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Polizei testet Video-Dolmetscher

Pilotprojekt

Polizei testet Video-Dolmetscher - Technik soll bei Verständigungsproblemen helfen

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Die Frankfurter Polizei setzt probeweise auf digitale Helfer: Per Videochat können Einsatzkräfte Dolmetscher zuschalten. 33 verschiedene Sprachen stehen dabei rund um die Uhr zur Verfügung. Der Testbetrieb ist bis Ende Juni geplant. Die Erfahrungen sind bisher positiv.

Frankfurt - Die Beamten der Polizeiautobahnstation Frankfurt freuen sich über einen neuen Kollegen. Er hilft ihnen immer dann, wenn sie mit ihren Sprachkenntnissen nicht weiterkommen. Zum Beispiel, wenn bei einer Lastwagenkontrolle der Fahrer aus Litauen stammt und weder Deutsch noch Englisch versteht. Statt wie bisher auf einen extra angeforderten Dolmetscher zu warten, haben sie nun einen dabei: in einem tragbaren Computer mit Videokamera.

Video-Dolmetscher: 33 Sprachen zur Auswahl

In vier Dienststellen testet die Frankfurter Polizei seit Anfang Januar den Video-Dolmetscher. Die Technik funktioniert vergleichsweise simpel: Die Beamten wählen sich über ihr Notebook oder Tablet-PC bei einem kommerziellen Anbieter ein, wählen eine der 33 zur Verfügung stehenden Fremdsprachen aus. Nach wenigen Minuten steht dann die Videoverbindung. Der Dolmetscher erscheint auf dem Bildschirm und kann dem litauischen Fernfahrer per Kamera-Chat erklären, was die deutschen Polizisten von ihm wollen.

Beim Europapokal-Spiel der Frankfurter Eintracht hatte der Video-Dolmetscher einen seiner erste Einsätze, wie dieser Tweet der Frankfurter Polizei zeigt.

Die Erfahrungen seien bisher positiv, sagt Alexander Kießling, Sprecher der Frankfurter Polizei. Das Pilotprojekt laufe voraussichtlich bis Ende Juni. Danach werde entschieden, ob die neue Technik dauerhaft angeschafft und auf weitere Dienststellen ausgeweitet werde. Für den Testlauf seien Video-Dolmetscher am Flughafen, der häufig mit ausländerrechtlichen Angelegenheiten befassten Dienststelle "Zentrale Ermittlungen", beim Kriminaldauerdienst und eben bei der Autobahnpolizei im Einsatz.

Allerdings könnten sich auch Beamte anderer Dienststellen, die Geräte bei Bedarf und Verfügbarkeit ausleihen. So setzte die Polizei bei dem Europapokal-Heimspiel der Eintracht gegen Inter Mailand auf die Unterstützung des mobilen Dolmetscherdienstes, um mit den italienischen Fans besser kommunizieren zu können.

"Wir sind in Frankfurt sehr multikulturell unterwegs und häufig mit Touristen konfrontiert, die alle möglichen Sprachen sprechen", erklärt Polizeisprecher Kießling. "Der Video-Dolmetscher hilft uns beim Erstkontakt. Wir hoffen, dadurch auch die Dolmetscherkosten senken zu können."

Wenn es diffizil wird, komme aber nach wie vor ein Dolmetscher aus Fleisch und Blut zum Einsatz. "Zum Beispiel bei einem Vergewaltigungsopfer, da fragen wir dann bei einem Dolmetscherdienst an, ob sie uns eine Frau schicken können, die einfühlsam ist. Das geht nicht per Videochat."

Video-Dolmetscher: Frankfurt ist erste Stadt in Hessen

Hessenweit ist Frankfurt die erste Stadt, in der die neue Technik im Polizeialltag getestet wird. "Die Erprobung ist zunächst für eine Laufzeit von sechs Monaten geplant. Dann wird geprüft, ob eine Ausweitung des Videodolmetschers sinnvoll ist", teilt das Wiesbadener Innenministerium mit. "Ziel ist es dabei zunächst, sprachliche Barrieren zu überwinden, nicht gerichtsverwertbare Ergebnisse zu erzielen."

Der Anstoß dazu kam laut Kießling von einem Frankfurter Polizeibeamten, der nach Gießen abgeordnet wurde - in die hessische Erstaufnahmestelle für Asylbewerber. Dort hätte er erlebt, wie Video-Dolmetscher die Arbeit erleichtern können. "Er hat die Idee dann in unser Präsidium getragen", so der Sprecher. Sollte das Pilotprojekt in einen Dauerbetrieb überführt werden, wäre eine Ausschreibung notwendig. Dann könne auch ein ganz anderer Anbieter zum Zuge kommen, als derjenige, der in der Testphase für die Polizei dolmetscht.

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