Toiletten wurde zuletzt sträflich vernachlässigt“, kritisiert er. Den Vorschlag der FDP-Fraktion im Ortsbezirk, sogenannte „Uritrottoirs“ aufzustellen, hält er für sinnvoll. Allerdings: „Sie können nur zur Ergänzung dienen. Die Lösung kann nur eine öffentliche Toilette sein.“

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In Paris gehören die „Uritrottoirs“ seit 2017 zum Straßenbild. Das Prinzip ähnelt in etwa dem eines Katzenklos. Es werden zwei Boxen übereinander gestapelt. Im oberen Teil können Blumen gepflanzt werden. Männer können in eine Pissoir-ähnliche Öffnung pinkeln. Der Urin läuft von dort in den untern Teil der Box, der mit Sägemehl oder Holzspänen befüllt ist und die Flüssigkeit aufsaugen. Bis zu 240 Liter beträgt das Fassungsvermögen. Die Firma „Komptoi“ in der Schweiz stellt die „Uritrottoirs“ her. Sie kosten zwischen 4400 und 7000 Euro.

Pinkel--Boxen: Wie ein Katzenklo

Stephan Korte, FDP-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 1, nennt zwei Vorteile des außergewöhnlichen Pissoirs. Es ist kostengünstig und kann kurzfristig aufgestellt werden. Denn die Zeit dränge. Noch vor der bevorstehenden Sommersaison müsse sich etwas tun, um das Hygiene-Problem zu lösen. Als Standorte schlägt Korte Nidda- und Elbestraße sowie Wiesenhütten- und Bahnhofsvorplatz vor.

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Claudia Gabriel, Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, spricht den „Uritrottoirs“ einen gewissen Charme nicht ab. Sie glaubt zwar, dass sie die Situation entspannen können. Trotzdem ist Gabriel skeptisch, ob das Bahnhofsviertel das richtige Einsatzgebiet ist. Denn Drogendealer und -konsumenten nutzten im Bahnhofsviertel fast alles, um Depots anzulegen. Auch das Edelstahlpissoir in der Moselstraße sei schon als Drogenversteck missbraucht worden. Außerdem befürchtet Gabriel, dass die „Uritrottoirs“ Ziel von Vandalismus werden könnten.

Hygiene-Problem im Bahnhofsviertel: Konzept wird präsentiert

Ob ein öffentliches WC gebaut wird, steht laut Günter Murr, Sprecher des zuständigen Dezernenten Jan Schneider (CDU), der das Amt für Bau und Immobilien verantwortet, noch nicht fest. Das stadtweite Toilettenkonzept sei noch nicht fertig, soll aber noch in 2019 vorgestellt werden. Auf Grundlage einer Online-Umfrage, bei dem der Bedarf für öffentliche WC ermittelt werden sollte, werde nun eine Prioritätenliste erstellt – hier sei die Meinung des Ortsbeirat 1 gefragt.

In Frankfurt gibt es laut Murr 55 öffentliche Toiletten, einige sind nur im Sommer geöffnet. Zudem gebe es mit 17 gastronomischen Betrieben eine Vereinbarung – sie stellen ihre Toiletten der Allgemeinheit zur Verfügung.

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