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Gabriela Bloem würde hier gerne mit ihrem Verein "KunstWerk Praunheim" einziehen. Das ehemalige Gebäude der Praunheimer Werkstätten soll zu einem Stadtteil- und Kulturzentrum umgewandelt werden.

Praunheimer Werkstätten

Künstler müssen weiter warten

Ehemaliges Gebäude der Praunheimer Werkstätten wird noch als Flüchtlingsunterkunft benötigt  - Die ehemaligen Praunheimer Werkstätten sollen länger als ursprünglich geplant als Unterkunft für Flüchtlinge dienen. Im Verein "KunstWerk" Praunheim sorgen diese Pläne für Frust.

Praunheim - "Enttäuscht und verärgert" - so beschreibt Vorsitzende Gabriela Bloem die Stimmung, die derzeit im Verein KunstWerk Praunheim herrscht. Das hängt mit dem Gebäude Alt-Praunheim 2 zusammen, in dem bis vor einigen Jahren die Praunheimer Werkstätten untergebracht waren und das seit 2015 im Besitz der städtischen KEG Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft ist. Eigentlich soll hier ein Stadtteil- und Kulturzentrum entstehen. Dafür setzt sich nicht nur KunstWerk Praunheim ein, sondern das ist auch im Rahmenplan für das Viertel so festgelegt.

Bis dieses Projekt verwirklicht wird, dürfte es jedoch dauern. Denn seit knapp fünf Jahren dient das Gebäude als Unterkunft für Flüchtlinge - und nach dem Willen des Sozialdezernats soll das noch mehrere Jahre so bleiben. Dabei, sagt Gabriela Bloem, habe Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) 2015 noch versichert, dass der Bau nur vorübergehend für Flüchtlinge genutzt werden solle. "Es hieß damals, dass das nach spätestens fünf Jahren beendet sei", erinnert sich die Vorsitzende. Das sei der Grundkonsens gewesen, den auch der Verein mitgetragen habe.

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In den folgenden Jahren habe der Verein mehrere Kulturveranstaltungen in dem Gebäude organisiert, was auch zur Akzeptanz der Unterkunft im Stadtteil beigetragen habe. "Das ist alles ganz ruhig gelaufen", sagt Gabriela Bloem.

Mit dieser Ruhe ist es jetzt allerdings vorbei. Im Mai sickerten nämlich Gerüchte in den Stadtteil, dass das Sozialdezernat mit dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, der die Flüchtlingsunterkunft in Praunheim betreibt, verhandelt - mit dem Ziel, diese Nutzung zu verlängern. Als der Verein daraufhin in der Behörde nachfragte, wurde das bestätigt. Bei KunstWerk Praunheim ist der Ärger nun groß - auch deshalb, weil man sich vom Sozialdezernat übergangen fühlt. "Wir haben so eine schöne Strecke im Konsens gemeistert, aber jetzt sind wir so was von frustriert", sagt Gabriela Bloem.

Frankfurt: Unterkunft für Menschen in Not

Das Sozialdezernat versichert derweil, dass man durchaus weiter daran interessiert sei, dass das Gebäude irgendwann in ein Stadtteil- und Kulturzentrum umgewandelt wird. Allerdings noch nicht jetzt, denn man brauche dringend diese Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. "Es geht hier um Menschen in Not, das ist nicht verhandelbar", sagt Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. "Wir können auf diese Plätze im Moment nicht verzichten." Dass man den Verein nicht früher in die Planungen einbezogen habe, liege daran, dass man noch im "Klärungsprozess" gewesen sei, erklärt Skotnik: "Das war kein Zeitpunkt, zu dem man an die Öffentlichkeit geht. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Verein KunstWerk Praunheim alle Informationen immer sofort im Stadtteil kommuniziert."

In einem Brief an den Verein verweist Birkenfeld außerdem darauf, dass das Gebäude dringend saniert werden müsse. Das Dach sei undicht, Fenster und Türen müssten ausgetauscht beziehungsweise repariert werden. "Wenn wir die Bauarbeiten jetzt durchführen lassen, refinanzieren sie sich über den Betrieb als Übergangsunterkunft", schreibt die Sozialdezernentin. "Davon wird später auch der Stadtteil profitieren."

Weitere Nutzung unklar

Gabriela Bloem überzeugen diese Argumente nicht. Sie hegt vielmehr die Befürchtung, dass in dem Bau neben Flüchtlingen auch immer mehr Wohnungslose untergebracht werden, so dass die Nutzung als Kulturzentrum in noch weitere Ferne rückt. "Wir haben nichts gegen Obdachlose, aber die Künstler warten jetzt schon seit fünf Jahren darauf, das Gebäude endlich nutzen zu können", sagt die KunstWerk-Vorsitzende. Das könne "Zug um Zug" geschehen, schlägt sie vor: "Im Keller ist beispielsweise keine schöne Wohnsituation, dort könnte man vielleicht Ateliers unterbringen."

Im Sozialdezernat will man nicht ausschließen, dass auch einige Obdachlose in das Gebäude einziehen könnten - allerdings nur vorübergehend. "Manchmal gibt es Situationen, dass man für einzelne Familien Unterkünfte in einer bestimmten Größe braucht", sagt Manuela Skotnik. "Aber dabei handelt es sich um Einzelfälle, das ist nicht die generelle Linie."

Das Sozialdezernat hat alle Beteiligten für Oktober zur Gesprächsrunde über die Zukunft des Gebäudes eingeladen, also das KunstWerk Praunheim, den Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, den Ortsbeirat und den Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. 

Von Brigitte Degelmann

Die Praunheimer Werkstätten haben eine neue Führungsspitze: Der langjährige Geschäftsführer Wolfgang Rhein ist jetzt Rentner, die Geschäfte führen Andreas Schadt und Thomas Schmitter. Im Interview mit Redakteurin Judith Dietermann sprachen sie vor einem Jahr über die Zukunft der Werkstätten.

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