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Ein sogenannter Autoposer in der Polizeikontrolle. In Frankfurt wurde für diese Klientel vor einem Jahr eine eigene Polizeieinheit eingerichtet.

Spezialeinheit KART

Frankfurter Polizei kämpft gegen Autoraser: Das ist die Bilanz

Junge Autofahrer riskieren bei Rennen auf öffentlichen Straßen nicht nur ihr eigenes Leben. Deshalb hat die Polizei die Kontrolleinheit "Autoposer Raser Tuner" (kurz KART) gegründet. Das war vor gut einem Jahr.

Frankfurt - Ein kurzes Nicken. Vielleicht noch ein Handzeichen. Dann wird das Gaspedal im Leerlauf durchgetreten. Einmal, zweimal. Danach die Handbremse ziehen und die Kupplung kommen lassen, so dass das Auto ins Wippen gerät, aber nicht losfährt. Und spätestens jetzt haben die Insassen des anderen Wagens, der an der roten Ampel steht, verstanden, worauf das alles hinausläuft: auf ein illegales Autorennen durch Frankfurt.

Für Veranstaltungen dieser Art sind im Frankfurter Polizeipräsidium Mona Haverstreng und das KART-Team zuständig. Haverstreng ist stellvertretende Leiterin der Direktion Verkehrssicherheit und KART ist eine Abkürzung. Sie steht für: Kontrolleinheit Autoposer – Raser – Tuner. Gegründet wurde die Einheit vor gut einem Jahr. Ihr Ziel ist es, die Straßen der Stadt sicherer und leiser zu machen, indem etwa Raser aus dem Verkehr gezogen und Autorennen verhindert werden.

Sieben Wettfahrten hat die Einheit seit ihrem Bestehen registriert. Doch Haverstreng macht sich keine Illusionen: „Es gibt sicherlich ein gewisses Dunkelfeld.“ Dabei kontrollieren die Beamten schon zu Zeiten und an Orten, an denen Rennen für gewöhnlich ausgetragen werden. Sprich: nachts, wenn wenig Verkehr unterwegs ist, insbesondere vor Samstagen und Sonntagen, an Einfallstraßen wie der Hanauer oder der Mainzer Landstraße.

KART im Kampf gegen Raser: Auch Frauen sind bei den Autorennen dabei

Wie es aussieht, wenn solche Straßen zu Rennpisten werden, hat Chantal Emch erst kürzlich aufgeschrieben. Sie ist Pressesprecherin der Frankfurter Polizei und berichtete am vergangenen Wochenende von einer Wettfahrt auf der „Hanauer“. Daran beteiligt: ein 18 Jahre alter Mann und als Kontrahentin eine 20-jährige Frau, was nicht völlig ungewöhnlich sei, sagt Emch. Autorennen seien keine reine Männerdomäne, so die Erfahrung der Polizistin.

Los ging es um 1 Uhr nachts in Höhe der Honsellstraße. Beide Wagen standen an einer Ampel nebeneinander. Der 18-Jährige und die zwei Jahre ältere Frau unterhielten sich durch die geöffneten Seitenfenster. Als die Ampel grün wurde, gaben sie Gas und fuhren stadtauswärts. „Sie überholten andere Fahrzeuge und wichen dabei zum Teil auf die Straßenbahnschienen aus“, so Emch. Ein Wagen der KART-Einheit folgte den Rasern, auf Höhe der Schwedler Straße zeigte der Tacho bereits 90 Kilometer pro Stunde an – 50 km/h mehr als erlaubt. Doch nach einem erzwungenen Stopp an der roten Ampel am Ratswegkreisel ging die wilde Fahrt weiter. Mit bis zu 125 km/h rasten die beiden Kontrahenten nach Fechenheim. An der Daimlerstraße war dann Schluss. Das KART-Team stoppte die Wagen.

Wettfahrt endet glimpflich

In diesem Fall endete die Wettfahrt glimpflich, nämlich ohne Verletzte. Ein Motorradfahrer, der sich vor einigen Monaten nach Einschätzung der Polizei auf der Mainzer Landstraße ein Rennen mit einem anderen Kradfahrer geliefert hatte, hatte weniger Glück. Er stürzte und zog sich schwere Verletzungen zu.

