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Die "Raketen Jungs" (v.l.): Sven Weidner (Ukulele), Kevin Bornath (Bass), Marc Hey (Gesang), David Kemper (Ukulele) und Tobias Keller (Cajon).

Ungezügelte Spielfreude

Die "Raketen Jungs" starten durch: Neue Band setzt auf ungewöhnliche Ukulele-Cover

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Fünf junge Männer, allesamt Freunde und gestandene Musiker, haben mit ihrer neu formierten Band einen vielversprechenden Premieren-Auftritt hingelegt. Im Mittelpunkt stehen der pure Spaß am gemeinsamen Musizieren -- und ein kleines,, aber charmantes Instrument.

Frankfurt-Zeilsheim - Da staunten die Gäste im Schwanheimer Traditionslokal "Mainlust": Von Wirt Louie Hölzinger als "ein paar Freunde, die "e bissi Musik machen wollen" im Vorprogramm der Hausband "Calon Lân" angekündigt, legten fünf junge Männer mit zwei Ukulelen, Bass und Cajon, entspannt auf Holzhockern sitzend, los. Niemand aus dem Publikum hatte je einen Ton von diesen Musiker vernommen - aber nach nur wenigen Takten des Ärzte-Klassikers "Schrei nach Liebe" klatschten und sangen alle mit.

Einen Nerv getroffen

Nach dem Motto "Mit einem Erdbeben beginnen und dann langsam steigern" legte das Quintett im Laufe seines halbstündigen Auftritts sogar noch nach: Von Steppenwolfs unzerstörbarer Biker-Hymne "Born to be Wild" über den Spider-Murphy-Gang-Hit "Skandal im Sperrbezirk" in einer Ska-Version bis hin zu modernen Stücken wie Aviciis "Wake me Up", versetzten die Fünf ihre Zuhörer in Hochstimmung, irgendwo zwischen Party-Ekstase und Nostalgie-Seligkeit.

Spätestens da dämmerte es Kevin Bornath und seinen Mitstreitern: Die Musik ihres Spaßprojektes mit dem Namen "Raketen Jungs" trifft bei den Menschen einen Nerv - und könnte vor einer langlebigen Karriere stehen. "Wir bieten musikalisch einen schönen Kontrast", versucht sich Bornath, Betreiber eines mobilen Handkäs-Shops, an einer Erklärung. "Unsere Ukulelen bringen eine Fröhlichkeit in die Lieder, durch die Band sind aber auch Druck und Volumen dahinter."

Auch, dass die Zuschauer in der "Mainlust" berichteten, die Begeisterung der Band sei spürbar gewesen und habe sich sofort übertragen, kommt nicht von ungefähr: Denn alle Musiker sind teils seit vielen Jahren befreundet und machen mit den "Raketen Jungs" genau das, worauf sie Lust haben. Die Ursprünge der Band gehen ein paar Jahre zurück: "David und ich waren auf einem Surf-Camp in Frankreich", erzählt Bornath. "Abends am Lagerfeuer packten wir immer unsere Ukulelen aus und spielten." Das stieß auf viel Zuspruch: "Ihr solltet damit unbedingt mal als Gruppe auftreten", bekamen die beiden damals oft zu hören. Ein Freund, den sie dort kennengelernt hatten, begann seine E-Mails an Kevin und David immer mit der Anrede: "Na, Ihr Raketen!".

Jetzt schien der richtige Zeitpunkt gekommen, die Idee mit der Ukulelen-Band umzusetzen - der Name war ebenso schnell gefunden wie die musikalischen Komplizen. Bornath erinnert sich: "Die meisten unserer früheren Bands waren auseinandergegangen." Mit Musikgruppen sei es ähnlich wie in Beziehungen: "Oft merkt man sehr spät, dass es sich überlebt hat, die Luft einfach raus ist." Um im Bild zu bleiben: Die "Raketen Jungs" sind gerade im Stadium der wilden Verliebtheit, der im Bauch flatternden Schmetterlinge und des Gefühls, im Dauerrausch durch die Welt zu laufen.

Dabei ist diese Liebe durchaus auf starkem Fundament gegründet, denn jeder im Quintett bringt gehörige musikalische Expertise mit. Stammen die Mitglieder doch aus verschiedenen Bands unterschiedlichster Stilrichtungen der regionalen Szene: Bassist Bornath etwa ist mit Sänger Marc Hey schon seit Schultagen befreundet und spielte mit ihm neun Jahre lang Gitarre in der Punkformation "Freibier." Ukulelenspieler David Kemper zupfte in der Drei-Mann-Trash-Metalband "Icore" den Bass, der andere Ukulelist Sven Weidner ließ es als Gitarrist in der Death-Metal-Combo "Nuclear Winter" krachen, und auch Tobias Keller am Cajon hat sich in vielen Gruppen den nötigen Bühnenschliff geholt.

Viele Einflüsse

Die Vielfalt musikalischer Einflüsse nennt Kevin Bornath denn auch als Stärke der "Raketen Jungs": "Wir nehmen musikalische Genres nicht sonderlich ernst", erklärt er. Wobei die Vorlage schon gewisse rhythmische und melodische Voraussetzungen mitbringen müsse, um für das Ukulele-Arrangement zu funktionieren. "Von New-Wave-Stücken aus den Achtzigern mit ihren Synthesizer-Teppichen lassen wir die Finger", sagt Bornath.

Grund: Der Ton der Ukulele verklingt zu schnell, Musiker sprechen vom fehlendem "sustain". Wichtig ist den "Raketen Jungs" auch ihr Selbstverständnis: "Wir sind Künstler, keine Dienstleister", formuliert es Bornath. Sprich: Wer im Konzert ,Wonderwall' als Zugabe fordert, wird bei den Musikern auf taube Ohren stoßen. Ihrem Erfolg scheint es keinen Abbruch zu tun: An diesem Freitag steht im Frankfurter Dreikönigskeller der nächste Auftritt an. Und im Herbst folgen die Fünf erneut der Einladung ihres Förderers Louie Hölzinger in die "Mainlust", um ihrem Motto alle Ehre zu machen: "Die Raketen Jungs gehen steil."

von Michael Forst

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