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Für Aufregung sorgt dieses Schreiben in Bornheim.

Politik hat sich eingeschaltet

Eklat in Bornheim: Mit diesem Schreiben bringen Hundebesitzer Eltern auf die Palme

Ein Schreiben von Hundebesitzer an Eltern von Kleinkindern bringt die Bürger in Bornheim richtig auf die Palme - es geht aber um ein grundsätzliches Problem.

Frankfurt - Die einen sind sprachlos, die anderen stimmen zu: Die Reaktionen auf ein im Namen von Hundebesitzern veröffentlichtes Schreiben im sozialen Netzwerk Facebook könnte unterschiedlicher jedenfalls nicht sein. Das Thema polarisiert aber. "Es wird immer doller hier, jetzt stellen die ihre Tölen schon über Kinder", ist eine Bornheimerin empört. "Das Anliegen ist total legitim", heißt es in einem anderen Kommentar. "Was daran ist verkehrt? Musste schon mal einen Hund baden, der sich in Kinderkacke gewälzt hat." Einige wenige äußern sich neutral: "Hinterlassenschaften gehören weg geräumt. Egal ob sie von Hunden oder Kindern stammen."

Für Aufregung sorgt dieses Schreiben in Bornheim.

Verfasst haben das Schreiben angeblich Hundebesitzer, die mit ihren Vierbeinern in der Grünanlage am Bornheimer Hang Gassi gehen. Namentlich genannt ist allerdings niemand. Offenbar beobachten sie aber, dass Kinder in die Büsche pinkeln, ja dort sogar größere Geschäfte erledigen. Eltern oder Erziehern werfen sie vor, dass sie die entsprechenden Hinterlassenschaften nicht entsorgen.

"Liebe Eltern und Erzieher, wir, die Hundebesitzer vom Bornheimer Hang bitten Sie sehr darum, ihre Kinder dazu anzuhalten, nicht in die Hecke und Anlagen zu urinieren und zu kacken. Sollte es dennoch einmal passiert sein, bitten wir Sie, diese Hinterlassenschaften in den eigentlich für Hunde vorgesehenen Tüten zu entsorgen. Wir sorgen dafür, dass die Anlage sauber und weitestgehend kotfrei ist, tun Sie bitte das Ihrige, damit wir alle diese wunderbare Anlage weiterhin stressfrei nutzen können", heißt es in dem Schreiben.

Frankfurt Bornheim: Hundebesitzer bringen Eltern auf die Palme

Schon vor mehr als vier Jahren hatte Oliver Lang, Vorsitzender des Kleingärtnervereins Buchhang (KGV), in einer Sitzung des zuständigen Ortsbeirates 4 (Bornheim, Ostend) auf den Missstand hingewiesen. Schon damals hatte er betont, dass die Situation nur zu lösen sei, wenn eine öffentliche Toilette in der Rose-Schlösinger-Anlage errichtet wird. "Es gibt immer noch keine Toilette. Deswegen hat sich auch nichts geändert", sagt Lang. Im Gegenteil. Die Lage sei sogar noch schlimmer geworden, weil die Grünanlage entlang der Kettelerallee zuletzt aufgewertet worden sei und jetzt noch mehr Besucher kämen. Während Großveranstaltungen wie derzeit etwa der Dippemess' hätten Erwachsene gar keine Hemmungen mehr, ärgert sich Lang.

Es gibt noch kein stadtweites Toilettenkonzept

"Ich habe drei erwachsene Kinder, das wäre uns aber im Traum nicht eingefallen. Das ist eine Riesensauerei", sagt Bodo Pfaff-Greiffenhagen, CDU-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 4. Die Hundebesitzer hätten sich extra zusammengeschlossen, um eine funktionierende Versorgung mit Hundekottüten sicherzustellen. Das laufe seit Jahren reibungslos . "Das sieht man der Anlage auch an. Und jetzt kommt so etwas", sagt Pfaff-Greiffenhagen.

Er sagt aber auch: "Es ist natürlich fahrlässig von der Stadt, dort kein öffentliches WC bereitzustellen. Das Argument, es sei kein Geld dafür da, lasse ich nicht gelten." Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) unterstützt das. Er erinnert an mehrere Antrag, in dem der Ortsbeirat eine öffentliche Toilette in der Rose-Schlösinger-Anlage gefordert habe. "Man hat es amtlich, aber offenbar noch nicht als dringlich angesehen", sagt Steib.