Sehr genau hat man in der Verkehrsdirektion der Frankfurter Polizei den Prozess gegen zwei junge Autofahrer in Berlin verfolgt. Die beiden hatten sich auf dem Kudamm ein Rennen geliefert. Ein dritter Fahrer, der mit der Wettfahrt nichts zu tun hatte, wurde dabei getötet. Das Gericht ging nicht – wie es viele erwartet hatten – von fahrlässiger Tötung oder Körperverletzung mit Todesfolge aus, sondern verurteilte die Raser wegen Mordes. Der Gedanke dahinter: Wer mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde durch die Stadt rast, nimmt den Tod anderer Menschen zumindest billigend in Kauf und handelt damit vorsätzlich.

Doch für derart harte Urteile braucht es Tote oder Schwerverletzte – dazu kommt es glücklicherweise selten. Damit solche Rennen juristisch mehr sind als pure Geschwindigkeitsübertretungen, hat der Gesetzgeber im Herbst 2017 den Paragrafen 315d ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Danach werden illegale Autorennen mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft, bei Gefährdung von Menschen oder „fremden Sachen von bedeutendem Wert“ sind sogar fünf Jahre Gefängnis möglich.

Kontrolleinheit macht ernüchternde Erfahrungen

Die Polizei begrüßte die Einführung des neuen Paragrafen, doch die ersten Erfahrungen mit der neuen Norm sind aus Sicht der Ermittler ernüchternd. Sie stecken viel Zeit und Arbeit in die Ermittlungen, haben zum Teil die hohen Geschwindigkeiten und die Gefahr auf der Straße selbst erlebt. Doch vor Gericht zählen nur Beweise, die mitunter sehr schwer zu beschaffen sind. Ein einziger Frankfurter Autofahrer wurde nach Paragraf 315d angeklagt – und freigesprochen. Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass der Mann tatsächlich an einem Rennen beteiligt war.

„Genau das ist das Problem: Die Beweislage ist in diesem Punkt schwierig“, sagt Mona Haverstreng. Manch einer stelle sich Autorennen womöglich etwas falsch vor. „Das ist kein abgesteckter Kurs, da schwenkt niemand eine Startflagge, manchmal kennen sich die Fahrer noch nicht einmal“, so die Expertin.

Interpretationssache

In den Befragungen geben jedenfalls die wenigsten Verdächtigen zu, dass sie ein Rennen bestritten haben. Insofern bleibt den Ermittlern nur die Interpretation dessen, was sie im besten Fall auf Video haben, weil ein Zivilfahrzeug den Rasern folgte. Oft beginnen diese Videos eben genau so: ein Handzeichen, das Gaspedal wird im Leerlauf durchgetreten, das Auto wird zum Wippen gebracht. Und los geht es.

von Georg Leppert

Hier darf gerast werden

Auf dem Nürburgring können Autofahrer mit dem eigenen Wagen ihre Runden drehen. Die 25 Kilometer lange Tour kostet 30 Euro pro Runde. Deutlich teurer ist es, einen Sport- oder Rennwagen zu mieten. Pro Stunde sind mindestens 198 Euro fällig. Wer mit einem ausgebildeten Rennfahrer auf Tour gehen will, zahlt mindestens 95 Euro. Das Angebot ist als „Renntaxi“ bekannt.

Auch auf der Nordschleife des Nürburgrings, auf der es einen Höhenunterschied von 300 Metern gibt, lassen sich Sport- und Rennwagen mieten (Kosten zwischen 198 und 299 Euro). Renntaxis fahren ab 225 Euro.

Ordentlich Gas geben lässt sich auch auf der Teststrecke am Flugplatz Dahlemer Binz in der Eifel. Tourenwagen kann man für 199 Euro leihen.

Am Hockenheimring findet sich ein ähnliches Angebot. Sportwagen gibt es ab 250 Euro zu mieten.

Wem das zu teuer oder zu schnell ist, kann einen Ausflug zur Kartbahn machen. In Frankfurt gibt es etwa den Anbieter „Eko Kart“ an der August-Schanz-Straße in Preungesheim. Zehn Minuten kosten 14 Euro, auch Doppelsitzer sind im Angebot. Weitere größere Kartbahnen im Rhein-Main-Gebiet finden sich etwa in Groß-Zimmern („Fahrwerk“, Waldstraße 79) und Heidesheim am Rhein (Kartbahn „A 60“, Budenheimer Weg 67). Teilweise empfiehlt es sich zu reservieren. In der Regel können die Bahnen auch für Firmenveranstaltungen und Geburtstage gemietet werden. Und: Auf der Kartbahn sind Rennen erlaubt.

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