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Während der Autofahrt muss das Mobiltelefon tabu bleiben. Doch wer hält sich schon daran? Die Frankfurter Polizei will mit regelmäßigen Kontrollen und mit Aufklärungsaktionen uneinsichtige Verkehrsteilnehmer erziehen. Denn Ablenkung durch Handynutzung gilt als wichtige Unfallursache.

Das kann teuer werden

Frankfurter Polizei macht Jagd auf Autofahrer mit Handy am Ohr

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Wer während der Fahrt mit dem Handy in der Hand erwischt wird, zahlt mindestens 100 Euro Bußgeld. Mit zielgerichteten Kontroll- und Aufklärungsaktionen versucht die Polizei, auf die Gefahren der Mobiltelefonnutzung im Straßenverkehr hinzuweisen. So wie gestern Nachmittag auf der Eschersheimer Landstraße.

Frankfurt - Ein junger Beamter steht mit Maschinenpistole vor der Brust mitten auf der Straße. Seine rechte Hand liegt an der Waffe, in der linken hält er die Polizeikelle. Die Autofahrer rollen langsam vorbei, schauen neugierig auf die mit orangefarbenen Signalhütchen markierte Kontrollstelle, an der mehrere Streifenwagen stehen. Eine Großfahndung? Jagt die Polizei einen flüchtigen Schwerverbrecher? Nein, es geht an diesem Montagnachmittag um ein ganz alltägliches Vergehen: die Handynutzung am Steuer. Eine Spur der Eschersheimer Landstraße ist kurz nach der U-Bahnhaltestelle Dornbusch stadteinwärts für einige Meter gesperrt ist. Mehrere Polizisten stehen bereit und warten darauf, wen ihr Kollege mit der Maschinenpistole heraus winkt.

Ein vorgelagerter Beobachtungsposten in Zivil gibt per Funk durch: „Gleich kommt ein Audi-Kombi, braun bis kupferfarben. Da sitzt ein Typ mit Dreitagebart drin, der hat das Handy gerade aus der Hand gelegt. Links, in Oberschenkelhöhe.“ 

Punkt in Flensburg

Das Mobiltelefon am Steuer eines Kraftfahrzeugs zu nutzen, ist verboten. Egal, ob man es am Ohr hält und telefoniert oder nur kurz darauf herumtippt: Wer erwischt wird, muss mindestens 100 Bußgeld zahlen und bekommt einen Punkt in Flensburg. „Ablenkung im Straßenverkehr ist eine Hauptursache von Unfällen“, sagt Thomas Gohla, der die Verkehrsprävention des Polizeipräsidiums leitet. 

Im vergangenen Jahr seien zwar nur 18 Verkehrsunfälle in Frankfurt registriert worden, bei denen die verbotete Nutzung eines Mobiltelefons am Steuer offiziell als Ursache festgestellt werden konnte. „Die Dunkelziffer ist aber viel höher“, sagt Gohla. „Experten gehen vom hundert- bis tausendfachen aus.“ Der Grund sei, dass kaum ein Unfallverursacher zugebe, sein Handy in der Hand gehalten zu haben.

Kinder am Straßenrand 

Um Autofahrer auf die Gefahr aufmerksam zu machen, setzen Gohla und seine Beamten nicht nur auf konsequente Kontrollen, 2816 Handy-Fahrer wurden im zurückliegenden Jahr in Frankfurt zur Kasse gebeten, sondern auch auf Information. Im Anschluss an die Kontrollstelle haben sie deshalb einen 15 Meter langen roten Teppich an den Fahrbahnrand der Eschersheimer Landstraße gelegt. „Das ist die Strecke, die sie bei Tempo 50 zurücklegen, wenn sie nur eine Sekunde auf ihr Handy schauen“, erklärt ein Verkehrspolizist den Autofahrern, die bei der Kontrollaktion erwischt wurden. Im freundlichen Ton, denn er will für Verständnis werben.

Zwischen den geparkten Autos schauen eine Kinderfigur mit Fußball, ein Fahrrad und ein Rollator hervor. „Da sehen Sie, was alles passieren kann“, erklärt der freundliche Polizist. Die Betroffenen hören ihm zu und nicken. Ob sie zerknirscht oder verärgert sind, kann man nicht immer genau erkennen. Das Fernsehen ist da, doch die wenigsten Autofahrer, die nun 100 Euro Bußgeld zahlen müssen, wollen sich vor der Kamera zeigen.

"Für die Polizei nur bedingt leistbar"

Insgesamt kontrollieren die Polizisten an diesem Nachmittag in knapp zwei Stunden 28 Fahrzeuge. In 19 Autos haben sie eine unerlaubte Handynutzung festgestellt. In einem Fall trifft es einen Radfahrer. Denn auch auf dem Fahrrad ist das Mobiltelefon tabu, ansonsten droht ein Bußgeld von 55 Euro. Auch Verstöße gegen die Gurtpflicht ahnen die Beamten während der Aktion.

„Die Kontrolle von Handynutzern im Straßenverkehr ist für die Polizei nur bedingt leistbar“, sagt Thomas Gohla. „Entscheidend ist, dass wir mit solchen Aktionen ein Signal setzen und das Bewusstsein dafür wecken, dass die schwächeren Verkehrsteilnehmer darunter leiden.“ Es werde noch öfter solche zielgerichteten Kontrollen geben, kündigt Gohla an. „Aber auch die Kollegen im Streifendienst achten auf die Handynutzung am Steuer.“

VON DANIEL GRÄBER

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