Günter Murr, Sprecher des zuständigen Dezernenten Jan Schneider (CDU), der das Amt für Bau und Immobilien verantwortet, kann noch nicht sagen, ob ein öffentliches WC in der Rose-Schlösinger-Anlage gebaut wird. Er verweist auf das stadtweite Toilettenkonzept, das noch nicht fertig ist, aber noch in 2019 vorgestellt werden soll. Auf Grundlage einer Online-Befragung, mit der der Bedarf für öffentliche WC ermittelt werden sollte, werde nun eine Prioritätenliste erstellt. Laut Murr hatten Bürger bei der Online-Befragung einen Standort bei den Spielplätzen in der Kettelerallee/Rose-Schlösinger-Anlage angeregt.

Klohäuschen abgerissen

Ein öffentliches Klohäuschen hatte es übrigens schon einmal an der Kreuzung Wittelbacher-/Kettelerallee gegeben. Es wurde abgerissen. Langs Wunsch, das Gebäude zu einem Café mit öffentlichem WC umzubauen, wurde nicht gehört. Allerdings sind die Leitungen und Anschlüsse noch vorhanden und könnten für einen Neubau jederzeit verwendet werden.

Hinterlassenschaften von Kindern scheinen bei der Pflege der Grünanlage übrigens kein größeres Problem zu sein. "Mir ist nichts bekannt", sagt Bernd Roser, im Grünflächenamt für die Unterhaltung von Grünflächen zuständig.

Hundekacke oder Kinderkot: Das Thema polarisiert. Mal meckern die einen, mal die anderen. Das gehört zum Taktieren und ist leicht durchschaubar. Und deshalb verwundert es jetzt nicht, dass Hundebesitzer - wenn es tatsächlich welche waren - in einem Schreiben ganz bewusst provozieren und gegen Eltern und Erzieher pöbeln.

Das nennt man eine Retourkutsche. Vor ein paar Jahren nämlich gab es einen Shitstorm gegen Hundehalter, weil sie die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge in der Rose-Schlösinger-Anlage am Bornheimer Hang nicht beseitigten. Die Aufregung hat sich schon längst gelegt, Hundekotbeuteln in Tütenspendern sei Dank. Doch jetzt kocht das Thema plötzlich wieder hoch, nur unter umgekehrten Vorzeichen.

Und schon heißt es wieder, die Stadt Frankfurt müsse handeln und eine öffentliche Toilette am Bornheimer Hang bauen. Ja, es gibt grundsätzlich zu wenige öffentliche WC in Frankfurt. Und ja, eine reiche Kommune wie Frankfurt sollte das Geld für den Bau und den Betrieb von Toiletten übrig haben. Doch die Lösung ist wie so oft viel einfacher: Bücken und seinen "Mist" selber wegzuräumen. Das tut auch gar nicht weh!

Kommentar: Einfach bücken und selber wegräumen

Hundekacke oder Kinderkot: Das Thema polarisiert. Mal meckern die einen, mal die anderen. Das gehört zum Taktieren und ist leicht durchschaubar. Und deshalb verwundert es jetzt nicht, dass Hundebesitzer – wenn es tatsächlich welche waren – in einem Schreiben ganz bewusst provozieren und gegen Eltern und Erzieher pöbeln. Das nennt man eine Retourkutsche. Vor ein paar Jahren nämlich gab es einen Shitstorm gegen Hundehalter, weil sie die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge in der Rose-Schlösinger-Anlage am Bornheimer Hang nicht beseitigten. Die Aufregung hat sich schon längst gelegt, Hundekotbeuteln in Tütenspendern sei Dank. Doch jetzt kocht das Thema plötzlich wieder hoch, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Und schon heißt es wieder, die Stadt Frankfurt müsse handeln und eine öffentliche Toilette am Bornheimer Hang bauen. Ja, es gibt grundsätzlich zu wenige öffentliche WC in Frankfurt. Und ja, eine reiche Kommune wie Frankfurt sollte das Geld für den Bau und den Betrieb von Toiletten übrig haben. Doch die Lösung ist wie so oft viel einfacher: Bücken und seinen „Mist“ selber wegzuräumen. Das tut auch gar nicht weh! 

von Matthias Bittner

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